In den Straßen Tel Avivs – das „Miznon“

Sonntag, 29. Januar
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Im Schatten des Stephansdom röstet der Karfiol im Ofen und der Trubel von Tel Avivs Florentiner Street hallt bis in die Gemäuer der kaiserlichen Gründerzeit. Genauer: im „Miznon“ ist es, wo der Karfiol röstet und es sich nach Tel Aviv anfühlt – und auch anfühlen soll. Streetfood ist ein Renner. Food Trucks werden belagert, selbst wenn die hungrigen Mäuler erst auf eine Messe müssen, da zumindest hier in Österreich  die Stellplätze in der freien Wildbahn rar sind. Was macht da nicht mehr Sinn, als die Atmosphäre der Straßenküche in ein hübsches Beisl zu packen. Vor allen, weil die Winter in Wien lang und kalt sein können.

Im Miznon geht es daher dementsprechend lautstark zu. Bestellt wird an der Theke, das fertige Essen lässt der Koch die Gäste durch Zuruf wissen. Bedienung gibt es keine. Alles ist im Industrial-Shabby-Chic gehalten. Ich mag das. Keine Frage. Es ist das Gegenteil von gestelzter Kerzenatmosphäre und bügelgestärkten Stoffservierten.

Zum Essen gibt es hauptsächlich Pita, gefüllt als Burger oder mit Ratatouille aber auch mit Hühnchen, Kartoffeln oder Lamm. Der heimliche Star ist hier aber der Karfiol – in seiner ganzen Pracht und frisch aus dem Ofen mit schwarz angeschmurgelten Spitzen. Vorne neben dem Eingang stehen die Soßen zum Dippen und ein paar Schnitten der sehr fluffigen Pitafladen. Unter dem Punkt „Gejagtes Gemüse“ steht der Karfiol auf der Karte. Passenderweise, denn er wird in Hühnerkäfigen über dem Küchentresen gehalten. Ebenfalls auffällig sind die „überfahrenen Kartoffeln“ mit Dillrahm, die nichts anderes sind, als zwischen Backpapier plattgewalzte Ofenerdäpfel.

Das einzige, was hier die Stimmung in der israelischen Straßenküche trübt, ist der Preis. Der Pitaburger kostet stolze 12 Euro und ein ganzer goldener Karfiol immerhin noch 8 Euro. Ich überlege eine Weile, ob mir das zu hoch erscheint. Selbst für Wien und den ersten Bezirk. Andererseits wüsste ich keinen anderen Ort in der Stadt, an dem ich einen ganzen gegrillten Karfiol auf zwei Wachspapierblättern serviert bekomme und fand auch die kleinen Pita-Scherzler, die es für etwa 4 Euro das Stück gibt, überaus schmackhaft. Und für 8 Euro komme ich auch nicht nach Tel Aviv. Selbst im Winter bei diesen Minusgraden nicht.

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