Letzte Fahrt nach oben

Freitag, 5. April
Kommentare deaktiviert für Letzte Fahrt nach oben

Der wohl schönste Aufzug Wiens hat seinen Betrieb eingestellt. Gezwungenermaßen. Wegen irgendwelchen spaßbremsenden Dingen wie Sicherheit und Vorschriften, so stand auf dem Brief der Hausgenossenschaft zu lesen. Wenn es jedoch nach mir und meinen Regeln für die Welt gegangen wäre, hätte er noch ewig in den 2. Stock hochstottern können.

Schon alleine, wenn man diese Jugendstil anmutende Holztüre hinter sich zu donnerte, kam man sich vor wie zu Kaisers Zeiten . Und während der Fahrt nach oben, war man ganz nah an diesem unheimlichen Gefühl, dass die Menschen zur vorletzten Jahrtausendwende gehabt haben mussten: Diesen tiefen Respekt vor der schnaufenden und fauchenden Kraft der Technik. Diese Hilflosigkeit, mit der man mit dieser omnipotent wirkenden Kraft ausgesetzt war.

Richtig viel ist von dieser Kraft natürlich nicht übrig geblieben. Nur noch Wackeln und Scheppern. Zudem sind wir im Jahre sechs des Smartphones natürlich nur noch chromglänzende High-Speed-Power-Lifte mit serieller Sprachfunktion und Touchsreen gewöhnt. Solche, die sich wahlweise im Notfall in einen hochintelligenten Roboter verwandeln oder das Raum-Zeit-Kontinuum auflösen können.

Dieser Aufzug aber, der jetzt nach gefühlten 200 Jahren spärlich verlässlicher Betriebsamkeit in diesem, unserem Hause zum Altschrott down-gegraded wurde, konnte nicht einmal mit einer Person an Bord nach UNTEN fahren. Nur Leerfahrten waren möglich. Andersherum bedeutete das aber auch, dass es mit diesem Ding für den Fahrgast immer nur aufwärts ging. Und damit ist in unserer turbulenten High-Tec-Zeit so ein alter Klapperkasten wohl humanistischer als Siri es je wird sein können.

Elevator has left the building. Quasi 🙁

aufzug1

aufzug3

aufzug4

aufzug6

aufzug7

aufzug5