‘zur lage des ichs’ von gestern

Montag, Dezember 15th, 2014
Wien. Erneut.

Wien. Erneut. Gewählte Heimat. Zuhause. Zur Zeit noch ein dunkles, unaufgeräumtes Zimmer. Mein Zimmer. Jemand hat das Fenster offen gelassen. Und das im Dezember.
Dunkel ist es. Mehr schwarz, als grau. Doch die Möbel sind zu erkennen. Schattenhaft. Einige stehen quer oder stapeln sich hoch. Und man weiß von dem einzigartigen Duft, der in jeden ihrer Ritzen wohnt. Dieser ewig süßlich-melancholische Geruch der Verwesung. Zuckersüß und faulig. Jetzt vorübergehend genommen von Staub und Kälte.

Ich wandle durch die Stadt. Folge meinen Schritten. Leben flattert im Wind und wird schnell eine Gasse weiter geweht. An den Wänden Plakate vergangener Euphorien. Violetten Sommern und karierten Oktobern.
Halb blind tastet man sich vorwärts. Traut den wabernden Schatten nicht. Was sich alles in ihnen verbergen könnte: Leere. Fallen. Furcht.

Man kennt sein Zimmer, weiß, wo alles steht. Aber die Farben, die Farben hat man nur in seinem Kopf.
So harre ich aus bis das Dunkel bricht. Bis die Schatten verenden im Morgenlicht.

Sonntag, November 30th, 2014
Im Unterbewusstsein

Wir haben eine Wohnung! Am Alsergund. Nach gar nicht mal all zu langer Zeit suchen, wie ich finde. Zumindest rechtzeitig, um in der frisch gebackenen Behausung ins neue Jahr zu starten. Und wenn meine erste Wiener Wohung in der Langen Gasse (mit ihrer zentralen Lage, dem Erker und dem Blick bis rüber auf die Alser Straße) wie ein neugieriges Neigen in die Stadt war – so ist die zweite Wohung nun tief im Unterbewusstein meiner erneuten Wirkungsstätte verankert. Mitten im 9. In einer kleinen Seitengasse. Im Hinterhaus. Umgeben von Höfen und Mauern. Eine Höhle aus Altbau. Der innere Kasten eines Labyrinthes. Eine Matrjoschka-mäßige Inception-Butze. Im 7 1/2 Stock, wo es direkt ins Hirn von John Malkovic geht. Oder in diesem Fall von Karl Markovics (Den gibt es wirklich! TV-Serie “Stockinger” und Oscarfilm “Die Fälscher”.) Oder besser: dem Hirn von Franz Schubert, denn der wurde gleich ums Eck geboren. Oder in das von Sigmund Freud, der ein paar Straßen weiter seine Patienten auf der Couch liegen hatte. Womöglich auch in deren Köpfe. Oder aber, und das wäre natürlich das Feinste, in den genialen Geist von Ludwig van Beethoven, dereinst ebenfalls in dieser Nachbarschaft seinen Lebtag verbrachte.

Der 9. Bezirk ist also durch und durch Geschichtsträchtig. Jener Ort eingeschlossen, an dem ich nun in den kommenden Wochen meine Möbel und vor allen meine Küche einrichtem werde. Denn hier stand Ende des 18. Jahrhunderts der Pulverturm, der am 26. 6. 1779 detonierte und fatalerweise knapp 100 Menschen in den Tod riss. Eine Glasmalerei in unserem Stiegenhaus erinnert noch an dieses Unglück (siehe Bild unten). Im Anschluss wurde ein Gesetz erlassen, dass die Lagerung von Schwarzpulver innerhalb der Stadtmauern untersagte.

Ein Ort, tief im Unterbewusstsein der Stadt halt.

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Und ein Ort, tief im Unterbewusstsein meines Hoods 2014:

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Samstag, November 22nd, 2014
Wieder in Wien

Sie könnten nicht gegensätzlicher sein: die Umstände, unter denen ich dieser Tage zum zweiten Mal nach Wien ziehe – im Vergleich zu 2009. Damals war es Frühling, ich fuhr mit Sack und Pack alleine ins Unbekannte, kannte in Wien eigentlich keine Menschenseele und einen Job hatte ich auch nicht. Einst schob mich etwas aus Deutschland fort, nun zog mich etwas nach Wien. 2009 folgten die vier besten Jahre meines Lebens. Seit letzter Woche … zugegeben – genau diesen Punkt würde ich nicht gerne gegensätzlich sehen wollen.

Ein wenig muss ich daher an John Lennon denken. Nicht, dass ich mich mit ihm in irgendeinerweise gleich setzen möchte, aber John Lennon hat bitter dafür gekämpft in seinem geliebten New York bleiben zu dürfen. Die Amis wollten ihn nicht, den britischen Hippie und verweigertem ihm beharrlich die Green Card. Irgendwann, nach zähem Ringen, klappte es dann doch. Und so war er am späten Abend des 8. Dezembers 1980 immer noch in New York.

Ich bin mir sicher, frage man John heute im Musikerhimmel, ob er seine Entscheidung im Big Apple zu bleiben nun bereue, er mit einem klaren “Nein” antworen würde. Und so bin ich zuversichtlich, was auch immer da kommen mag. Zumindest glaube ich schon ein mal nicht an einen geistig verwirrten Attentäter, der mir auf der MaHü auflauert.

Denn wenn auch beim Umzug der Himmel über Österrreich in einem müden Novembergrau ruhte, brachen die Wolken kurz vor dem Ziel auf und das abendliche Wiener Umland wartete im verheißungsvollen Messing und Kupfer. Lassen wir also alles auf uns zukommen.

Montag, November 10th, 2014
Klettenberg

Köln ist Geschichte. Nach nicht einmal einem Jahr. Die Hirschbergstraße hat nie ihren Gipfel erklommen. Im Bergseezimmer wurde das Wasser abgelassen, jenseits des Flurs – im “la peche croquant” – die Stühle eingeklappt. Mein kleiner Balkon wurde nicht einmal richtig eingeweiht. Der Sommer war ja so abspenstig wie das Gefühl in Köln angekommen zu sein. Zur Zeit ist mein Hab und Gut eingelagert und fortgesperrt. Zum zweiten Mal innerhalb 15 Monate. Ich bin gespannt, wann und wo genau es sich wieder entfalten wird.

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Donnerstag, August 28th, 2014
Ein Sackerl Drama

Wildschweine, Schönbrunn und jede Menge Drama! Außerdem noch die Erkenntnis, dass 1/3 aller Fahrgäster der Wiener Linien mit der U3, U6, 6, 43 und 13A unterwegs sind. Drei davon waren auch immer meine Hauptadern.

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Samstag, Juli 12th, 2014
Impronacht

Seit Langem mal wieder Impro gespielt. Bei der langen Impronacht von Freilos. Amüsant war’s. Ungewohnt aber amüsant. Davor gab es noch die lange Nacht am Düsseldorfer Flughafen – die aber in Wien mit einem herrlichen Frühstück belohnt wurde. Und einem Spaziergang zu meinen geliebten Grinzinger Weinbergen.

Bleibt nur die Frage, was verdammt noch mal mein Pötzleinsdorfer Schloß in Hernals macht?

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Dienstag, Juni 10th, 2014
Marry in Minga

Eine (nunmehr ehemalige) Improkollegin hat geheiratet – ihren Schwurbelschatz (der auch schon mal eine Lesung von mir musikalisch untermalt hat). Beides sehr liebe Freunde. Ehrensache, dass man da nach München gereist ist, um der Trauung beizuwohnen. Die Trauung selber habe ich zwar zeitlich doch nicht geschafft, zur Feier kam ich aber rechtzeitig. Und auch sonst war das Wochenende in München eine überaus feine Angelegenheit.

Und euch beiden an dieser Stelle natürlich noch mal alles Gute und nur das Beste für die Zukunft! Lasst euch umarmen.

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Und ganz zufällig und ohne jede Bedeutung oder sonstwie in irgendeiner Weise mit dem restlichen Inhalt dieses Postings verknüpft: zwei Straßen in München. Zwei ganz normale Straßen.

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Montag, Mai 5th, 2014
Schritt 2, 3, 4, 5 und 6. Und ein halbes 7.

Ich bin zurück. Mit neuem Job und neuer Wohung (samt Bergseezimmer und französischem Café), dazu eine frisch geschlüpfte entzückende Nichte, Freunden, die sich einen Puff gemietet haben, einigen Nachtzugfahrten nach Wien und das Wichtigste von Allem – das bezaubernde Fräulein Seltsam Überall ist in mein Leben zurück gekehrt.

Zappzerapp, der Sommer kann kommen.

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Dienstag, Januar 21st, 2014
Schritt 1 und baba

koeln

Ich habe eine kleine Wohnung in Köln. Recht zentral an einem Park gelegen. Von da pendel ich nun täglich zum Job. Die erste Stufe ist also genommen. Das ist aber auch schon das einzig Gute. Ich schließe diesen Blog für eine Weile. Bis ich bei Schritt 4, 5 oder 6 bin. Noch bin ich nicht angekommen in der Stadt. Ich bin hier eigentlich komplett falsch. Meine Hoffnung zu Jahresbeginn, das mit Köln sich endlich mein Leben wieder richtiger anfühlt, war ein Irrtum.

Wien zu verlassen war der größte Fehler meines Lebens. Das ist mir schmerzlich bewusst geworden. Es tut mir unendlich Leid und ist nicht zu entschuldigen. Es war schlicht verantwortungslos. Auch wenn ich auf der Suche nach mir selbst war.  Mein jetziger Versuch, diesen Fehler zu korrigieren, hat wohl nur eine verschwindend geringe Chance, das weiß ich selbst. Aber ich meine es wirklich ehrlich und es ist mir absolut ernst. Wie sehr kann etwas kaputt sein, dass man es trotzdem wieder aufbauen kann? Wie oft darf man jemanden verletzen und es heilt dennoch wieder? Wie viel Glück kann man haben, um eine neue Chance zu bekommen? Ab wann ist es überhaupt zu spät dafür?

Das letzte Jahr Wien hat mir so viel mehr bedeutet, als ich es einst bereit war zu erkennen. Da wird Köln erst mal nicht so schnell mithalten können.

Bis auf bald. Ihr fehlt mir alle.

Mittwoch, Januar 1st, 2014
Willkommen Zweitausend-1(99)4

Das neue Jahr ist geboren und ein altes, sehr aufwühlendes hat den letzten Atemzug getan. Adieu! Ich kann noch nicht ganz absehen, wie richtig – oder sagen wir – weitsichtig meine Entscheidung Wien zu verlassen nun tatsächlich war. Aber mit diesem Schritt – und dem Zwischenstop Schottland – schließt sich bei mir ein zwanzig Jahre andauernder Kreis. Damals 1994, im jugendlichen Übermut, habe ich eine Entscheidung getroffen, die kurzfristig richtig schien, im Nachhinein allerdings mich in arge Bedrängnis gebracht hat und sehr lange nach hallte. Mein Wienentschluss ist die exponentielle Wiederholung davon, in erster Linie aber auch die finale Spätfolge. Schottland jedoch hat dies nun alles nivelliert. Ich bin auf Null. Ohm! Gleichklang! Yin-Yang! Zur Mitte, zur Titte, zum Sack – zack, zack! Und ob sich die Bedrängnis wiederholt ist noch nicht ganz raus. Bis jetzt sieht es nicht danach aus. Ab Montag geht der Job in Leverkusen los. Fehlt nur noch ne gemütliche kleine Butze in Köln. Dann ist die Basis geschaffen, einen möglichen Fehler nicht das dritte Mal zu begehen. 1994 kann also kommen. Zwanzig Jahre später.
Euch allen ein großartiges neues Jahr!!!