‘mundhöhlenhochwasser’ von gestern

Dienstag, Juli 7th, 2015
Battlestar Gelatoca

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DAS neue Gastroding (nach der Burgerwelle) sind hippe, biologischorientierte Eissalons, jenseits irgendwelcher 80er-Jahre Italo-Charmes. Gerne auch mit ausgefallenen Sorten und vegan sowieso. In Wien haben dieses und letztes Jahr 5 oder 6 Läden aufgemacht – von denen ich jetzt alleine weiß. Die eisige Dunkelziffer dürfte sicher höher liegen. Zeit also für einen kleinen Überblick in beliebiger Reihenfolge:

 

1.) Leones

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Im Nachbarhaus meiner ehemaligen WG hat heuer dieser feine Laden geöffnet. Verkehrsgünstig gegenüber dem Alten AKH besticht er zunächst einmal mit seiner sehr liebevollen Einrichtung (die Deckenlampen sind umgedrehte Eiswagenhauben). Die Theke aus Sichtbeton ist der feuchte Traum eines jeden Architekten.

Die Eissorten sind eher klassisch gehalten. Ganz verwegene Geschmackskombinationen gibt es hier nicht. Kommt vielleicht noch. Beim Design geht mir das Herz auf und liegt mit seiner Klarheit gestalterisch absolut im Trend.

Gehört mit 1,80 € pro Kugel aber zu den teureren Salons.

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www.leones.at

Lange Gasse 78, 1080 Wien (Ach, seufz. *Sehnsucht krieg*)

 

2.) Veganista

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Das Logo ist der Hammer! Sollte einen Preis bekommen. Unbedingt. Die Lage ist eher semioptimal. Die Neustiftgasse gehört jetzt nicht unbedingt zu den schönsten Ecken im Bezirk. Außerdem ist nur Abendsonne da.

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Da ich bekennender Milchjunkie bin, fühle ich mich bei der Bewertung des rein veganen Ladens etwas befangen. Ganz überzeugt war ich nicht. Was aber toll ist, sind die ausgefallenen Sorten wie Erdbeer-Agave, Basilikum oder Heidelbeer-Lavendel. Und die kompostierbaren Eisbecher!

1,60 € die Kugel. Eine eingeschworene Fangemeinde hat der Laden ohnehin. Ich komme irgendwann mal wieder.

www.veganista.at

Neustiftgasse 23, 1070 Wien

 

3.) Schelato

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Ebenfalls neu seit diesem Jahr. Name und Logo sind grenzgenial. Drinnen sieht es eher „studentisch“ aus. Überzeugt mich jetzt nicht. Von der Eis-Herstellung verstehen Sie aber was. Weichsel mit Oregano oder Granatapfel mit Basilikum. Und das Haselnusseis ist das zweitbeste Wiens. (Nach Tichy. Und das ist schlicht sagenhaft.) Einziges Manko: Das Stanitzel war nur määhh.

Preis pro Kugel bei 1,40 €. Dafür mit Südsonne und schönem Schanigarten.

www.schelato.at

Lerchenfelderstraße 34, 1080 Wien

 

4.) Gefrorenes

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Direkt neben dem Votivkino und somit in direkter Nachbarschaft zum Schottentor hat dieser Eisladen heuer seine Pforten eröffnet. Die Gestaltung, auch wenn schon etwas abgenudelt, gefällt mir sehr gut, Der Name passt auch. Mit dem Motto kann ich allerdings gar nichts anfangen. „Eis wie damals“. Ich habe keine Ahnung wie Eis damals war und was es ausgezeichnet hat. Für mich hat Eis eher eine Entwicklung zur jetzigen Qualität durchgemacht. Damals, in den seligen 50ern, kippten sie wahrscheinlich noch Erdöl ins Schokoeis.

Passend zum Motto hat das Resultat weder mich noch meine beiden Begleiterinnen geschmacklich umgehauen. Dafür punktet die Lage und ein paar ausgefallene Sorten wie Apfelstrudel, Sachertorte und Sisi Mandel. Die Kugel 2,30 €. Zwei Geschmackssorten inkludiert.

Währinger Straße 12, 1090 Wien.

5.) La Romana

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Ebenfalls neu und in der Peripherie der MaHü hat ein italienisches Original eröffnet. Unten beim Stiefel ist es ein Franchise, was man an der massenkompatiblen Gestaltung auch unschwer erkennt. Jetzt haben sie in Wien, der Eishauptstadt Europas, die erste Auslandsfilliale eröffnet. Geschmacklich lassen die sich natürlich nicht lumpen. Das Eis ist ultracremig, fast schon Softeis. Schnell lecken ist angesagt, sonst trieft es die Hand hinab. Leider können die Stanitzel gar nichts. Statt selbstgemacht und knusprig sind sie diese typischen Ultraleicht-Waffeln. Aber als Ausgleich füllen sie in die Spitze flüssige Schokolade! Der letzte Bissen ist also der Beste.
Gerne wieder. Für 2,50 € gibt es zwei Sorten. Allerdings ist das Haselnusseis trotz italienischer Gelatokunst keine Gefahr für Platz zwei und eins.
Stiftgasse 15-17, 1070 Wien

 

6.) Organic Icecream, Heiling

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Ich weiß nicht, was das soll. Inmitten dem Eisheiligen Hotspot Wiens, eingeklemmt zwischen Zanoni und Eis am Schwedenplatz einen weiteren Stand zu eröffnen. Das ist doch ökonomischer Tiefkühlselbstmord. Es kommt mir auch ein bisschen so vor, als dass Organic Icecream nur die Kunden abbekommt, die keine Lust haben sich beim Eis Greissler in die Schlange zu stellen. Zumindest deuten die drei Promotoren daraufhin, die einem immerzu eine Kostprobe andrehen wollen, weil sie keinen haben, dem sie etwas verkaufen können. Meine Kostprobe war so lala. Auf jeden Fall nicht überzeugend genug, um ein paar Meter weiter mich nicht doch in die Schlange vom Greissler zu stellen.

www.heilingeis.at

Rotenturmstraße  22, 1010 Wien

 

7. Eis Greissler

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Er war der Erste. 2011 stellte er sich todesmutig zwischen die etablierten Eismafiapaten und löffelte sein Bioeis in die Stanitzel der freudigen Kundschaft. Klingt hart für alle anderen, aber der Eis Greissler ist die Messlatte für die trendigen Nachkommer. Soooo schön gestaltet. Geradezu Zeitlos. Das Stanitzel ideal Knusprig. Jeder Wienbesuch wird hierher geführt. Nur ein Eissalon in Wien ist noch unübertrefflicher: Tichy mit seinen Eismarillenknödeln und, eh klar, dem Haselnusseis.

1,50 € die Kugel. Ziegenkäse ist der Exotengeschmack, Butterkeks mein Liebling und das Eiskonfekt der Wahnsinn. Immer noch meine Nummer 1.

www.eis-greissler.at

Rotenturmstraße 14, 1010 Wien

Freitag, Juni 5th, 2015
bronzefarbenes Erz

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Ich gehöre ja nicht zu denen, die mit ihrem Bierkonsum in einem besonderen Ausmaß in Erscheinung treten, aber so grundsätzich mag ich ja sehr wohl das kühle Blonde. Nun, in Zeiten der aufkommenden Kleinbrauereien, bin ich auf ein wirklich feines Bierchen gestoßen. Auf meinem Lieblingsmarkt, dem Karmelitermarkt, stehen sie mit einem kleinen Standl. Jeden Samstag. Erzbräu. Aus Niederösterreich. Kein Vergleich zu dem Massenkram aus den Supermarktregalen. Zwei Sorten habe ich gekostet. Das Bergquell – frisch, leicht und fruchtig wie es so manches Radler nicht hinbekommt. Und den schwarzen Grafen – bernsteinfarben, würzig, malzig. Ein richtiges Abendbrotbier.

Jetzt also einen Grund mehr, sich auf Samstag morgen zu freuen. Und auf den klackernde Kratzen von Glas, wenn sich die Biere im Stoffsackerl mit der Rohmilchflasche anlegen. Dann steht nämlich wieder ein genussvolles Back- und Kochwochenende vor der Küchentür.

Wohl bekommt’s!

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Montag, April 20th, 2015
jetzt wirds ätzend

Als Viertel Bayer und Viertel Schwabe musste ich alleine von meinen Genen her mich irgendwann ans Brezel-Backen wagen. Mit allem was dazugehört: Schutzbrille, Putzhandschuhe und Natriumhydroxid von einer sinistren Chemiestube aus Margareten. Jetzt hat mein lieber KARLBY Masern, weil IKEA keine laugenresistenten Küchenplatten hinbekommt. Wie dem auch sei: Die Brezeln waren hervorragend. Der Knotenschwung wird beim nächsten Mal besser. Und Schmiergelpapier kann Wunder bewirken.

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Sonntag, April 12th, 2015
manifattura di pasta

Interessant zu wissen, dass man selbst in einer so hochkapitalistischen Konsumgesellschaft wie die unsere bei weitem noch nicht alles kaufen kann, was man so möchte. Trockenrahmen beispielsweise. Für Nudeln, Kräuter oder Gemüsechips. Konnte ich beim besten Willen nirgendwo auftreiben. Selbst Google zeigte mir den Stinkefinger. Und ich habe immer gedacht Amazon hat das ultimative Gottes-Weltwarenlager, in dem man wirklich alles bestellen kann. Sogar eine Welt ohne Amazon. Von wegen. Also musste ich nach ewigen Zeiten mal wieder zu einem Boesner tingeln. Hab da ein paar Selbstbau-Bilderrahmen eingepackt und vom Baumarkt noch ein Fliegengitter aus Fieberglas mitgenommen. Dann musste ich noch mal zum Baumarkt, weil ich keinen Tacker hatte bzw. mir keinen borgen mochte. Wer weiß, wie viel Trockenrahmen ich noch so zusammentackern muss in Zukunft. Lieber mal einen parat haben. Die ersten beiden Rahmen klappten auch schon ganz gut. Zwar etwas schief, aber ich will ja keinen Picasso aufhängen. Jetzt nur noch ein Weilchen warten, dann werde ich wissen, wie selbgemachte luftgetrocknete Bandnudeln schmecken.

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Sonntag, Februar 22nd, 2015
The heat is on

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Endlich. Nach über zwei Monaten Wartezeit darf nun der Kochlöffel, der Schneebesen, der Bratenwender, die Wokpfanne oder einfach nur das Tanzbein vor Freude geschwungen werden. Erst machts Klicker-Klicker-Klicker. Dann Wosch! Und dann ist er an, der erste Gasherd meines Lebens. Was habe ich lange darauf gewartet. Dabei meine ich jetzt nicht nur die Zeit vom letzten Dezember an.

Samstag, Juni 15th, 2013
Am Ende die Erdnuss

Bei meinen Besuchen in New York habe ich mich ausschließlich von Snapples Kiwi/Strawberry und M&Ms Peanutbutter ernährt. Zu Beginn meiner Wienzeit fand ich dankenswerterweise ein Geschäft, dass vorübergehend besagtes Snapple verkauft hatte. Jetzt, kurz vor Ende, treffe ich im Neunten auf einen Übersee-Candyshop und siehe da: Die Erdnussbutter-Schokodrops! Snapple hatten die zwar keines, aber dafür die gleiche Geschmacksrichtung von der Konkurrenz. Auch OK. Als Bonus gab es eh noch Kokos-M&Ms obendrauf. Ich frage mich bei so etwas immer, weshalb MARS Inc. nicht auch die deutschen, respektive österreichischen Supermärkte mit diesen Geschmacksrichtungen flutet. Ein großer Mehraufwand kann es ja wohl nicht sein. Wobei – bei Kokos ist es vielleicht auch besser so.

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Sonntag, März 24th, 2013
die kleinen französinnen

Ich habe mir ein neues Küchenspielzeug zugelegt: ein Backblech für Madeleines. Das sind diese kleinen französischen Sandkuchen in Muschelform. Ursprünglich mit nur Zitronenaroma verfeinert, kann man natürlich alles Mögliche rein geben. Vanille, Zimt, Nüsse, Himbeeren, Heidelbeeren, weiße Schokolade, geschmolzene Schokolade, Schokoladenstückchen, Schokoladenüberzug, Schokoladenstückchen mit Schokoladenüberzug, Goldstaub, Diamanten, Königreiche.

Diese Vielfältigkeit macht neben ihrer verspielten Form gerade den Reiz der Süßmuscheln aus. Und weil sie ideal fürs Picknick oder dergleichen sind. Der Frühling ist also in meinen Backofen eingekehrt – wenn schon draussen noch der Schnee stur vor sich hin rieselt.

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Donnerstag, Februar 28th, 2013
Voröffnungs-Verköstigung

Vom Eis Greissler, einem fabelhaften Bio-Eisladen im 1. Bezirk, habe ich ja schon mal berichtet. Morgen startet er seine – eins, zwei, drei – dritte Sommersaison. Und für heute hat er zu einer Pre-Opening Verköstigung geladen. Via Facebook-Gewinnspiel. Ich habe mitgemacht und gewonnen. Mit unten stehendem, abgewandeltem Goethe-Gedicht. Der war ja auch so ein verfressenes Schleckermaul.

Schoko, Alpenkaramel, Birne, Apfelkuchen, Schoko-Erdnuss, Erdbeere … Ich glaube, so viel Eis habe ich in meinem Leben noch nie gegessen. Aber alles phänomenal köstlich. Wie immer.

Der österliche Eisspaziergang:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Und doch: da erwacht des Gaumens Schwäche
und wünscht sich ewiges Eis zurück.
Bei Butterkeks und Topfencreme. Bei Himbeerfrucht und Haselnuss.
Mit eierfreiem Schokotraum und Alpenglühn mit Karamellgenuss.
Da darf es wieder kälter sein, ganz eisig und so himmlisch süß,
weil nun das beste aus der Biomilch, gradwegs in den Froster fließt.
Heraus dann kommt das Greissler Eis, der Wiener liebste Sommerspeis.
die bei Praterspaß und Donauschwimmen
von Greisslers kalten Freuden singen:
„So jauchzet laut und stimmt mit ein –
Hier darf ich schlecken, hier darf ich sein!“

(frei nach Goethe)

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Freitag, Februar 15th, 2013
Eine Portion Gezirrptes

In der Schule habe ich mal, um ein Mädchen beeindrucken zu wollen, vor ihren Augen selbstgegrillte Heuschrecken gegessen. Was freilich 100 Prozent gepflegt daneben ging. Immerhin war ich da schon in der zwölften Klasse! Nie wieder habe ich mich gegenüber eines anderen Menschen so sehr zum Vollpfosten gemacht.

Heutzutage, bei schwindenden Ressourcen mit zeitgleich erschreckender Überproduktion in der Massentierhaltung, gehechseltes Fury in der Tiefkühl-Lasagne und einem Freundeskreis voller Veganer, Lacto-Vegetariern oder Glutenunverträglichen, ist das natürlich anders. Da klingt Heuschrecken-Essen ein bisschen nach „Welt retten“ und könnte das „neue Ding“ in der hippen Berliner Szenegastronomie werden. Wer weiß das schon.

Vom Geschmack sind die Dinger jedenfalls schon okay. Je nach dem, wie man sie halt würzt. Vom Essgefühl im Mund aber doch etwas spelzig und blättrig. Ich habe vor kurzem gehört, dass die EU versucht per Kampagne ihren Bürgern Heuschrecken als Fleischalternative ans Herz, bzw. auf den Teller zu legen. Weil die Drecksrinder die Atmosphäre voll pupsen und unser kostbares Wasser wegsaufen. Wird schätzungsweise ein bisschen schwer werden. Unsere Zungen sind an diese Chinin-Konsistenz einfach nicht gewöhnt. Aber mal schauen. Ich bin prinzipiell dafür.

Rumgekriegt habe ich das Mädel damals also nicht. Dafür moralisch haushoch gewonnen! Nimm das, du klimavernichtende, Kuhfurz-tolerierende und am Leid der Massentierhaltung ergözende Fleischfetischistin. Dafür schmorst du in der Bratfett-Hölle.

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Montag, Februar 4th, 2013
nice to sweet you

Vorhin, als ich mir im Billa ums Eck ein paar lose Zutaten für mein Abendmahl kaufen wollte, sprang mir gleich hinter den Sperrbügeln ein Display mit süßer Typografie ins Auge. Im wahrsten Wortsinne. Lindt hat eine neue Produktlinie auf den ohnehin schon total überfüllten Schokomarkt geworfen. Das Hipster-Sortiment. Mit Nougat-Crunch, Strawberry-Cheesecake, Cookie-Kram oder Caramel-Brownie. Halt alles, was der trendige Stadtmensch von seinem Cupcake-Café im Szene-Kiez kennt.

Ich mag ja solche kitschige Art der Gestaltung. Mich hat’s voll gepackt. Und dann noch mit Glanzlack und Prägung. Yuppieh! Außerdem zolle ich allen Respekt für Lindt. Dass die so ein Ding durchziehen. So gaaaaaanz weit weg, von den schmierigen Kakaoköchen in ihrer Deluxe-Konditorei, die mit pathologischer Hingabe in den Kupferkesseln rühren. Für mich war die Marke bis dato eher für reiche Oberschichten-Omas, die alle Hände voll zu tun hatten, um die üppige Kriegsrente ihres verstorbenen Gatten unters Volk zu bringen. Mit teurer Schoki für die Damen vom Kaffeekränzchen oder die hyperaktiven Enkelkinder. Für letztere gerne den Goldhasen samt Pimp-Glöckchen. Kurz: Lindt kauften solvente Seniorinnen, denen „Edle Tropfen in Nuss“ von Trumpf zu sehr Plattenbau-Süßkram war.

Ob die neue Hipsterlinie aber auch Geschmacklich was kann, werd ich wohl erst am Samstag erfahren. Die Omasachen haben sie bisher ja ganz gut hinbekommen.

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