Gestern vom März, 2012

Donnerstag, März 29th, 2012
1000 wörter

Vor zwei, drei Wochen habe ich eine neue fixe Idee ausgebrütet. Die 1000-Wörter-Kurzgeschichten. Die Regeln wie folgt:

1) Jede Arbeit muss aus eben dieser Anzahl von Wörtern bestehen (+- 200).

2) Der Produktionszeitrahmen beläuft sich auf vier Tage. Donnerstag bis Sonntag. Die Recherche ist davon ausgenommen. Die kann sich zur Not über Wochen ziehen.

3) Jede Arbeit wird (innerhalb des Produktionsfensters) gesetzt und illustriert.

4) Pro Monat müssen mindestens zwei Arbeiten entstehen.

5) Inhaltliche oder stilistische Vorgaben gibt es keine. Es gilt sich auszuprobieren.

 

Anbei meine ersten (etwas über) 1000 Wörter:

Die schwarze Katze im Bistro ›blanc mignon‹

Anmerkung: Leicht von der Hand geht das trotzdem nicht. Der Umfang meiner Notizen für diese Geschichte beläuft sich auf 14! DIN-A6 Seiten meines kleinen Moleskin-Heftchens.

Dienstag, März 27th, 2012
Die Farbe des Gespenstes, Oder: Where the magic happens and the lions live

Der Regionalzug 553 windet sich durch die frühmorgendliche Landschaft und schiebt mit stählernem Gähnen die kleine Hügelkette auseinander, um den Blick auf schneebedeckte Bergkuppen freizugeben. Erst da, den Semmering verschlafenen vor mir, wird mir gewahr, dass ich mich außerhalb von Wien befinde. Zum ersten mal seit drei Jahren Österreich. Um Neues zu entdecken: Neue Ecken. Und Orte. Und Gedanken.

Der Endstationsbahnhof heißt Graz, Hauptstadt der Steiermark. Doch Graz ist nicht nur Regierungsstadt, sondern auch – laut UNESCO und jedem dritten Schaufenster zufolge – die ›City of Design‹. Ein Label, mit dem der Tourismusverband bares Geld in die Gassen rund um das Flüsschen Mur schüttet. Erzählt mir zumindest Stefan, ein Fotograf, in dessen beeindruckendes Kreativ-Gemeinschafts-Büro ich einfach neugierig reinspaziert bin – keine fünfzehn Minuten nach meiner Ankunft. Als Gastgeschenk bekomme ich einen schniecken Siebdruck gereicht. Das Gemeinschaftsmotto: ›Where the magic happens and the lions live‹. Limitiert und handsigniert.
Draussen, vor der Tür, im Hipsterviertel namens Lend, sitzen die Zeugen Jehovas auf einer Bank und halten den Wachturm in die warme Märzsonne.
Überhaupt: Graz ist wesentlich entschleunigter als Wien. Wobei die Donaustadt ja auch nicht gerade zu den High-Speed-Metropolen des Globus zählt. Noch langsamer und man bleibt stehen.
Und eben das tue ich auch bei jeder Gelegenheit. Um festzustellen, dass die Sache mit dem Design absolut berechtigt ist. Zumindest scheint Graz, als hätten sich seit 3 Jahrzehnten alle österreichischen Architekturstudenten hier versuchen dürfen. Ein wildes Kunterbunt von Farben und Formen und Flächen. Und Satzskulpturen.
Flüstert mir doch die Wand des Landtags unvermittelt die Wörter ›Farbe des Gespenstes, 233‹ zu. In einer streichholzgroßen Serifenschrift. Lyrik und Ligaturen gehen immer, denke ich mir und bin nicht nur hin und weg, sondern auch immens neugierig, was mir das sandfarbene Gemäuer damit sagen möchte. Mein erster Gedanke ist natürlich, dass die Zahl einen PANTONE-Farbwert darstellt. Mit dem zweiten verwische ich das wieder und frage lieber gleich die blonde Dame im Tourismusbüro. Die ist aber ebenso ratlos wie die Informations-Allmacht Google. Keinen Schimmer wo man schaut. Zu dritt stehen wir also blöd da und Google lässt unmotiviert Werbung aufblinken. Alleine bin ich da wohl besser dran und ziehe meinen Weg über Grieskai, Herrengasse und Jakoministraße unverdrossen weiter.
Mittendrin, in der Annenstraße, wedelt der im dunkelgrünen Cord gekleidete Besitzer des Orient-Textil-Shops emsig seine 2,50 Euro Ware sauber. Untergebracht ist sein Geschäft in einem 60er-Jahre-Bau und die asiatischen Lettern über der Tür wurden einst – zehn Jahren ist das her – mit einem Pinsel aufgetragen. So lange gibt es nämlich den Laden schon in Graz. Herr Wang, der Name ist erfunden, erzählt mir, dass er schon seit zwanzig Jahren hier wohnt. Was er die zehn Jahre vor seinem Textil-Shop gemacht hat, vergesse ich leider zu fragen.
Knapp zwanzig Jahre ist übrigens auch Pulp Fiction alt. Und an Tarantino hat mich dieser handmade Asia-Vintage-Mix vom ersten Wedeln an erinnert.
In irgendeiner Art fündig werde ich in dem Ramschladen freilich nicht. Im gegenüberliegenden Esoterikschuppen mit dem klangvollen Namen ›Flügerverleih‹ ebenso wenig. Dafür im Prato im Palais, bzw. an dessen Wand. Das stilvolle Kaffeehaus-Logo lockt mich in den Innenhof und da erblicke ich doch tatsächlich eine weitere Inschrift: ›Farbe von Silber, Nickel, Chrom oder eines Kratzers in diesen Metallen, 258‹. Das Café Prato samt dazugehöriger Wand ist Teil des Museums im Palais. Und somit komme ich meiner typografischen Sinnsuche doch schon deutlich näher.
Richtig umfassend kann mich die Dame an der Museumskassa aber auch nicht aufklären. Die hat noch nicht einmal besagten Schriftzug bemerkt. Mit etwas Mühe schält sich aber eine amerikanische Künstlerin, Wittgenstein und zwei weitere Lokalitäten als Information heraus.
Eine der Orte mit Schrift ist das Kunsthaus, eines der zwei Wahrzeichen von Graz. Als hätte sich ein bautypischer 2000er-Glaskasten mit einem graublauem Schleimbazillus infiziert. Auf halbem Weg zu den Toiletten lese ich dort, dass der ›Farbweg, direkt von Blau zu Gelb, 41‹ führt. Interessant. Aber weder im CMYK-, noch im RGB-Farbraum korrekt. Wittgenstein schrieb seinen Aufsatz ›Bemerkungen über die Farben‹ nun mal in der Zeit von Schwarz-Weiß-Fernsehen. Deshalb wohl.
Mein letzter Schriftweg bringt mich zum Schlossberg und dem Volkskundemuseum hoch. Doch was ich da lese lässt mich unbeeindruckt und ist keine zwei Schritte später schon vergessen. Die lyrischen Gespenster sind verflogen, die Grazer Tumruhr schlägt zur Abendstunde. Gegessen habe ich leider schon, sonst hätte ich mir ein Frenchbart, ein Galettes mit Brie, Birne und Preiselbeer in der zauberhaften Crêperie ›Le Schnurrbart‹ gegönnt. Nächstes Mal.
Oben am Schloss und der schlagenden Turmuhr, dem zweiten Wahrzeichen der Stadt, angekommen, blicke ich auf die Dächer unter mir.
Graz, also. Die zweitgrößte Gemeinde Österreichs. Und somit auch Ballungszentrum unterschiedlichster Kulturen und sozialen Schichten. Graz scheint beides zu haben: Den Altstadtcharme einer Kleinstadt und die Wucht der Plattenbauten, die sich einmal rundum gegen die Innenstadtgassen drücken.
An den Schlosspark in luftiger Höhe könnte ich mich gewöhnen. Würde ich hier wohnen, mein Weg führte jeden Abend hier hoch. Für die Jugendlichen hier tut er das im Zweifel auch. Besonders im Sommer. Aber schon jetzt rennen sie zahlreich in Shirt und Hotpants rum – während mich vier Lagen Stoff wärmen müssen. Die Hitze der Jugend halt. Einer, mit Jogginghose, weißgerahmter Sonnenbrille und Kopfhörern rappt den blutroten Abendhimmel an. ›Hate nicht beschissner Bengel, wenn es regnet pissen Engel‹.
Irgendwo am Rande des Plattenbaugürtels steigt Rauch auf und Sirenen heulen die Mur entlang.
Dann kommt wirklich eine Regenfront von Osten rüber. Meinen Siebdruck sicher unter der Jacke verstaut eile ich den Berg hinab und Richtung Bahnhof. Denn da wo die Löwen wohnen, schadet Engelsurin dem Frühlingsgefühl. So viel habe ich in der ›City of Design‹ gelernt.

 

Montag, März 19th, 2012
5,4,3,2,1 – remmidemmi

Enttäuscht wurde eine sprechende Geige zertrümmert. Ein Hund begraben. Ein Biber verhaftet. Und dem Publikum mit vollem Körpereinsatz ein französisch-polnischer Avantgardefilm dargeboten. ENDLICH spielte Improtheater, ENDLICH spielte Schwanenteich! Das mit der Schwanensache war eher recht frei assoziiert und eigentlich nur vorgeschobener Grund, um in Servietten-Tutus rumspringen zu dürfen. Dem Publikum und den acht kleinen Schwänen – unter dem Federvieh auch meine Schnabeligkeit – hat’s gar prächtig gefallen.

Gleichfalls prächtig und das Ganze in nahezu identischer Besetzung dann zwei Tage drauf: Fanny und ich luden zur Pyjamaparty!

“Chili con Schlafrock” nagelten wir als Motto an die wüstensandverdreckte Saloontüre, die zu meiner WG führte. Eine Pyjamaparty mit Tex-Mex-Kulinarik. Dumm nur, dass die Welt anstelle gestreifter Schlafanzüge lieber grüne Koboldskleidung trug und allerorts an diesem Samstag den St.-Patricks-Day feierte. Das Verhältnis “eingeladene Personen” zu “tatsächlich erschienen” war zugegebenermaßen so dürftig, wie die Beschäftigungsquote in den Slums von Tuxtla Gutiérrez. Aber ganz gleich. Es kamen genau diejenigen, die jeder Nacht die entsprechende Würze verleihen: der harte Impro-Kern nämlich. Sie kamen, um eifrig das theater-interne Rad aus Gossip und Gerüchten weiterzudrehen, ungeniert in Unterhose Gitarrenmusik zu performen oder mittels halb leerem Rotweinglas Mitmenschen ihrer Würde zu berauben. Dem Rest hätte man eh nur die Rolle der Maiskörner im Rinderhack zugestanden. Also.

Und zum Schluss noch mal einen ganz herzlichen Dank für die wundervolle Nashorn-Piñata. Olé!

Freitag, März 16th, 2012
eine literarische fingerübung zur schärfung der sinne und des satzbaus

Bei Ankunft ist das Eisentor noch geschlossen. Für ein paar Augenblicke. Bis der Wärter kommt, mit der Morgensonne im Rücken, und die geschmiedete Pforte zum Friedhof öffnet. 7 Uhr. Ein Samstag im März. Vom Himmel streicht schwaches Gelb über die Tannenwipfel. Am Boden ist noch mehr Nacht als Tag und das Gras um die Gräber überzogen mit blassem Raureif. Die ewig langen Wege durch die Vita Tausender, enden allesamt im weißen Dunst – im Totengewand des Horizonts.
Man kann den Atem aus dem Mund strömen sehen. Kurz. Flieht er doch nach jedem Lungenstoß sofort ins Unsichtbare. Als wäre ihm an diesem Zwischenort nicht bewusst, auf welche Seite er gehöre.
Ein paar Raben schreien.
In der Ferne heult der tonnenschwere Stahl eines bremsenden Güterzuges.
Hinten, wo die Totenstätten schon über ein Jahrhundert vor sich hin wittern, ziehen sich Wurzeln und Ranken durch das versteinerte Menschsein. Übrig ist nur eine abgeblätterte Erinnerung in goldener Frakturschrift. KaiserzeitGotisch. Mit Verziehrungen. Verschattet von mächtigem Baum- und Buschwerk.
Für die besten, unvergessenen, die edelsten. Tief betrauert von Gattin, Kinder und Enkel. Entrissen. Genommen. Nach Hause geführt. Auf eine Inschrift zeigt das flaue, durch kahles Geäst gebrochene Licht besonders: Fanny Reitmann. Verstorben am 22. Dezember 1913. Sie wurde 37 Jahre alt. Ein Leichenstein so schwer und schwarz, wie die Verzweiflung der Hinterbliebenen.

Du hattest meine Hand genommen und unsere Finger wie ein Sigel verschmelzen lassen – in tiefer Höhle der Nacht. Wir selbst waren nur Umrisse, beschienen durch eine einzige Kerze, geborgen im warmen Daunen des Bettes. Unser Atem tastete sich behutsam über unsere Körper. Und in meinem Blut schlug für immer deine Liebe.

Unten, am frostigen Boden, schlägt die Wiese hohe Wellen zwischen den halb versunkenen Grabsteinen. Wie unruhige See, in der Schiffbrüchige um ihr Leben kämpfen und doch letztlich dem unausweichlichen Schicksal ausgeliefert sind. Und mitten in diesem Ozean aus Leid und Abschied schaut ein Rehbock rüber. Keine zwei Meter entfernt. Der nussige Duft von Buchsbaum hat ihn angelockt. Jetzt steht er da und zögert, ob er fliehen oder äsen soll. Sein Blick ist konzentriert, alle Muskeln gespannt. Hinter einem Efeu ummantelten Gedenkstein löst sich ein zweites Tier. Eine Ricke. Und dann noch eine. Sie stehen beisammen, zu dritt, der Bock schützend in Front. Schauen – und ziehen kollektiv weiter. Ein paar Reihen tiefer ins Gehölz, wo neuer Buchs wartet. Und Moos – auf den salzigen Steinen ewiger Trauer.
Hier ruht mein Alles. Mein innig Geliebtes.

Mittwoch, März 14th, 2012
stadtpark

Ich. Fotografiert von Fanny.

Freitag, März 9th, 2012
Welcher Weg?

Jeder Moment deines Lebens ist eine Entscheidung. Für etwas oder gegen etwas. Nicht nur was du machst – vor allem wie du es machst. Handeln, Reden, Gedanken. Alles eine Entscheidung, für den Weg, den du einschlägst. Oder längst unbewusst eingeschlagen bist. Links rum. Rechts rum. Schnurgerade nach vorne. Auf der Stelle geblieben. Dreimal im Kreis gelaufen.
Du kannst dich zu zehn weiteren Liegestützen zwingen. Du kannst noch ein wenig länger die ausgetretenen Schuhe tragen. Du kannst gehen oder du kannst bleiben.
Bist du der, der Sonntags immer früh raus muss? Oder der, der nach jeder Party der aufgehenden Sonne gute Nacht sagt?
Wenn du ganze Wochen faul in die Federkernmatratze drückst, macht das aus dir halt keinen Gipfelstürmer. Ist so.

Und deswegen stehst du jetzt da. Am Fuße dieses wunderschönen Viertausenders. Legst denn Kopf in den Nacken und schaust sehnsuchtsvoll den Berghang nach oben. Schnee glitzert auf der Spitze, wie feine Schweißperlen nach süßem Lakengerangel. Vom Westen her schlägt die Abendsonne eine goldene Kante aus dem Fels. Und in dem Moment wird dir gewahr, dass du beim Versuch den Brocken zu erklimmen mit absoluter Sicherheit schon nach zwanzig Höhenmetern mit Seitenstechen im Graben liegen wirst. Gefickt von einem 22 Milliarden Tonnen schweren Stein.

Weil du immer mit der Straßenbahn zur Uni gefahren bist und nicht das Bike genommen hast, wie die ganzen sportlichen Kommilitonen in ihren lässigen Bermudas. Weil du deine Kohle konsequent auf den Pokertisch gestapelt hast. Anstelle des Bausparkontos. Oder mal vorsorglich investiert in ein paar astreine Wanderstiefel.
Deswegen stehst du jetzt da – ohne Rüstzeug und Kompass und dieses bunten Nylonseilen mit chromglänzenden Karabinern. Und beneidest den Typ, der frech vom Gipfelkreuz hinab winkt.

Aber noch ist nichts verloren. Mittellos heißt ja nicht unbedingt chancenlos. Du willst da auch hoch. Auf jeden Fall. Mit dem Heli dich hochschrauben lassen, für den großen Auftritt samt Top-Gun-Sonnenbrille, ist ein geiler Plan, aber du bist nicht Tom Cruise. Du bist nicht mal der Typ, der Tom Cruise für die Foto-Touristen am Walk of Fame immitiert. Du bist scheiße noch mal du selbst – dem viel zu spät klar wird, dass jeder vergangene Moment seines Lebens eine verdammte Entscheidung war. Für etwas oder gegen etwas.
Jetzt bleibt dir nur noch dein Improvisationstalent. Frei aus dem panikverkrampften Bauch heraus. ›Geronimoooo‹ brüllend schlägst du die Notfallscheibe ein und schnappst dir die sprichwörtliche Axt, um dir deinen Weg freizukämpfen. Und genau die hältst du dem Trachtenbauern im Tal drohend unter die Schnupftabaknase. Wehe mein lieber, wenn du mir für mein letztes Hemd am Leibe nicht deine treue Eseldame überlässt. Wehe dir. Das machst du dem Landwirt klar. Unmissverständlich. Du bist schließlich der, der nichts mehr zu verlieren hat.

Der Bauer hat ein Einsehen, holt die gute Paula aus dem Stall und nimmt dein 24-Euro-H&M-Hemd entgegen. Und dann schwingst du dich mit nacktem Oberkörper auf das Maultier und gibst fleißig Sporen. Viel Zeit bleibt nicht. Es droht die finstere Nacht einzubrechen. Also immer weiter. Quer durchs Gehölz. Keine Angst. Sich einfach nur auf das eigene Gefühl verlassen. Und auf den Instinkt des Tieres. Herabhängende Äste hackst du kurzerhand mit dem roten Feuerwehrbeil ab.
Der Muli keucht, wie er über die Mittelstation sprintet. Aber groß verschnaufen ist nicht. Ein bisschen Quellwasser im vorbeigaloppieren und ein zwei, drei Disteln vom Wiesensaum. Die Sonne senkt sich unbarmherzig gen Abendland. Stück um Stück.

Und dann, wenn der feuerrote Ball schon bis zur Hüfte im Horizont versunken ist. Dann nimmst du die letzte Steigung und stehst umspühlt vom Höhenwind auf der Spitze von Viertausend Metern.

Geschafft! Den Berg besiegt.

Deine Hand schlägt stolz das Gipfelkreuz ab – und deine Faust landet krachend im Gesicht des debilen Winke-Typen. Paulas Hinterhufe geben ihm den Rest. Die Schlucht, die er hinabfällt ist zu tief, um den Aufprall zu hören. So war es vorbestimmt. Von Anfang an.

Episch gleitet dein Blick über das Zentralmassiv. Die Gipfel brennen, wie die Leidenschaft in deinen Adern, die du ab diesem Tag immerdar fühlen wirst.

Ein einzelner Moment wird kaum dein Leben verändern. Aber alle zusammen in einen Sack gestopft, sind entweder lähmende Last oder lassen dich wie Montgolfier seiner Zeit empor steigen.
Du atmest tief die eisklare Luft der oberen Troposphäre ein und weißt längst: Jeder Moment eine Entscheidung und jede Entscheidung ein Statement. Oder etwas, das eines werden kann – wenn du es nur zulässt.

Montag, März 5th, 2012
Ein Wichser nach alter Väter Sitte

Wenn mein Leben nicht so wild durch die Zeit hin und her springen würde, könnte ich ja noch sagen, wann ungefähr ich Mischa-Sarim Verollet auf der Slambühne im Bochumer “Freibeuter“ zuhören durfte. 2007!? Etwa. Auf jeden Fall trug er damals weder die Hipsterbrille noch die Unterarmtattoos. Was wohl genauso wenig zufällige Gemeinsamkeit sein dürfte, wie unser beider Haarpracht, die gerade asymmetrisch nur über eine Schläfe fällt. Nun, 2012, wir also längst erwachsen und offensichtlich den gleichen gesellschaftlichen Codes folgend, erzählt Mischa in “All des Königs Pferde”, dass uns Krebs nicht besiegen kann, ein Kratzer im SUV aber schon. Eine überaus feine Erzählung mit grandiosen Illustrationen von Markus Freise. Begeistert!

Donnerstag, März 1st, 2012
12 Munchies

Neulich, im Zuge der Hipstersierung Wiens, hat das “12 Munchies” seine kleine Gassenpforte am Aumannplatz eröffnet. Drüben, im 18. Der Laden, so klein und süß wie die Cupcakes, die sie anbieten, besticht durch gemütliches Wohnzimmerambiente. Nein. Eigentlich erinnert er mich an die WG-Küche von Anne und Anna. Damals, im Dortmunder Kreuzviertel. Beides Plätze mit kulinarischer Kuschelatmosphäre. Geschmückt mit lieblichem Kitsch und Tand. Dazu eine Prise Bilderbuchzauber. Eines, wo die Großmutter ihre Enkel zum Essen ruft und wir als kleine Stöpsel schon wussten: Da schmeckt’s!