Wien. Erneut.

Montag, 15. Dezember
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Wien. Erneut. Gewählte Heimat. Zuhause. Zur Zeit noch ein dunkles, unaufgeräumtes Zimmer. Mein Zimmer. Jemand hat das Fenster offen gelassen. Und das im Dezember.
Dunkel ist es. Mehr schwarz, als grau. Doch die Möbel sind zu erkennen. Schattenhaft. Einige stehen quer oder stapeln sich hoch. Und man weiß von dem einzigartigen Duft, der in jeden ihrer Ritzen wohnt. Dieser ewig süßlich-melancholische Geruch der Verwesung. Zuckersüß und faulig. Jetzt vorübergehend genommen von Staub und Kälte.

Ich wandle durch die Stadt. Folge meinen Schritten. Leben flattert im Wind und wird schnell eine Gasse weiter geweht. An den Wänden Plakate vergangener Euphorien. Violetten Sommern und karierten Oktobern.
Halb blind tastet man sich vorwärts. Traut den wabernden Schatten nicht. Was sich alles in ihnen verbergen könnte: Leere. Fallen. Furcht.

Man kennt sein Zimmer, weiß, wo alles steht. Aber die Farben, die Farben hat man nur in seinem Kopf.
So harre ich aus bis das Dunkel bricht. Bis die Schatten verenden im Morgenlicht.