Freundschaft beendet

Freitag, 13. Januar
Kommentare deaktiviert für Freundschaft beendet

Früher, also noch bevor es Mobiltelefone gab, hat man sich einfach nicht mehr angerufen. Das galt als offizielles Zeichen, dass die Freundschaft beendet war. Bei den kastigen Tastentelefonen konnte man nicht einmal eine Nummer einspeichern, geschweige denn wieder rauslöschen, wenn der dicke Michi plötzlich eine doofe Kackbratze wurde, mit der man nie wieder spielen wollte. Und zu Zeiten des Wählscheibenfernsprechapparates war man ganz froh, dass man nicht zu viele soziale Kontakte hatte, die man dauernd anrufen musste. Aber seit Herr Zuckerberg seine globale Freundschafts-Community gegründet hat, schließen wir sofort jede flüchtige Partybekanntschaft in unser digitales Netzwerkherz.
Prinzipiell ist dagegen ja auch nichts einzuwenden. Wer weiß, auf welcher WG-Feier man sich wieder stockbesoffen in den Armen liegt. Oder – im Falle ehemaliger Studienkommilitonen, mit denen man in den Seminaren kaum ein Wort wechselte – ob der Kontakt beruflich nicht irgendwann Vorteile bringt. Stille Mitläufer sind die Unterfütterung für die wirklich guten Freunde. Aber was ist, wenn in der echten Welt da draussen mal ein Kontakt misslingt?
Wenn die zart geknüpfte Bande, plötzlich wie eine aus dem fünften Stock geworfene Wassermelone auseinander platzt? Vor allen, wenn Alkohol und schwummeriger Körperkontakt im Spiel ist. Das Ganze aber irgendwie doch nicht dem ihm zugedachten Weg geht. Und als Produkt unserer Wegwerfgesellschaft ohne Nachhaltigkeitsplan auskommen muss. Oder wir einfach sehr viel schneller merken, dass der dicke Michi nun mal schlicht und ergreifend eine asoziale Kackbratze mit Ego-Störung IST. Punkt.
Sollte man dann ein paar Anstands-Wochen einplanen oder gleich beim nächsten Login den Delete-Button drücken? Oder muss man gar bis zum Tag an dem das Internet übers flache Ende der Welt fällt mit seinem sozialen Fehltritt leben? Immerhin beschleicht einem das Gefühl, dass bei manchen ganze Ehen schneller geschieden werden, als die mühsam erheuchelte Freundesliste zu entrümpeln.
Ich für meinen Teil habe mich schon mal ein oder zwei Kontakten entledigt. Weitere können durchaus folgen. Denn wenn man sich in der echten Welt lieber aus dem Weg geht, muss man im Social Media-Universum ja auch nicht an jedem Gefühlsfurz der Person teilhaben.