Die Angst von Schwarz-Rot-Geld

Sonntag, 14. April
Kommentare deaktiviert für Die Angst von Schwarz-Rot-Geld

Ich gehöre sicherlich nicht zu den politischsten Menschen in meinem Umfeld. Für die Freiheit Tibets habe ich jetzt nicht mein Facebook-Bild geändert, wo Burma liegt musste ich gerade googlen und die Pussy Riots scheinen zwar irgendwie ganz hip zu sein, würde mich für sie aber nicht von einem grimmigen Sowjet-Schergen mit Schlagstöcken malträtieren lassen. Und dieser Blog ist erst Recht kein Ort, um Revolutionen anzuzetteln oder gegen Regime zu wettern.

Aber heute ist das alles anders, denn seit heute hat Deutschland eine neue Partei. Die „AfD“, die „Alternative für Deutschland“. Eine gutbürgerliche Wohlstandspartei für die solventen Wähler ab Vierzig plus. Alternative, am Arsch! Denen geht nur ihr dicker Eigenheim-Hintern mächtig auf Grundeis, weil sie befürchten bald ihre sauer verdienten Euros dem faulen Griechen auf sein Olivenbrot schmieren zu müssen. Damit der mal wieder was zu beißen hat vor lauter Nichtstun und Faulsein. Aus diesem Grund wollen die lieber ewig gestrig als heute aus dem Euro raus und die gute alte Reichsmark … pardon … die Deutschmark zurück. Und das ist dann auch schon alles in ihrem gerade mal drei Seiten dünnem Wahlprogramm. Also nicht mehr als ein besseres Faltblatt. Wahrscheinlich mit dem durchgenudelten Bürokopierer kopiert und nicht mal ordentlich bei flyeralarm drucken lassen.

Natürlich ist der Euro hässlich, so tektonisch und kalt. Die D-Mark hatte die Gebrüder Grimm und ganz früher eine lustige Frau mit Riesendutt. Hinten drauf war ein Klavier und eine Feder aber auf den Euroscheinen sind nur dumme Brücken. Und natürlich ist es doof, wenn Griechenland gerade kein Geld hat, weil sich das alles ein paar korrupte Banker und Reeder unter den Nagel gerissen haben und wir Deutschen mit dem nächsten Reisebus ein paar Milliarden runterschicken müssen. Und Zypern geht’s ja auch nicht besser. Aber so ist halt der Euro! Das ist das Prinzip einer solidarischen Gemeinschaft. Schon seit der Steinzeit. Da konnte man auch nicht jeden fußlahmen Krüppel verkehrt herum an einen Baum hängen, nur damit der Säbelzahntiger die wandernde Sippe nicht einholt. Doch ganz sicher, der Aléxandros wird schon wieder auf die Beine kommen. Und bis dahin leihen wir uns weiter Geld zu erschreckend niedrigen Zinsen. Also, zu gar keinen.

Nein, im Ernst. Was mich wirklich fuchsteufelswild macht, ist die Tatsache, dass die gutsituierten Oberschichtsbürger (viele Professoren und Anwälte und so), die sich jetzt als Alternative gieren, einfach nur einen Riesenschiss um ihr mühsam zusammengekratzten bisschen Reichtum haben. Die Angst eventuell irgendetwas abgeben zu müssen. Als würden sie dadurch gleich in die Privatinsolvenz getrieben. Von wegen: Denen wird es doch auch nach der Eurokrise noch finanziell erste Sahne gehen. Es ist dieses unendliche Knausertum, das sich hinter der bürgerlichen Akademikerfresse verbirgt, die es eigentlich viel besser wissen müsste.  Am schlimmsten ist ihr Vorsitzender. Ein fünfzigjähriger Professoren-Milchbubi, der in der Schule wahrscheinlich schon immer der kleinwüchsige Streber und Petzer war und auf Klassenfahrt nur mit seinem mitgenommen Teddy schmusen durfte – nicht mit einem der Zahnspangenmädels, deren frisch gewachsenen Brüste alle Jungs verrückt machten. Die anderen durften nämlich. Die waren cool!

Verlierer, die irgendwo abgelehnt wurden sind prinzipiell immer schwierig. Wahrscheinlich hat sich der AfD-Windelbubi in den letzten Wochen gerne mal mit Nutella ein Bärtchen unter die Nase geschmiert und vor dem Spiegel seine erste Reichsparteitagsrede geprobt. Ach ja, die Nazis finden den Verein natürlich auf voll dufte. Auch wenn die Partei noch alle Liebeleien von rechts brüsk von sich weist. Aber man kennt das ja von jeder Dorfkirmes. Irgendwann, wenn die Nacht stetig voran rückt und die Uschi unbedingt noch koalieren möchte, springt sie mit jedem Glatzendepp ins Bett.

Offiziell behauptet die AfD Europa schützen zu wollen. Weil die Krise womöglich in Krieg umkippt. Mal so direkt formuliert. Freilich ist das blanker Unsinn. Nicht das mit dem Krieg, das kann man in letzter Instanz nicht wissen – aber aus falscher Furcht keinen progressiven Schritt zu wagen ist schon immer der größte Fehler der Duckmäuser und Angsthasen gewesen. Die Sache mit dem Schützen wollen ist Schwachsinn. Das Einzige, was die schützen wollen ist ihr gemästetes Sparschwein. Das sind alles so Leute, die noch den Nachkriegsverzicht mitgemacht haben und nun in haltlose Panik verfallen und sich wieder mit Essensmarken vor den zerbombten Innenstädten sehen. Die scheißen eher auf ihre europäischen Nachbarn, als nur eine Sekunde ihre heile Statuswelt wanken zu sehen.

Ich hoffe, meine Generation ist da anders. Die lieber in einer kleineren Wohnung leben, aber dafür auch mal in einem der Nachbarländer. Die die Vorteile einer ersten gemeinsamen Währung seit Besiedelung des Kontinents zu schätzen wissen. Allen Hindernissen zum Trotz, die bei solch einem historischen Schritt zwangsläufig auftauchen. Nicht nur, dass ein Rückschritt in einer Entwicklung einen viel tieferen Riss zwischen die Parteien bringt, auch wird Europa der Depp aller Kontinente sein, wenn wir das mit der Kohle nicht geregelt kriegen. Dann nimmt uns nicht einmal Australien mehr ernst. Und so schlimm darf es ja kaum kommen.