Gestern vom November, 2011

Samstag, November 26th, 2011
Bilderbox

Der Comic-Dealer meines Vertrauens ist zweifellos die ,BILDERBOX‘, ein schnieker Laden in der Kirchengasse. Im frischen weiß-blauen-CI stehen dort neben den Klassikern á la Tim & Struppi eine gut sortierte Auswahl moderner Graphic Novels zum Verkauf. Zudem finden sich auch wunderbare Bildbände über Streetart und die nötigen Materialien, um in den Wiener Gassen seinem Banksy-Vorbild nachzueifern, gleich mit. Da mein persönlicher Intrest in gezeichneten Geschichten weit abgeschlagen hinter Romanen, Koch- und Backutensilien, Klamotten und Kino rangiert, bin ich eigentlich ein sehr schlechter Kunde. Aber weil der Laden so schön und absolut kompetent geführt ist, schaue ich von Zeit zu Zeit gerne mal vorbei. Und gelegentlich leiste ich mir dann eine der Bildergeschichten. Wie gestern: ,Jetzt kommt später‘ von Kati Rickenbach. Coming of Age im krakeligen schwarz-weiß.

Freitag, November 25th, 2011
o du fröhliche

Der Wiener Christkindlmarkt hat wieder seine Standl eröffnet und ich bin mittendrin. Mir stehen also sieben kalte Wochen bevor, in denen ich Rathausteller oder Klimtschirme an souvenirhungrige Touristen verschachere. Nicht weniges davon in mühsamer Arbeit selbst entworfen. Zur Belustigung kann ich Christbaum-Spieluhren aufziehen und Stephansdom-Schneekugeln schütteln. Im Gegensatz zum letzten Jahr hoffe ich aber, dass der Schnee im Glas bleibt und nicht tatsächlich über die Stadt einbricht. Denn gegen kalte Zehen helfen nicht mal die gesäßwarmen Geldscheine der kaufwilligen Kundschaft.

Sonntag, November 20th, 2011
alte gäule

Richtig bewusst wurde es mir erst letzten Dienstag: Wir waren nur noch zu dritt. Drei alte Gäule inmitten einer Herde junger Fohlen – auf der grünen Spielwiese der offenen STUTHE-Gruppe “Flex-Impro”. Dort, wo jeder der möchte vorbeischauen kann und ich den Großteil meines Wiener Freundeskreises etabliert habe.

Da saßen wir also, spielten unsere Szenen größtenteils zu dritt untereinander, dominierten auch, aber waren außen vor. Das neue Semester hatte die nächste Generation von Theaterwilligen auf die Bühne geschüttet und uns an den Rand gespült. Es mag meinem persönlichen Flirtereien abträglich sein, dass es hauptsächlich männliche Artgenossen sind, aber so richtig Zugang findet keiner von uns zu den Neulingen.

Sie sind zu jung. Zu frisch. Die großen Geschichten, die wir miteinander erlebt haben fanden ohne sie statt: Der vorletzte Sommer mit den beiden Franzosen. Die Party in Niederösterreich. All die ganzen “Weißt-du-noch”s, die uns greise Mähren im Impro-Stall verbinden.

Die Neuen werden also selber Telefonnummern untereinander austauschen. Sich erstmalig außerhalb der Impro zum Fortgehen verabreden. Freundschaften schließen. Und jeden Neuling interessiert begutachten – vor allen, wenn dessen Anziehung vom ersten Moment an elektrisierend ist.

Kurz: Sie werden ihre eigenen Dramen erleben und eigene Dramen auslösen. Während uns nur die Rollen der Leittiere bleiben, die ansonsten auf einer ganz anderen Koppel weiden. In der “Fix-Impro” nämlich. Donnerstags, im kleinen Kreis. So was für Fortgeschrittene. Oder besser: Initiierte. Da bin ich nämlich seit diesem Semester.

Wir zählen ein. 5,4,3,2,1 und los!

Mittwoch, November 16th, 2011
oh meine affenbrüder

Macht euch bereit für ein kleines bisschen Primaten-Brutale.

Sonntag, November 13th, 2011
autumnus aurum

Ich lag mit meiner Einschätzung richtig: Der Herbst war golden. Jedes einzelne Blatt, jeder Stein; all die Euphorie, die Erlebnisse, die Berührungen – überzogen mit einem hauchdünnen Film aus 24-karätigem Gold. Auric Goldfinger im Dienst von Bezirk Acht.

Zum Herbst bauten sich die Spatzen ein Nest aus Dreadlocks und über mein Parkett huschte eine grüne Eidechse. Ihre Bisse sah man zwei Wochen auf meiner Haut. Gezeichnet vom Guerillakampf gegen Tütensuppen!

Freitag, November 4th, 2011
Mondgeflüster

Für ein STUTHE-Projekt, bei dem ich anfänglich involvierter war als zum jetzigen Zeitpunkt, habe ich das Plakat gebastelt. Das Konzept ist auch von mir. Also, für alle die in Wien wohnen und Opernmusik mögen: 3. Dezember, 20 Uhr!

Dienstag, November 1st, 2011
grusel-chaos

Viel ist nicht mehr hängen geblieben von der gestrigen “HalloWien”-Party. Ein paar kalte Grimassen, eine sonderbare tote Person – weiblich – die gerne Momo sein würde und ein Marmorkuchen. Letzterer geschmacklich so blass wie unsere geschminkten Gesichter.

Die Erinnerungslücken lagen vor allen daran, dass ich im Kostümierungschaos meine Digi-Knipse nicht fand. Weder sie noch irgendein Notizbuch. Nicht mal den Gedanken mir auf einem abgerissenen Zettel ein paar Eindrücke aufzukritzeln – später auf der Party dann. Nur die Frage, ob nicht lieber ich mit der Bekannten küssen wollte, anstelle des Fremden, mit dem sie gerade tatsächlich rummachte?

Irgendwann einmal anders hieß die Antwort.

Das mit den Notizbüchern habe ich hingegen sofort geändert. Auf meinem Küchenkästchen in meinem Zimmer liegen jetzt alle wichtigen Utensilien beisammen. Analog wie digital. Die Schreiberling-Survival-Sammlung quasi. Wie die Knarre, Marke und Handschellen des streitbaren Hollywood-Cops. Jederzeit bereit für den ganz großen Showdown. Bäng. Bäng.