no christmas carol 2

Die Nacht lehnte an jeder Ecke der Stadt und versuchte listig uns zu einem Spielchen zu bewegen. Der Einsatz schien niedrig, ein möglicher Verlust hinnehmbar. Dennoch – ich ließ mich zunächst von den Hütchenspieler-Tricks nicht beeindrucken und die vier Mädels alleine in einen dunklen Keller-Club abdriften. Die vier Kolleginnen, die von der offiziellen Weihnachtsfeier des Riesenrad-Fotoshops noch übrig geblieben waren. Alle anderen hatten der Nacht mit ihren Verlockungen längst den Rücken gekehrt und waren ins Bett enteilt. Wir fünf aber zogen noch weiter. Zum besagten Club, dessen Eintritt ich verweigerte. Da eine der vier Damen zwar der Trumpf meines goldenen Herbstes, nun aber keine Karte mehr im Blatt auf meiner Hand war. Den Stich würde diese Nacht ein anderer holen. Ich blieb also außen vor. Was sollte ich spielen, wo es nichts zu gewinnen gab.

Doch der Hunger nach Glück und Sieg klebte mir weiter am Gaumen. So waren die zwei fremden Burschen, die ebenfalls mit ungestillter Lust aus eben diesem Club getorkelt kamen, mein willkommener Einsatz. Die Kugel rollte wieder.

Und auf dem breiten Pflaster des Grabens hatten die Christbaumverkäufer ihre Ware frisch aufgebaut:

Ich ging mit. Wohin auch immer den Weg uns bringen würde. Setzte kleine Beträge und überließ den hohen Einsatz den beiden Burschen. Einer erklomm im Feuer der Nacht eine Tanne. Zerrte und drängte bis der Stamm brach. Seine Siegerrunde führte ihn mitsamt nadelnder Trophäe an den Schaufenstern der Luxusboutiquen vorbei. Bis die Polizei mit Blaulicht angefahren kam. Und wir aufdecken mussten. Ich war fein raus. Kannte weder die Jungs näher noch hatte ich juristisch gesehen irgendeinen Fehltritt begangen. Das Corpus Delicti wäre ohnehin keines Maßes wirklich wert. Dennoch: Die Polizei hatte nun erstmals meine Personalien aufgenommen. Und wer weiß, wann dann nächste Spiel lockt.

1 Comment

  • Crini
    6 Jahren ago

    ohohoh… bei der Polizei aufgenommen… Jetzt geht es Berg ab 😀