Gestern vom Februar, 2012

Mittwoch, Februar 22nd, 2012
Karnevalsreigen

Gestern war Faschingsparty bei Jenny. Wie fein. Die Nacht bis zum Morgen und ergo zur Suppenküche dementsprechend kurz. Meine Schreibenergie wurde mit dem Krankenwagen, der in aller Herrgottsfrühe meinen Weg nach Hause kreuzte, zum Wiederbeleben gefahren.

Ende. Aus.

Müde.

Freitag, Februar 17th, 2012
butterschlacht

Gestern wurden in unserer Küche die Schützengräben ins Mehl gezogen. Ein prestigeträchtiger Kampf – erbittert ausgefochten. Nichts geringeres, als die Hegemonialmacht am Backrohr galt es zu erobern. Ich gegen meine Mitbewohnerin. Die Waffen: Baby-Tartes. Sie schickte Orangen mit Pinienkaramell in die Schlacht, ich Apfel auf Mascarpone mit Toffifee-Stückchen.

Zum Schluss hieß es üppige Kalorien auf beiden Seiten zu beklagen.

Ihre Creme hätte etwas fester sein können und der Teig dünner. Dafür war ihre Komposition deutlich eleganter und in Sachen Optik überragte sie mich um Längen. Mein Toffifee hätte UNTER die Apfelstückchen gemusst. Jetzt sieht es aus, als wären Brandreste vom Ofenrost runter auf die Tartes gefallen. Geschmacklich schlug die Apfel-Schoko-Karamell-Kombo allerdings ein, wie eine Fliegerbombe in die Dresdner Frauenkirche.

So oder so: Eine Revanche wird unausweichlich sein. Und bis dahin ziehen wir zwei verwundet – aber ungebrochen – in unsere Hauptquartiere ab. Mit einem Bataillon an sündhaft leckeren Baby-Tartes. Und einigen uns vorerst auf unentschieden.

Dienstag, Februar 14th, 2012
näher dran oder weiter weg?

Zuerst einmal mache ich es wegen der Krankenversicherung. Die wird bei einer Teilzeitstelle nämlich vom Arbeitgeber bezahlt. Und natürlich, um in den Genuss einer regelmäßigen Einnahmequelle zu kommen – was momentan im Büro nicht der Fall ist. Von meinem neuen Job in der Suppenküche rede ich. Jeden Werktag von 8 bis 12 Uhr. Manchmal sogar noch früher. Ich sage Suppenküche, meine aber eigentlich ein kleines Gassenlokal im Zweiten Bezirk, das Suppen, Eintöpfe oder Currys als Mittagsmahl an Berufstätige ausschöpft. Also nichts karitatives, auch wenn es so klingt. Spaß macht es durchaus, muss aber in der Gesamtwertung trotzdem ein paar Punkte liegen lassen.

Vom Guten gibt’s dennoch reichlich. In aller Herrgottsfrüh’ über die Kanalbrücke rein in den Tag zu laufen und am anderen Ufer geht die Sonne hinter einer Dachkerbe auf, hat schon was Erbauendes. Das Feinste aber ist: Um 12 Uhr ist Schicht im Topf und man kann die Schöpfkelle fallen lassen. Ab nach Hause dann und direkt an die Tasten zum Schreiben. Man fühlt sich so produktiv dabei und das gute Gewissen ist um Zwei nach Zwölf schon so knüppelsatt wie eine Feldkompanie nach Eisatz der Gulaschkanone.

Zwar driftet mir der Job doch zu sehr vom Grafischen weg, also dem, was man gelernt hat und eigentlich tun sollte – ist aber ein ganz famoses Reinschnuppern für später einmal.

Denn so, so in etwa stelle ich mir das in fünf bis zehn Jahren vor. Mit irgendeinem netten Menschen ein kleines Café führen. Ich nur als Küchensupport, der zusätzlich noch Design, Werbung und Rezepte beisteuert. Während der oder die Andere sich um Buchhaltung und Gäste kümmert. Und in den zweiten 50% meiner Arbeitszeit vermenge ich Sätze zu schmackhaften Büchern. Jouph.

Mittwoch, Februar 8th, 2012
inka-cracker

Da ich zwar ein großer Fan von Cookies bin, mir aber die Zucker- und Butterdichte dieser amerikanischen Krümelleckereien schon immer suspekt war, habe ich etwas total neues erfunden: einen Amaranthkeks. Zumindest diesen einen speziellen Amaranthkeks. Meinen. Amaranth ist ein Pseudogetreide aus den Tiefen Brasiliens und weiß selber nicht, wie es geschrieben wird. Entweder mit “th” am Schluss oder nur mit “t”. Die Suchmaschinen-Meinungen gehen auseinander. Hierzulande wird es vor allen in gepuffter Form an den Kunden gebracht, was meine Kekse so schön lockerleicht und bekömmlich macht. Das Feedback war bisher einhellige Begeisterung. Die, aus meinen eigenen Hirnwindungen gemolkene Rezeptur beinhaltet bis jetzt zwei Geschmacksrichtungen: Vanillemandel, bzw. Limette & Cashew. Weitere hocharomatische und mit sicherer Hand kombinierte Sorten sowie eine designaward-verdächtige Verpackung werden folgen.

Freitag, Februar 3rd, 2012
wien steht still

Schnee liegt keiner. Alle Fenster sind frei von Eisblumen, die Windschutzscheiben nicht einmal mit Raureif bedeckt. Die grelle Sonne klafft als weiße Wunde vom Himmel. Es gibt keine sichtbaren Beweise, bis auf den Atem vor unseren Augen.
Wir hören unsere Körper schreien über jede Sekunde, die wir draussen verbringen. Aber sehen, sehen können wir nichts. Denn die beißende Kälte dieser Tage ist ein Schatten hinter unserem Rücken. Geworfen vom eisigen Licht, das wie eine Verhörlampe in unseren Augen brennt.
Wo warst du, als alle Welt dachte, der Winter hält für dieses Jahr die Füße still? Denn jetzt, so spüren wir, trampelt er mit voller Wucht einem im Gesicht herum.

Es ist der Tod, der dieser Tage durch die Gassen zieht. Der seine Kraft aus der Körperwärme der Lebenden zieht. Er ist auf Raubzug aus.

Kaum geht man auf der Straße spürt man seine Finger im Schraubstock des Februars eingespannt. Das Gesicht ist wie durch Botox gelähmt. Wir bewegen uns schwerfällig. Schritt für Schritt – mit Schultern bis zu den rotgefrorenen Ohrmuscheln hochgezogen. Die Erde dreht sich in den Wintermonaten langsamer. Wir Menschen passen sich dem nur an.

Die erbarmungslose Kälte schluckt allen Tatendrang, Enthusiasmus und Bewegung. Wien steht still. Hier passiert gerade gar nichts.
»Der Rubikon ist überschritten!«, möchte man in den eisigen Gegenwind rufen. Doch die Gesichtsmuskeln sind von -15° Celsius immer noch völlig narkotisiert.