Gestern vom Januar, 2012

Samstag, Januar 28th, 2012
bauchfrei (fast)

Wer mich schon ein Weilchen kennt weiß, dass ich in regelmäßigen Abständen von zwei Wochen über meinen Bauch lamentiere. Genauer gesagt, über dieses penetrante Speckröllchen, dass sich frech um meinen Nabel ringelt und von meinem dezenten Waschbrettbauch ablenkt. Diese kleine Ansammlung von Fettzellen klebt hartnäckiger über dem Hosenbund, als Christian Wulff auf seinem Präsidententhron. Unpackbar! Jetzt, nach der Weihnachtsvöllerei habe ich mal den kulinarischen Kasernenhofton angeschlagen und jegliche Getreideprodukte, Zucker und Fette über 10 % von der Speisekarte radiert. Paprika und Zucchini aber auch – weil sie gegen mein Prinzip “Regionale Produkte der Saison” verstoßen. Kurz: ich habe mich 4 Wochen hauptsächlich von Naturjoghurt, Rote-Beete-Salat und Linsensuppe ernährt.

Gefühlt habe ich gar nichts gegessen und bin dieser Tage zu der Erkenntnis gekommen, dass Yogis, die sich nur von Luft und Wasser ernähren, keine esoterische Fabelwesen sind. Ich könnte auch so einer werden.

Will ich aber nicht! Denn neben dem angenehmen Effekt, 2,5 Kilo auf den eiskalten Straßen des Januars gelassen zu haben, fand ich zur ernährungsphilosophischen Erleuchtung: Das, was mir wirklich gefehlt hat während der Zeit des Verzichtes. Schokolade war es jedenfalls nicht. McDonalds oder Bratwurst genauso wenig. Brot war es. Richtig. Gutes. Frisches. Bio. Brot.

1. Januar

28. Januar

Donnerstag, Januar 26th, 2012
7.am

Entgegen aller meiner Gewohnheiten bin ich heute mal um 6 Uhr morgens aufgestanden. Ohne einen direkten Anlass oder Eile. Gefrühstückt, die Schuhe gebunden und raus in die wegbrechende Dunkelheit. Weil man sowas ja nie macht; weil man ja immer seinen festen Tagesrhythmus hat. Um die Uhrzeit, da draussen, folgen die Menschen mechanisch ihrem inneren Antrieb. Hin zur Arbeit, wie immer. Dabei sehen sie gleichsam ferngesteuert und ziellos aus. Als hätten sie noch gar nicht begriffen, dass der neue Tag mit all seinen Mühseligkeiten längst begonnen hat. Sie schlummern halb und träumen noch. Ebenso der Müllmann im 1. Bezirk – vor der Auslage eines prunkvollen Uhrengeschäfts. Sein Blick gilt einem Chronographen für 20.000 Euro. So steht er da, mit seiner hellen Neon-Uniform um düstere 7 Uhr morgens. Luftschlösser bauend. Wie eine Kerzenflamme, die sich vornimmt einen ganzen Stadtteil ausleuchten zu wollen.

Freitag, Januar 20th, 2012
innenleben

In den 80ern gab es ein herrliches Jugendbuch: “Das Intimleben des Adrian Mole, 13 3/4 Jahre”. Geschrieben als fiktives Tagebuch. Auf der Insel längst ein Klassiker. Heute schreibt man kein Tagebuch mehr, sondern postet sein Intimleben in regelmäßigen Abständen auf Facebook. Trotz allen oberflächlichen Belanglosigkeiten wahren die meisten User dabei eine gewisse Grenze. Zumindest im Umfeld, in dem ich mich bewege. Aber dann kommt ein Bekannter daher, dessen mediale Offenheit im krassen Gegensatz zu seiner sozialen Verschlossenheit im realen Leben steht. Ein psychotischer Auswuchs eines Adrian Mole. Und damit wird es beängstigend interessant.

Besagter Bekannter – ein etwas skurriler Zeitgenosse, dem ich, wäre mein Arschlochfaktor ausgeprägter, gar keine Beachtung schenken würde – etabliert schon in seinem Facebook-Nick einen kafkaesken Verliererstatus. Und dann geht es 6 Monate und 35.000 Wörter um Ängste, Blockaden, Frauen, sexuelles Verlangen, Singlebörsen, männliche Jungfräulichkeit, eine Menge Musik und The Big Bang Theory. Als reiner Monolog. Ohne Kommentare oder dergleichen. Wenn er in den vermeintlichen Dialog tritt, dann immer mit einer ganz bestimmten Dame, die er auch namentlich anspricht. Seiner ominösen großen Liebe. Antworten tut sie freilich nie. Daher kommt man beim besten Willen nicht drumherum der ganzen Schreibe eine latente Schizophrenie zu attestieren. Aber womöglich trifft das auf 68 % aller Statusmeldungen zu. Jedenfalls ist sein komplettes Gefühlschaos offen für jedermann einsehbar. Facebook-Freunde sind wir keine.

Meine Urteil darüber ist pure Faszination. Diese Geisterbahnfahrt durch ein emotionales Innenleben voller Widersprüche ist Spannungslektüre vom Feinsten. All das voyeuristische Stöbern in den Kellern und Kerkern eines fremden Gefühlslebens. Verzerrte Fratzen aus Alltagsbegegnungen. Krüppel hilfloser Seelen. Kein fiktives Tagebuch vermag das. Auch nicht das eines Adrian Mole, 13 3/4 Jahre alt. Aber das ist lustiger.

Denn der Spaß hört spätestens dann auf, wenn man dem Menschen das nächste mal wieder begegnet. Wie soll man sich da verhalten? Noch unlustiger, wenn eine Stelle des digitalen Therapie-Tagebuchs gar von mir handelt.

Letztlich könnte das aber ein perfektes Buchprojekt werden. Ein typografisches Experimentalwerk. Womit sich auch der Kreis zum britischen Bestseller schließt. Ich denke darüber nach. Und bis dahin poste ich hier nur noch Bilder von Blumen oder schreibe über das Wetter.

Freitag, Januar 13th, 2012
Freundschaft beendet

Früher, also noch bevor es Mobiltelefone gab, hat man sich einfach nicht mehr angerufen. Das galt als offizielles Zeichen, dass die Freundschaft beendet war. Bei den kastigen Tastentelefonen konnte man nicht einmal eine Nummer einspeichern, geschweige denn wieder rauslöschen, wenn der dicke Michi plötzlich eine doofe Kackbratze wurde, mit der man nie wieder spielen wollte. Und zu Zeiten des Wählscheibenfernsprechapparates war man ganz froh, dass man nicht zu viele soziale Kontakte hatte, die man dauernd anrufen musste. Aber seit Herr Zuckerberg seine globale Freundschafts-Community gegründet hat, schließen wir sofort jede flüchtige Partybekanntschaft in unser digitales Netzwerkherz.
Prinzipiell ist dagegen ja auch nichts einzuwenden. Wer weiß, auf welcher WG-Feier man sich wieder stockbesoffen in den Armen liegt. Oder – im Falle ehemaliger Studienkommilitonen, mit denen man in den Seminaren kaum ein Wort wechselte – ob der Kontakt beruflich nicht irgendwann Vorteile bringt. Stille Mitläufer sind die Unterfütterung für die wirklich guten Freunde. Aber was ist, wenn in der echten Welt da draussen mal ein Kontakt misslingt?
Wenn die zart geknüpfte Bande, plötzlich wie eine aus dem fünften Stock geworfene Wassermelone auseinander platzt? Vor allen, wenn Alkohol und schwummeriger Körperkontakt im Spiel ist. Das Ganze aber irgendwie doch nicht dem ihm zugedachten Weg geht. Und als Produkt unserer Wegwerfgesellschaft ohne Nachhaltigkeitsplan auskommen muss. Oder wir einfach sehr viel schneller merken, dass der dicke Michi nun mal schlicht und ergreifend eine asoziale Kackbratze mit Ego-Störung IST. Punkt.
Sollte man dann ein paar Anstands-Wochen einplanen oder gleich beim nächsten Login den Delete-Button drücken? Oder muss man gar bis zum Tag an dem das Internet übers flache Ende der Welt fällt mit seinem sozialen Fehltritt leben? Immerhin beschleicht einem das Gefühl, dass bei manchen ganze Ehen schneller geschieden werden, als die mühsam erheuchelte Freundesliste zu entrümpeln.
Ich für meinen Teil habe mich schon mal ein oder zwei Kontakten entledigt. Weitere können durchaus folgen. Denn wenn man sich in der echten Welt lieber aus dem Weg geht, muss man im Social Media-Universum ja auch nicht an jedem Gefühlsfurz der Person teilhaben.

Samstag, Januar 7th, 2012
rieke

Konzeptloses Nouvelle Vague oder die Entscheidung meine NIKON D70 in die überfällige Rente zu schicken.

Montag, Januar 2nd, 2012
jahreswechsel

Mein persönlicher Rückblick auf 2011 ist wohlwollend. Die Erwartungen an 2012 hoch gesteckt. Leicht werden die kommenden 366 Tage sicher nicht. Grund also genug, den Jahreswechsel gebührend zu feiern. Was auch bestens geklappt hat – bis auf eine unvorhergesehen aufgetauchte Kleinigkeit. Also: Ärmel hochkrempeln, den drohenden Weltuntergang bei Seite schippen und sich nicht durch jedes Kinkerlitzchen vom Weg abbringen lassen.

Frohes Neues 2012!!!