‘zur lage des ichs’ von gestern

Mittwoch, Januar 1st, 2014
Willkommen Zweitausend-1(99)4

Das neue Jahr ist geboren und ein altes, sehr aufwühlendes hat den letzten Atemzug getan. Adieu! Ich kann noch nicht ganz absehen, wie richtig – oder sagen wir – weitsichtig meine Entscheidung Wien zu verlassen nun tatsächlich war. Aber mit diesem Schritt – und dem Zwischenstop Schottland – schließt sich bei mir ein zwanzig Jahre andauernder Kreis. Damals 1994, im jugendlichen Übermut, habe ich eine Entscheidung getroffen, die kurzfristig richtig schien, im Nachhinein allerdings mich in arge Bedrängnis gebracht hat und sehr lange nach hallte. Mein Wienentschluss ist die exponentielle Wiederholung davon, in erster Linie aber auch die finale Spätfolge. Schottland jedoch hat dies nun alles nivelliert. Ich bin auf Null. Ohm! Gleichklang! Yin-Yang! Zur Mitte, zur Titte, zum Sack – zack, zack! Und ob sich die Bedrängnis wiederholt ist noch nicht ganz raus. Bis jetzt sieht es nicht danach aus. Ab Montag geht der Job in Leverkusen los. Fehlt nur noch ne gemütliche kleine Butze in Köln. Dann ist die Basis geschaffen, einen möglichen Fehler nicht das dritte Mal zu begehen. 1994 kann also kommen. Zwanzig Jahre später.
Euch allen ein großartiges neues Jahr!!!

Mittwoch, November 13th, 2013
Sedcard

Seppel und ich haben mal gegenseitig die Knipse bemüht, um neue, halbwegs anständige Bewerbungsfotos zu haben. Oder einfach nur mal ’ne aktuelle Momentaufnahme für uns selbst. Wir waren sogar vorher extra beim Frisör – was man bei mir prima am Kotelettenansatz sieht.

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Montag, Oktober 21st, 2013
Abflug

So, das war’s. Aus die Maus. Experiment missglückt – Patient abgehauen. Ich verlasse wieder die Insel. Die ganzen Idioten hier kommen permanent von der falschen Seite, da muss man sich ja Sorgen nicht über den Haufen gefahren zu werden. Nein, im Ernst. Selbst im Idealfall wäre ich nur bis Ende des Jahres geblieben. Andere Dinge wurden in der letzten Zeit wichtiger. Auf andere Schlachtfelder müssen meine Truppen nun verlegt werden.

Bleibt die Frage, ob sich das ganze Traraa gelohnt hat? Letzten Endes sicherlich – jeder Umweg lohnt schließlich. Klar: von den Punkten auf meiner Agenda konnte ich natürlich nicht wirklich viele abhaken. Und mein Englisch ist in den paar Wochen auch nicht fließend geworden. Aber das Wichtigste ist mir vielleicht sogar gelungen. Wenn Wien die (erfolgreiche) Suche nach Excalibur war, dann habe ich trotz der kurzen Zeit hier in Schottland womöglich den heiligen Gral gefunden. Warten wir’s ab. Ein klein bisschen Stolz bin ich auf jeden Fall über meinen Ausreißer in die Highlands.

Jetzt wird erst einmal nach vorne geschaut. Immer frisch voran. Eine gewaltige Herausforderung steht schließlich bevor. Also. Nächster Stop: Köln! Vamos!

Mittwoch, August 7th, 2013
Wien ist Geschichte

Wien ist vorbei. Endgültig. Seit einer Woche. Die (bisher) beste Zeit meines Lebens – geflankt von zwei epischen Niederlagen. Jetzt nur noch Erinnerung.

In Gedanken bleibt so viel. Meine Mädels und die WG. Der Ballsaal. All die Zeit mit den Improleuten. 5,4,3,2,1 – los. Und meine ausufernden Spaziergänge über den Neunten Bezirk hoch zum Achtzehnten. Immer Abends. Das mediterrane Gefühl, wenn die untergehende Sonne den Yppenplatz in korsisches Gelb taucht. Die prunkvollen Häuser rechts vom Türkenschanzpark, bei denen man sich immer fragt: Wer in aller Welt kann sich so etwas leisten? Jahrhundertealte Gemäuer, aus denen ein grüner Bart aus Efeu wuchert. In Grinzing, in Döbling, in Pötzleinsdorf – überall hohe Bergkuppen mit ihren Seitenscheiteln aus Weinreben. Da, weit draussen und nach Dämmerung, wo mich die Kühle der Wälder immer in die Stadt zurück drückte.

Ganz zum Schluss, bei meiner Ehrenrunde beim Riesenrad, kam mir das Zeichen, dass meine Entscheidung zur Weiterreise richtig war – in Gestalt eines Vertreters aus dem Untergehölz der Wiener Prominenz: Der Schwiegersohn in spe von Baulöwe Richard Lugner, samt des Baulöwens Tochter. Die gesellschaftliche Relevanz der beiden ist etwa mit der von Daniela Katzenberger gleichzusetzen. Irgendwo zwischen Kellergeschoss und Sickergrube. Mediale Gülle, die das Grundwasser unseres Geistes verseucht. Personen, bei denen einem peinlich ist, dass man sie wiedererkennt oder sich gar ihren Namen gemerkt hat – aber keinesfalls persönlich treffen möchte. Deutlicher geht’s also nicht mehr. Wenn’s trashig wird, ist das Verfallsdatum abgelaufen!

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Doch so oder so. Wien. Wien, nur du allein … Irgendwann flaniere ich wieder durch deine staubzuckersüßen Gassen.

 

Sonntag, Juli 7th, 2013
die eigenen vier wände für jedermann

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Schön, wenn man sein gestaltetes Magazin im Zeitschriftenhandel entdeckt. Aber dafür sind mir die minimalen Satzfehler jetzt noch peinlicher, als vorher.

 

Sonntag, Juni 30th, 2013
Ballsaal adé

Zwei von fünfen sind schon ausgezogen. Heute folgt die dritte. Und auch ich habe schon das meiste Zeugs in Umzugskisten verpackt. Sogar die Poster sind schon von den Wänden gerissen. Meine Zeit in Wien löst sich auf.

Also noch einmal ein kleiner Blick zurück. In meinen geliebten Ballsaal, in dem ich die letzten vier Jahre leben, lachen, leiden und  lieben durfte.

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Sonntag, Juni 23rd, 2013
Verbrannte Erde

Da stehst du. Vor schwarz, Asche, Rauch. Klagst und begreifst nur langsam. In sämtlichen Ecken deines Herzens liegen gekrümmt die dampfenden Leichen. Und dieser Geruch von verkohltem Fleisch klebt an den Kadavern wie ihre, mit der Haut verschmolzene Kleidung. Wieder gescheitert. Wieder alleine. Wieder die beziehungslose Leere fehlender Zweisamkeit.

Alle schönen Erinnerungen – die Nacht am Berg oben, der Kinobesuch mit Adeles Titellied, als sie dich am späten Abend vom Flughafen abholte – haben sich zu einem abstrakten, hässlichen Klumpen verformt, auf dem sich nun ein schwermütiger Aschefilm gelegt hat – wie über die ganze restliche Stadt, vom Stephansplatz bis zum Türkenschanzpark. Und wo vor ein paar Wochen noch die prächtigsten Blumen hätten sprießen können, ist der Boden nun tot und versalzen. Hier wächst gar nichts mehr.
Da stehst du. Mit der Fackel in der Hand und Wut im Bauch. Und einer unendlichen Enttäuschung. Auf dich selbst, auf das Feuer, zunächst sogar auf sie.
Ablehnung folgt den Schuldzuweisungen und umgekehrt. Und erneut drängt sich dir die Frage auf, warum das so Enden musste. Warum du nicht einmal einen Teil deines Lebens verlassen kannst ohne die Flammen wüten zu lassen? Letztlich aber kannst du nur dich verantwortlich machen, nicht sie.

Du verabschiedest dich von Wien wie du gekommen bist: mit einer Niederlage im Gepäck, die schwer auf den Schultern lastet. Aber diesmal ist es trotzdem ein bisschen anders. Das gebrochene Herz liegt auf der anderen Seite – du musst dich nur fragen, ob du deine Entscheidung auch zu tragen bereit bist. Oder ob du an einem ganz bestimmten Punkt einen anderen Weg hättest einschlagen müssen. Lange, lange, bevor das Feuer alles zerfraß.
Bis dahin drängt sich dir eine andere Überlegung auf: Können sich zwei Niederlagen ausmerzen und auf Null nivellieren? Ist das der entscheidende Schlag von der anderen Richtung, der alles wieder ins Lot bringt? Weil man Feuer am Besten mit Feuer bekämpft?

Wenn das so wäre, bliebe in den letzten Tagen inmitten der schwelenden Trümmern die Hoffnung, dass aus der Asche ringsum etwas neues, großartiges wächst. Das es Zeit ist, ab nun nach vorne zu schauen. Mit aller Kraft. Und was immer kommt, mit offenen Armen zu empfangen. Sonst vergehst du bei der nächsten Feuersbrunst gleich mit.
Deshalb hallen über das verkohlte Ödland die mahnenden Worte einer Tragödie, die vor kurzem so beeindruckend zu dir herüber wehten: “So schlagen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom – und treiben doch unaufhaltsam zurück, der Vergangenheit zu.”
Der große Gatsby (F. Scott Fitzgerald)

Sonntag, April 28th, 2013
long lanes end

WG

Seit ein paar Tagen ist es schriftlich: unsere WG löst sich auf. Die Kündigung wurde verschickt. Andere Wohnungen fix. Ein Abschnitt geht zu Ende, ein Meilenstein. Eine Zeit, in der sich mein Lebensweg gebrochen hat – auf eine höchst positive Weise. Vier wunderbare Jahre. Sonne auf dem Parkett. Mädchenschuhe am Eingang. Wohlfühlmoment ab Stunde Null.

“Hey du,

wir würden uns freuen, wenn du am Samstag (6.6.) zwischen 16 und 17 uhr vorbeikommen könntest.

Genaue adresse:

Lange Gasse 76/18 (bei Schmid läuten)

2. Stock

1080 Wien

 

Bitten um Rückmeldung.

Liebe Grüße Meli, Claudi, Nikola, Laura”

 

Und dennoch ist es Zeit. Es scheint, als würde uns die Wohnung förmlich ausspucken. Der Kühlschrank zickt, der Wasserhahn leckt. Vom Betriebsende des schönsten Aufzug Wiens ganz zu schweigen. Außerdem will keiner mehr den Gemüseschäler woanders suchen müssen. Durch unsere fünf Zimmer hallen Abgesang und Aufbruchstimmung. Die Lange Gasse hat ihr Ende erreicht.

Montag, April 8th, 2013
napoli

Aus Recherchgründen weile ich zur Zeit in am Fuße des Vesuvs. Mal sehen, auf was ich interessantes stoße.
Bei meiner Reise hierher wäre ich um ein Haar in Mailand gelandet. Sicherlich auch ganz nett, das hätte meiner Geschichte nut eine erheblich andere Richtung gegeben.

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Freitag, April 5th, 2013
Letzte Fahrt nach oben

Der wohl schönste Aufzug Wiens hat seinen Betrieb eingestellt. Gezwungenermaßen. Wegen irgendwelchen spaßbremsenden Dingen wie Sicherheit und Vorschriften, so stand auf dem Brief der Hausgenossenschaft zu lesen. Wenn es jedoch nach mir und meinen Regeln für die Welt gegangen wäre, hätte er noch ewig in den 2. Stock hochstottern können.

Schon alleine, wenn man diese Jugendstil anmutende Holztüre hinter sich zu donnerte, kam man sich vor wie zu Kaisers Zeiten . Und während der Fahrt nach oben, war man ganz nah an diesem unheimlichen Gefühl, dass die Menschen zur vorletzten Jahrtausendwende gehabt haben mussten: Diesen tiefen Respekt vor der schnaufenden und fauchenden Kraft der Technik. Diese Hilflosigkeit, mit der man mit dieser omnipotent wirkenden Kraft ausgesetzt war.

Richtig viel ist von dieser Kraft natürlich nicht übrig geblieben. Nur noch Wackeln und Scheppern. Zudem sind wir im Jahre sechs des Smartphones natürlich nur noch chromglänzende High-Speed-Power-Lifte mit serieller Sprachfunktion und Touchsreen gewöhnt. Solche, die sich wahlweise im Notfall in einen hochintelligenten Roboter verwandeln oder das Raum-Zeit-Kontinuum auflösen können.

Dieser Aufzug aber, der jetzt nach gefühlten 200 Jahren spärlich verlässlicher Betriebsamkeit in diesem, unserem Hause zum Altschrott down-gegraded wurde, konnte nicht einmal mit einer Person an Bord nach UNTEN fahren. Nur Leerfahrten waren möglich. Andersherum bedeutete das aber auch, dass es mit diesem Ding für den Fahrgast immer nur aufwärts ging. Und damit ist in unserer turbulenten High-Tec-Zeit so ein alter Klapperkasten wohl humanistischer als Siri es je wird sein können.

Elevator has left the building. Quasi :-(

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