Donnerstag, April 19th, 2012 um 17:59 Uhr
Der Penner aus der Lindenstrasse

Harry Rowohlt auf seine kleine Nebenrolle in Deutschlands ältester Soap zu reduzieren ist freilich schändlich und zeugt von Einfallslosigkeit bezüglich der Überschrift. Harry R. ist viel mehr. Ein Besessener der Sprache, Klammer auf: Deutsch und Englisch Klammer zu. Ein beschwingter Erzähler, der blühende Anekdoten aus seinem bunten Leben unters Publikum wirft, wie ein hawaiianisches Hullamädchen ihre Rosenblätter. Ein begnadeter Stimmenvirtuose, dessen tiefes Brummen sowohl aus Bauch, aus Kehle, wie auch aus dem Herzen kommt. Mein zündendes Initial selbst Texte zu intonieren. Und vor allen ist er gestern Gastgeber im Wiener Konzerthaus gewesen. Mozartsaal. Da schlurfte der rauschbärtige Mann mit Wams und hängenden Schultern auf die Bühne und erinnerte an einen alten Bud Spencer. Und dann drosch er mit verbalen Fäusten auf unser Zwerchfell. Ein Banause, wer da anschließend nicht von einem feinen Abend sprach.

Banause kommt übrigens aus dem Altgriechischen. bánausos. Was ironischerweise wiederum soviel wie “Handwerker” bedeutet. Hat gestern zumindest der Penner aus der Lindenstraße behauptet.

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