Rohmilchkindheit mit selbstgemachter Butter

Samstag, 5. März
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Für uns als Kinder war das ganz normal gewesen: selbstgemachte Butter. Noch heute erinnere ich mich an ihren ganz eigenen, unverkennbaren Geschmack. Die Milch dazu kam vom Bauern, zu dem wir wie in einem kitschigen Heimatfilm mit Kanne in der Hand durchs Dorf spaziert sind. Wenn es regnete fuhren uns die Eltern auch mal schnell mit dem Auto hin. Wir saßen dann auf dem Beifahrersitz und hatten die Kanne zwischen unsere Beine geklemmt. Das war dann nicht kitschig, aber nötig, da eine Blechkanne nicht gut schloß. Die Milch kam in einen breites Alugefäß, mit dem 24 Stunden später der Rahm abgeschöpft werden konnte. Zum Pasteurisieren aufgekocht haben wir unsere Milch nie. Wir waren Rohmilchkinder.

Der Gedanke, an diesem Punkt an meine Kindheit anzuknüpfen, kam vor ein paar Tagen ganz plötzlich. Zwei Tage später hielt ich mein bestelltes Butterfass in den Händen. So ein ganz ähnliches nutzen wir auch damals, nur mit einem Holzrührer anstelle Silikon. Für meinen ersten Versuch nahm ich Bio-Obers vom Hofer, welche ich schon gestern Abend aus dem Kühlschrank genommen hatte. Nach 15 Minuten rühren flockte die Butter wie gewünscht aus.

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Das Rühren war früher der Part von uns Kindern. Fass zwischen die Knie und los. Hätten wir einen Fernseher gehabt, wäre sicher dabei ›Pan Tau‹ oder ›Die Bären sind los‹ gelaufen. Doch so musste die Tätigkeit als solche uns genügsam sein. Das Butterwaschen (am besten in Eiswasser) übernahm dann wieder unsere Mutter. Zwei bis drei Wiederholungen sollten es schon sein, um auch den letzten Rest Buttermilch auszuspülen. Die hübsche Butterform aus Holz gab es damals allerdings nicht. Die habe ich mir noch dazu geleistet. Wenn schon Kindheit, dann kitschig.

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Das Ergebnis lässt sich schmecken. Einfach auf ein gutes Brot geschmiert und etwas Kresse dazu, mehr braucht es nicht. Höchstens noch das wunderbar frische Glas Buttermilch, welches als Nebenprodukt für weitere Begeisterung sorgt. Die trank damals aber meine Mutter.