Donnerstag, Dezember 8th, 2011 um 11:06 Uhr
Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre.

Dann müsste ich nur kurz mit dem Finger nach rechts wischen und die Rollläden wären oben.

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, dann hätte ich als Hintergrundbild auch mal einen Sandstrand oder ein Blick aufs Empire State Building.

Dann könnte ich einfach die Zeitzonen ändern und es wäre – wann ich will – morgens oder abends oder Zeit für die lang ersehnte Verabredung. Und mit einem Klick hätte ich die Wetterprognose von Dubai in meiner Straße.

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, könnte ich bei Regen mit meinem Finger die Regentropfen hin und her verschieben, der Länge nach ordnen oder von unten nach oben rinnen lassen.

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, dann wären die gegenüberliegenden Fenster alle Apps, die ich öffnen könnte und schauen, was sich dahinter verbirgt. Endlich mal sehen, wer da so wohnt und wie da so gewohnt wird. Im Umkehrschluss könnte ich mir im AppStore neue Apps kaufen – und somit auch neue Nachbarn. Vielleicht solche, die sich nur bei offenen Gardinen umziehen oder mit wilder Gestik ständig über Nichtigkeiten streiten. Keine schlechte Investition für 1.79€, oder?

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, müsste ich nur zwei Einstellungen ändern und hätte einen total geilen Vintage-Look. Totale Schlaghose. Auf dem Bürgersteig würden Jungs mit nem Bonanza-Rad rumfahren und Privatfernsehen gäb’ es auch noch keines. (Tja, Frauentausch hieß in den 70ern noch was anderes).

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, dann könnte ich mit den Tauben auf dem Dachfirst ANGRY BIRDS spielen.

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, dann könnte ich diesem nervigen Autoalarm, der versehentlich angegangen ist, einen lustigen Klingelton verpassen.

In the jungle, the mighty jungle, the lion sleeps tonight.

Das würde mich zwar auch bald nerven, aber immerhin käme endlich mal mein Jamba-Spar-Abo wieder zum Einsatz. (Liegt ungenutzt seit 2004 herum).

Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre, müsste ich nur mit den Fingerspitzen gegen die Scheibe tippen und könnte so den Passanten auf der Straße Nachrichten schreiben. Der Runzeloma mit Rehpinscher beispielsweise, dass sie endlich mal ans Sackerl fürs Kackerl denken soll. Oder die unbekannte Schöne in Rock und Stiefeln fragen, weshalb sie immer so verträumt durch ihr Leben geht. Da wir es doch sind, die wegen ihr ins Träumen geraten.

Aber das Beste wäre, sollte mein Fenster ein Touchscreen sein, ich könnte dann allen mürrischen Menschen auf der Straße einen Smiley ins Gesicht zaubern.

Und dafür würde sich auch lohnen, dass ich mein Fenster alle drei Tage ans Stromnetz zum Akku aufladen hängen müsste.

Ein Kommentar für “Wenn mein Fenster ein Touchscreen wäre”
  1. Catharina sagt:

    schön! =)