relativ voll

Donnerstag, 21. März
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glas

Die ewig gleiche Frage: Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Was verrät ein Glas mit etwas Flüssigkeit über den Menschen an sich und sein Blick auf die Welt?

Für den optimistischen Sonnenschein, so die hinlänglich bekannte Aussage, für den ist das natürlich halbvoll. Weil alles, was er in seinem großartigen Leben anpackt mit rosa Zucker gepudert ist.
Der nihilistische Pessimist jedoch, der sich beim morgendlichen Rasieren zusätzlich auch mal die Unterarme aufritzt, der findet das natürlich halbleer. Aber so was von. Und außerdem eh alles wurscht.

Ich aber, ich als Realist bis auf die Knochen, der dem Leben täglich in dessen ungeschminkte Fratze blickt. Der – so viel privates sei an dieser Stelle erlaubt – nur ganz selten durch seine Luftschlossparadise traumwandelt – der weiß es natürlich besser: Die oben genannte These ist völliger Humbug. Haarspalterei. Eier-auf-der-spitzen-oder-stumpfen-Seite-aufschlagen-Sinnlosdiskussion. Es kommt nämlich auf den Inhalt an. Nicht die Menge. So!

Denn würde sich in dem Glas ein, sagen wir mal, himmlisch leckerer, gerade richtig kühler, ideal fruchtig-süßer, lieblich dekorierter karibischer Cocktail befinden – an einem Tag, an dem die Sonne mit voller Kraft vom Firmament feuert – dann wäre selbst der größte Optimist betrübt über den fortgeschritten Schwund seines Kaltgetränks. Vor allen, wenn die Sonne noch eine Weile von oben quälen würde und der leere Geldbeutel keinen Nachschub an Flüssigkeit ermöglicht.
Das Gleiche gilt für ein Zaubertrank der unsichtbar macht, Viagra in Flüssigform oder den letzten Rest Erdöl auf dieser Welt. Und zumindest Letzteres wird zwangsläufig irgendwann kommen.

Andersrum läuft wohl jedem halbwegs normal veranlagtem Menschen einen Schauer über den Rücken, bei dem Gedanken, dass er noch die zweite Hälfte seines Lebertrans trinken muss. Oder von Tante Trudes Spitzwegerichsaft, der angeblich so gesund sein soll und dabei so bitter ist, dass es einem die Schleimhäute versteinert. Oder einfach nur jedes Glas Ottakringer Bier. Da ist jeder Schluck zu viel.

Allgemein hin zumindest. Von irgendwelchen unsäglichen Wonneproppen, die an jeden Scheiß noch irgendwas Gutes finden mal abgesehen. Aber das ist mir dann eh alles wurscht. Und zwar so was von.