‘meinungsmache’ von gestern

Dienstag, Juli 7th, 2015
Battlestar Gelatoca

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DAS neue Gastroding (nach der Burgerwelle) sind hippe, biologischorientierte Eissalons, jenseits irgendwelcher 80er-Jahre Italo-Charmes. Gerne auch mit ausgefallenen Sorten und vegan sowieso. In Wien haben dieses und letztes Jahr 5 oder 6 Läden aufgemacht – von denen ich jetzt alleine weiß. Die eisige Dunkelziffer dürfte sicher höher liegen. Zeit also für einen kleinen Überblick in beliebiger Reihenfolge:

 

1.) Leones

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Im Nachbarhaus meiner ehemaligen WG hat heuer dieser feine Laden geöffnet. Verkehrsgünstig gegenüber dem Alten AKH besticht er zunächst einmal mit seiner sehr liebevollen Einrichtung (die Deckenlampen sind umgedrehte Eiswagenhauben). Die Theke aus Sichtbeton ist der feuchte Traum eines jeden Architekten.

Die Eissorten sind eher klassisch gehalten. Ganz verwegene Geschmackskombinationen gibt es hier nicht. Kommt vielleicht noch. Beim Design geht mir das Herz auf und liegt mit seiner Klarheit gestalterisch absolut im Trend.

Gehört mit 1,80 € pro Kugel aber zu den teureren Salons.

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www.leones.at

Lange Gasse 78, 1080 Wien (Ach, seufz. *Sehnsucht krieg*)

 

2.) Veganista

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Das Logo ist der Hammer! Sollte einen Preis bekommen. Unbedingt. Die Lage ist eher semioptimal. Die Neustiftgasse gehört jetzt nicht unbedingt zu den schönsten Ecken im Bezirk. Außerdem ist nur Abendsonne da.

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Da ich bekennender Milchjunkie bin, fühle ich mich bei der Bewertung des rein veganen Ladens etwas befangen. Ganz überzeugt war ich nicht. Was aber toll ist, sind die ausgefallenen Sorten wie Erdbeer-Agave, Basilikum oder Heidelbeer-Lavendel. Und die kompostierbaren Eisbecher!

1,60 € die Kugel. Eine eingeschworene Fangemeinde hat der Laden ohnehin. Ich komme irgendwann mal wieder.

www.veganista.at

Neustiftgasse 23, 1070 Wien

 

3.) Schelato

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Ebenfalls neu seit diesem Jahr. Name und Logo sind grenzgenial. Drinnen sieht es eher „studentisch“ aus. Überzeugt mich jetzt nicht. Von der Eis-Herstellung verstehen Sie aber was. Weichsel mit Oregano oder Granatapfel mit Basilikum. Und das Haselnusseis ist das zweitbeste Wiens. (Nach Tichy. Und das ist schlicht sagenhaft.) Einziges Manko: Das Stanitzel war nur määhh.

Preis pro Kugel bei 1,40 €. Dafür mit Südsonne und schönem Schanigarten.

www.schelato.at

Lerchenfelderstraße 34, 1080 Wien

 

4.) Gefrorenes

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Direkt neben dem Votivkino und somit in direkter Nachbarschaft zum Schottentor hat dieser Eisladen heuer seine Pforten eröffnet. Die Gestaltung, auch wenn schon etwas abgenudelt, gefällt mir sehr gut, Der Name passt auch. Mit dem Motto kann ich allerdings gar nichts anfangen. „Eis wie damals“. Ich habe keine Ahnung wie Eis damals war und was es ausgezeichnet hat. Für mich hat Eis eher eine Entwicklung zur jetzigen Qualität durchgemacht. Damals, in den seligen 50ern, kippten sie wahrscheinlich noch Erdöl ins Schokoeis.

Passend zum Motto hat das Resultat weder mich noch meine beiden Begleiterinnen geschmacklich umgehauen. Dafür punktet die Lage und ein paar ausgefallene Sorten wie Apfelstrudel, Sachertorte und Sisi Mandel. Die Kugel 2,30 €. Zwei Geschmackssorten inkludiert.

Währinger Straße 12, 1090 Wien.

5.) La Romana

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Ebenfalls neu und in der Peripherie der MaHü hat ein italienisches Original eröffnet. Unten beim Stiefel ist es ein Franchise, was man an der massenkompatiblen Gestaltung auch unschwer erkennt. Jetzt haben sie in Wien, der Eishauptstadt Europas, die erste Auslandsfilliale eröffnet. Geschmacklich lassen die sich natürlich nicht lumpen. Das Eis ist ultracremig, fast schon Softeis. Schnell lecken ist angesagt, sonst trieft es die Hand hinab. Leider können die Stanitzel gar nichts. Statt selbstgemacht und knusprig sind sie diese typischen Ultraleicht-Waffeln. Aber als Ausgleich füllen sie in die Spitze flüssige Schokolade! Der letzte Bissen ist also der Beste.
Gerne wieder. Für 2,50 € gibt es zwei Sorten. Allerdings ist das Haselnusseis trotz italienischer Gelatokunst keine Gefahr für Platz zwei und eins.
Stiftgasse 15-17, 1070 Wien

 

6.) Organic Icecream, Heiling

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Ich weiß nicht, was das soll. Inmitten dem Eisheiligen Hotspot Wiens, eingeklemmt zwischen Zanoni und Eis am Schwedenplatz einen weiteren Stand zu eröffnen. Das ist doch ökonomischer Tiefkühlselbstmord. Es kommt mir auch ein bisschen so vor, als dass Organic Icecream nur die Kunden abbekommt, die keine Lust haben sich beim Eis Greissler in die Schlange zu stellen. Zumindest deuten die drei Promotoren daraufhin, die einem immerzu eine Kostprobe andrehen wollen, weil sie keinen haben, dem sie etwas verkaufen können. Meine Kostprobe war so lala. Auf jeden Fall nicht überzeugend genug, um ein paar Meter weiter mich nicht doch in die Schlange vom Greissler zu stellen.

www.heilingeis.at

Rotenturmstraße  22, 1010 Wien

 

7. Eis Greissler

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Er war der Erste. 2011 stellte er sich todesmutig zwischen die etablierten Eismafiapaten und löffelte sein Bioeis in die Stanitzel der freudigen Kundschaft. Klingt hart für alle anderen, aber der Eis Greissler ist die Messlatte für die trendigen Nachkommer. Soooo schön gestaltet. Geradezu Zeitlos. Das Stanitzel ideal Knusprig. Jeder Wienbesuch wird hierher geführt. Nur ein Eissalon in Wien ist noch unübertrefflicher: Tichy mit seinen Eismarillenknödeln und, eh klar, dem Haselnusseis.

1,50 € die Kugel. Ziegenkäse ist der Exotengeschmack, Butterkeks mein Liebling und das Eiskonfekt der Wahnsinn. Immer noch meine Nummer 1.

www.eis-greissler.at

Rotenturmstraße 14, 1010 Wien

Sonntag, Januar 11th, 2015
je suis charlie

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Sonntag, Dezember 7th, 2014
Kurzer Werbeblo(ck)g

Ein sehr guter Seebärenkumpel aus alten Haudegenzeiten betreibt mittlerweile eine eigene Klamotten/Utensilien-Druck-Manufaktur. In heimeliger Kleinarbeit entwirft und besiebdruckt er ganze Mannschaften von Eulen, Igeln und Pinguinen. Und allerlei mehr zum selber haben und verschenken und glücklich machen.

Wer also noch händeringend auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist und Freude an ausgefallenen Unikaten hat, kann da ja gerne mal vorbei schauen:

www.päfjes.de

Einfach ein wenig stöbern oder einen Seemannsgruß hinterlassen.

Freitag, August 30th, 2013
Ich wage mal eine Behauptung:

Smartphones sind die Hoverboards der Gegenwart!
In der ewigen Top-Ten-Liste meiner Lieblingsfilme steht seit jeher die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie. Fest verankert und über alle Zweifel erhaben. Und ich darf mal behaupten, bei vielen anderen in und um meinem Jahrgang wird es ähnlich sein – herrscht doch wie bei kaum einem anderen Blockbuster ein derartiger Konsens. Zum Vergleich: Indenpendence Day und Jurassic Park waren ebenfalls Megaseller, aber wer zählt sie schon zu seinen unsterblichen Favoriten?
Was also ist es, dass das Zeitreiseabenteuer von Marty McFly so anders macht? So kollektiv begeisternd, mit einer emotionalen Bindung über Jahrzehnte?
Es war sein Versprechen in die Zukunft! Eine Zukunft, in der Dinge grundlegend anders werden sollten, als sie es für uns in den 80ern noch waren.
Für ein Kind verhieß es damals, dass es in einigen Jahren einen Sportwagen mit Flügeltüren fahren dürfe. War man schon ein Jugendlicher, den Sieg über eine rüpelhafte Sportskanone. Als unser aller Zugabe dann noch fliegende Autos und Hoverboards. Und gerade vom Letzteren waren wir einst über alle Maßen fasziniert. So ein Schwebedings wollten wir auch! Unbedingt! So glatt und schlank. Mit abgerundeten Ecken und einer nahezu mystischen Fähigkeit.
Doch leider hat Mattel bis heute nicht den Schlüssel zum Hill-Valley-Patentschrank gefunden, aber dafür kam Steve Jobs und schenkte uns das iPhone. Ebenfalls glatt, schlank und abgerundet. Von den sagenhaften Fähigkeiten ganz zu schweigen. Und – so wird jetzt nämlich ein Schuh, um nicht zu sagen ein Nike-Sneaker mit einer Power-Schnürung draus – wenn wir mit den Fingerspitzen über das Touchscreen gleiten, scheinen sie zu schweben. Deswegen lieben wir unsere iPhones und Samsungs so sehr. Mit ihnen hatte die Zukunft begonnen. Grundlegend anders.
Doc Brown hätte es also auch so formulieren können: »Tasten? Wenn wir telefonieren, brauchen wir keine … Tasten.«

Sonntag, April 21st, 2013
Kompass ohne Norden

„Die ersten sind gescheitert/die ersten was geworden.

Die ersten wurden Eltern/die ersten sind gestorben.

Bob Dylan gab mir einst ein Kompass ohne Norden/So treibe ich verloren in ein unbekanntes Morgen.“

Ein irrsinnig schöner Coming-of-Age-Refrain von Prinz Pi (Kompass ohne Norden). Bin jetzt ja nicht wirklich ein Freund von HipHop und manchmal, kommt es mir vor, stolpert der Text. Aber der Refrain ist ganz großes Erzählkino. Stand by me 2013.

Dienstag, April 16th, 2013
Was zum Sehen fürs Hörtheater

Jetzt gibt es auch ganz frisch einen extra cremigen Trailer für „protect me“. Hat Willi mal ganz wunderbar gemacht! Gefällt mir außerordentlich.

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Sonntag, April 14th, 2013
Die Angst von Schwarz-Rot-Geld

Ich gehöre sicherlich nicht zu den politischsten Menschen in meinem Umfeld. Für die Freiheit Tibets habe ich jetzt nicht mein Facebook-Bild geändert, wo Burma liegt musste ich gerade googlen und die Pussy Riots scheinen zwar irgendwie ganz hip zu sein, würde mich für sie aber nicht von einem grimmigen Sowjet-Schergen mit Schlagstöcken malträtieren lassen. Und dieser Blog ist erst Recht kein Ort, um Revolutionen anzuzetteln oder gegen Regime zu wettern.

Aber heute ist das alles anders, denn seit heute hat Deutschland eine neue Partei. Die „AfD“, die „Alternative für Deutschland“. Eine gutbürgerliche Wohlstandspartei für die solventen Wähler ab Vierzig plus. Alternative, am Arsch! Denen geht nur ihr dicker Eigenheim-Hintern mächtig auf Grundeis, weil sie befürchten bald ihre sauer verdienten Euros dem faulen Griechen auf sein Olivenbrot schmieren zu müssen. Damit der mal wieder was zu beißen hat vor lauter Nichtstun und Faulsein. Aus diesem Grund wollen die lieber ewig gestrig als heute aus dem Euro raus und die gute alte Reichsmark … pardon … die Deutschmark zurück. Und das ist dann auch schon alles in ihrem gerade mal drei Seiten dünnem Wahlprogramm. Also nicht mehr als ein besseres Faltblatt. Wahrscheinlich mit dem durchgenudelten Bürokopierer kopiert und nicht mal ordentlich bei flyeralarm drucken lassen.

Natürlich ist der Euro hässlich, so tektonisch und kalt. Die D-Mark hatte die Gebrüder Grimm und ganz früher eine lustige Frau mit Riesendutt. Hinten drauf war ein Klavier und eine Feder aber auf den Euroscheinen sind nur dumme Brücken. Und natürlich ist es doof, wenn Griechenland gerade kein Geld hat, weil sich das alles ein paar korrupte Banker und Reeder unter den Nagel gerissen haben und wir Deutschen mit dem nächsten Reisebus ein paar Milliarden runterschicken müssen. Und Zypern geht’s ja auch nicht besser. Aber so ist halt der Euro! Das ist das Prinzip einer solidarischen Gemeinschaft. Schon seit der Steinzeit. Da konnte man auch nicht jeden fußlahmen Krüppel verkehrt herum an einen Baum hängen, nur damit der Säbelzahntiger die wandernde Sippe nicht einholt. Doch ganz sicher, der Aléxandros wird schon wieder auf die Beine kommen. Und bis dahin leihen wir uns weiter Geld zu erschreckend niedrigen Zinsen. Also, zu gar keinen.

Nein, im Ernst. Was mich wirklich fuchsteufelswild macht, ist die Tatsache, dass die gutsituierten Oberschichtsbürger (viele Professoren und Anwälte und so), die sich jetzt als Alternative gieren, einfach nur einen Riesenschiss um ihr mühsam zusammengekratzten bisschen Reichtum haben. Die Angst eventuell irgendetwas abgeben zu müssen. Als würden sie dadurch gleich in die Privatinsolvenz getrieben. Von wegen: Denen wird es doch auch nach der Eurokrise noch finanziell erste Sahne gehen. Es ist dieses unendliche Knausertum, das sich hinter der bürgerlichen Akademikerfresse verbirgt, die es eigentlich viel besser wissen müsste.  Am schlimmsten ist ihr Vorsitzender. Ein fünfzigjähriger Professoren-Milchbubi, der in der Schule wahrscheinlich schon immer der kleinwüchsige Streber und Petzer war und auf Klassenfahrt nur mit seinem mitgenommen Teddy schmusen durfte – nicht mit einem der Zahnspangenmädels, deren frisch gewachsenen Brüste alle Jungs verrückt machten. Die anderen durften nämlich. Die waren cool!

Verlierer, die irgendwo abgelehnt wurden sind prinzipiell immer schwierig. Wahrscheinlich hat sich der AfD-Windelbubi in den letzten Wochen gerne mal mit Nutella ein Bärtchen unter die Nase geschmiert und vor dem Spiegel seine erste Reichsparteitagsrede geprobt. Ach ja, die Nazis finden den Verein natürlich auf voll dufte. Auch wenn die Partei noch alle Liebeleien von rechts brüsk von sich weist. Aber man kennt das ja von jeder Dorfkirmes. Irgendwann, wenn die Nacht stetig voran rückt und die Uschi unbedingt noch koalieren möchte, springt sie mit jedem Glatzendepp ins Bett.

Offiziell behauptet die AfD Europa schützen zu wollen. Weil die Krise womöglich in Krieg umkippt. Mal so direkt formuliert. Freilich ist das blanker Unsinn. Nicht das mit dem Krieg, das kann man in letzter Instanz nicht wissen – aber aus falscher Furcht keinen progressiven Schritt zu wagen ist schon immer der größte Fehler der Duckmäuser und Angsthasen gewesen. Die Sache mit dem Schützen wollen ist Schwachsinn. Das Einzige, was die schützen wollen ist ihr gemästetes Sparschwein. Das sind alles so Leute, die noch den Nachkriegsverzicht mitgemacht haben und nun in haltlose Panik verfallen und sich wieder mit Essensmarken vor den zerbombten Innenstädten sehen. Die scheißen eher auf ihre europäischen Nachbarn, als nur eine Sekunde ihre heile Statuswelt wanken zu sehen.

Ich hoffe, meine Generation ist da anders. Die lieber in einer kleineren Wohnung leben, aber dafür auch mal in einem der Nachbarländer. Die die Vorteile einer ersten gemeinsamen Währung seit Besiedelung des Kontinents zu schätzen wissen. Allen Hindernissen zum Trotz, die bei solch einem historischen Schritt zwangsläufig auftauchen. Nicht nur, dass ein Rückschritt in einer Entwicklung einen viel tieferen Riss zwischen die Parteien bringt, auch wird Europa der Depp aller Kontinente sein, wenn wir das mit der Kohle nicht geregelt kriegen. Dann nimmt uns nicht einmal Australien mehr ernst. Und so schlimm darf es ja kaum kommen.

Mittwoch, März 27th, 2013
beschütz dich doch selbst

Ein neues Projekt zieht am Horizont auf: protect me. Behandelt die ganze wachsweiche Unverfänglichkeit unserer Ego-versauten Wischi-Waschi-Generation. Immer hübsch ein Hintertürchen offen lassen, ob nicht doch noch was besseres zu uns um die Ecke gekrochen kommt.

Das ganze ist ein Hörtheater, also so etwas wie eine Lesung in Deluxe. Auf jeden Fall aber wieder ein ganz feines Ding von den Machern der Beautyqueen. Und da schließe ich mich natürlich mit ein, denn von mir kommt untenstehende Grafik. Das Stück an sich, so viel durfte ich schon Probe hören, ist wirklich große Klasse. Das Team dahinter sowieso!

Also: hingehen und anschauen. Ganz ohne Hintertürchen. Da kommt nix besseres mehr. Ehrlich. Ab 9. Mai. Im Loft – Ihrem Aufreißerschuppen am Gürtel.

… wir sind aber auch geile Säue.

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Montag, Februar 4th, 2013
nice to sweet you

Vorhin, als ich mir im Billa ums Eck ein paar lose Zutaten für mein Abendmahl kaufen wollte, sprang mir gleich hinter den Sperrbügeln ein Display mit süßer Typografie ins Auge. Im wahrsten Wortsinne. Lindt hat eine neue Produktlinie auf den ohnehin schon total überfüllten Schokomarkt geworfen. Das Hipster-Sortiment. Mit Nougat-Crunch, Strawberry-Cheesecake, Cookie-Kram oder Caramel-Brownie. Halt alles, was der trendige Stadtmensch von seinem Cupcake-Café im Szene-Kiez kennt.

Ich mag ja solche kitschige Art der Gestaltung. Mich hat’s voll gepackt. Und dann noch mit Glanzlack und Prägung. Yuppieh! Außerdem zolle ich allen Respekt für Lindt. Dass die so ein Ding durchziehen. So gaaaaaanz weit weg, von den schmierigen Kakaoköchen in ihrer Deluxe-Konditorei, die mit pathologischer Hingabe in den Kupferkesseln rühren. Für mich war die Marke bis dato eher für reiche Oberschichten-Omas, die alle Hände voll zu tun hatten, um die üppige Kriegsrente ihres verstorbenen Gatten unters Volk zu bringen. Mit teurer Schoki für die Damen vom Kaffeekränzchen oder die hyperaktiven Enkelkinder. Für letztere gerne den Goldhasen samt Pimp-Glöckchen. Kurz: Lindt kauften solvente Seniorinnen, denen „Edle Tropfen in Nuss“ von Trumpf zu sehr Plattenbau-Süßkram war.

Ob die neue Hipsterlinie aber auch Geschmacklich was kann, werd ich wohl erst am Samstag erfahren. Die Omasachen haben sie bisher ja ganz gut hinbekommen.

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Sonntag, September 23rd, 2012
Und alle so Hä?

Für meinen Toskanatrip wollte ich mir mal wieder ein zeitgenössisches Romanwerk einverleiben. Als Anregung oder um einfach zu sehen, was der literarische Stand der Dinge meiner Generation (bzw. der knapp nach mir kommenden) denn so ist.
Eine Idee, so gut wie schlecht. Denn ich bin äußerst zwiegespalten von Rebecca Martins ›Und alle so Yeah!‹.

Zur Autorin: Die Berlinerin, Anfang Zwanzig, hat vor ein paar Jahren (im Fahrwasser diverser Feuchtgebiete) einen erotischen Jugendroman veröffentlicht. Riesig gehypet. Interview auf SPON. Das ganze Trara. Bei Amazon hat das Werk trotzdem mehr schlechte, als gute Kritiken. Heißt natürlich auch nicht immer was.

Jetzt also Buch Nummer Zwei. Thema: Stark autobiografisch. Protagonistin hat grade ihr erstes Buch veröffentlicht. Einen erotischen Jugendroman. Jetzt ist alles anders. Erstmal. Dann aber doch irgendwie nicht. Eher viel langweiliger. Denn die große Frage nach dem ›Wie, Was, Wann, Wohin‹, die jeden Schulabgänger trifft, haut die Protagonistin scheinbar besonders hart um.

Aber zunächst das Gute: Geschrieben ist der Roman nämlich sensationell. Schöne Worte, schöne Beschreibungen, schöne Beobachtungen. So gut, wie ich leider, trotz den noch vor mir liegenden Anstrengungen, wohl niemals werden werde. Immer wieder überkam mich der ›Oha‹-Effekt. Dieses »Warum fällt mir so was nicht ein?«.

So weit, so hipp. Jetzt drehe wir mal die Kehrseite nach oben und blicken auf das schwarze Dings, das an dem Buch dranklumpt wie Pech am Tölpel: Das Werk ist kacken-scheiße langweilig und trieft vor unbegründetem Selbstmitleid. Die Heldin ist eine verweichlichte Wohlstands-Mumu, die auf 180 Seiten ihre Luxusprobleme durchkaut, wie ein Salafist seine irren Weltansichten.

Natürlich geht es dabei eigentlich um rein gar nichts. Die Fallhöhe des Geschehens ist so flach, wie das Niveau auf RTL 2. Es geht nicht einmal um Liebe – nur um eine zwanglose Ficki-Ficki-Affäre, deren vorgegebene Intensität dem Leser sich zu keiner Zeit emotional erschließt. Überhaupt: Emotionen werden allenfalls erläutert, aber nie spürbar gemacht.

Die Heldin, in diesem Fall muss man bedauerlicherweise eigentlich von Anti-Heldin reden, ist hilflos eingeschlossen in ihrer eigenen Unvollkommenheit das Leben in bessere Bahnen zu lenken. Unfähig mal laut zu werden und mit voller Kehle »Leckt mich am Arsch!« zu schreien.
Ihr ganzer Unmut fusst auf den Aussagen von Freunden, dass der Erfolg ihres ersten Buches sich ohnehin nicht wiederholen ließe. Deswegen hat die Erzählerin nun das Muffensausen und weiß grad gar nicht wohin mit ihrem Leben. Und außerdem. Und überhaupt. Das ist triste Befindlichkeitsliteratur von ganz unten aus dem Supermarktregal. Und zeugt von einer Generation, die schon beim ersten Anzeichen von Problemen Hals über Kopf desertiert.

Sicher. Man kann das auch als großartiges, fast schon erschütternd reales Portrait der Early Twenties sehen, denen alle Türen offen stehen und die deswegen in Schockstarre verfallen. ›Die Welt‹ nannte sie neulich »Die Generation Maybe – verrannt im Entweder-oder«. Auch ich zähle mich dazu. Als einer ihrer Vorreiter. Alles war machbar, ab Mitte der Neunziger, aber irgendwie fehlte der rechte Biss. Zu rebellieren gab es nichts mehr, also kamen wir auf die Idee uns selbst zu verwirklichen. Was aber all zu oft an der medialen Ablenkung scheiterte.

Das Buch kommt da genauso wenig zu Pötte. Die Autorin schreibt in einem fort, das gerade eigentlich gar nichts passiert und alles irgendwie hinten und vorne blöd ist. Es gibt keine Konfrontation in ihrer Geschichte, kein Problem – welches eine Lösung erzwingt, keine Herausforderung. Die Reise der Heldin ist ein Kreisverkehr im kleinen Städtchen ›Selbstmitleid‹. Und das, was wirtlich spannend sein könnte, lässt die Autorin konsequenterweise aus. Nämlich das ganze Bohei um ihr erstes Buch. In Rückblenden beschreibt sie zwar ein wenig Umstand und Stimmung, nur ins Detail geht sie dabei nicht. Eine mögliche Auseinandersetzung mit dem Verlagswesen oder den Medien bei solchen Hypes fällt somit weg. Krasse Anekdoten ebenso. Leider.

Natürlich haben schon viele Autorengenerationen über ihr kafkaeskes Leben geschrieben, aus dem es kein Entrinnen gab. Höchstens nur eine Pause. Nachts und volltrunken. Aber ein Bukowski, und das ist der feine Unterschied zur überbehüteten Ex-Waldorfschülerin mit Prosperitätshintergrund, ging es erstens auch mal wirklich dreckig. Und zweitens hat er nie gejammert. Genörgelt, geschimpft und gezetert, ja. Aber nie sich selbst bemitleidet.

Daher kann Rebecca auch nicht in die heilige Halle derer aufgenommen werden, welche die verhängnisvolle Schwerelosigkeit des Wohlstands schon einmal besser beschrieben haben. Christian Kracht oder Bret Easton Ellis. ›Und alle so Yeah!‹ ist kein ›Unter Null‹. Das erreicht nicht mal ansatzweise den Gefrierpunkt.

Wahrscheinlich wird es trotzdem ein Haufen junger Mädels geben, die dieses Buch irre gut finden. So ehrlich. So berührend. Sich dabei so verstanden fühlen. Aber das tun sie auch bei ›Germanys Next Topmodel‹ oder bei ›Twilight‹. Was heißt das schon?

Ich für meinen Teil bin nur pissig, weil ich gerne so verdammt gut schreiben würde, wie Rebecca. Stilistisch, aber auch ›befindlich‹. Im Sinne der Gedanken unserer Generationen. Doch im Gegenzug weiß ich auch, dass meine Erzählung ›AAAplus‹ (bei der es um ein staatliches Rating von Bürgern, zwecks Kontrolle geht), zwar ziemlich mieser Trivial-Trash, aber dabei irre flüssig ist und ordentlich drive hat. Meine 10-Seiten-Exposition knallt da größere Eier auf den Tisch, als ihr ganzer Heulsusen-Roman.

Ich sollte also am Ball bleiben. Mit dem Schreiben, meine ich. Auf dass früher oder später auch ich mit den allen einstimmen kann: Yeah!!!