Gestern vom August, 2011

Mittwoch, August 31st, 2011
hamburg

Freitag, August 26th, 2011
pinke weste

Mein liebster Hipster-Blog hat gerade einen Aufruf zum Einsenden persönlicher Styles am Start. Und ich mach einfach mal mit. Mit meinem liebsten Stück von allen: Der dekadenten Brokat-Weste eines extravaganten Wiener Schneidermeisters. Herbert Rieger. Hatte ich mir nach meiner Agenturzeit gegönnt.

Mal schauen, ob die mich posten.

Das Poserfoto ist leider noch ohne meine neue Brille, die ich hoffentlich bald mein Eigen nennen kann.

 

Dienstag, August 23rd, 2011
geh scheissen!

Dieser kurze und prägnante Ausruf ist eine wienerische Aufforderung doch bitte einen in Ruhe zu lassen. Denn zum Einen ist diese Person dann anderweitig beschäftigt und kann einem nicht mehr auf den Zeiger gehen. Und zum Anderen wird sich diese Person erinnern, dass sie es auf dem stillen Örtchen genauso mag – frei von jeder Belästigung sein, nämlich.

So oder so ist diese, etwas sehr direkte, Floskel, ein weiterer Baustein in meinem Satzkasten der deutschen Sprache. Und es wird allerhöchste Eisenbahn mal die ein oder anderen Fundstücke vorzustellen.

Zum einen gibt es Worte, die so sind wie Fussballmannschaften: Jeder behauptet zwar, man sei am Besten, aber irgendwie sind doch alle gleich. Ob man jetzt Pfannkuchen oder Palatschinken sagt, ist letztlich nur gequirlte Eierspeise. Das Gleiche gilt für Semmeln, Weckerl, Brötchen und Schrippen.

Dann gibt es Wörter, bei denen man ganz froh ist, sie nicht als Erstklässler mühsam hat schreiben lernen müssen. Karfiol beispielsweise. Oder Kukuruz. Sind übrigens Blumenkohl und Mais. Für alle die, die eine Grundschule und nicht die Volksschule besuchten.

(Nur nebenbei: Der Österreicher beginnt im Gymnasium wieder bei Klasse 1. Dadurch hat so ein Wiener Pupertätskind seine ersten sexuellen Erfahrungen in der dritten Klasse. Ein Umstand, der bei Erzählungen irrsinnig verwirrend sein kann.)

Ein paar Wörter sind irgendwie so Fifty-Fifty-Dinger. Melanzani sind Auberginen. Nur das sie nicht aus Frankreich zu kommen scheinen, sondern aus Italien. Beide Wörter haben aber ihren ganz eigenen Reiz. Genauso sieht es bei der Marille aus, zu der oberhalb des Main alle Aprikose sagen.

Paradeiser sterben dagegen immer mehr aus. Eigentlich ein schöner Begriff, doch mittlerweile steht in jedem Supermarkt Tomate angeschrieben. Bei den Erdäpfeln ist das noch anders. Allerdings wird sich der Österreicher eher in die Schlucht stürzen, als Kartoffel zu sagen.

Und dann gibt es noch die Perlen, die einen reich machen – den eigenen Sprachschatz erweitern. Juwel um Juwel: sudern! Bedeutet jammern, aber in sudern kommt das Wort Sud vor. Das klingt schon nach “Im Dreck wälzen”. Auch wenn es nur der eigene emotionale Mist ist. Oder schiachhässlich. Beim deutschen Pendant muss man noch die Vorsilbe pott- dransetzen, damit es richtig herablassen wird. Ist im Österreichischen nicht nötig. Ähnliches gilt für grindig. Da ist Grind drinnen. Das ist viel übler als einfach nur schmutzig oder heruntergekommen. Und natürlich die Stiege! Die Stiege ist alt, aus Holz. Knarzt bei jedem Schritt, wurde schon dreimal übermalt und kann in mystische Abenteuer führen. Die Treppe ist klar, sauber und nach allen Regeln der bürokratischen DIN-Norm-Kunst zwischen Keller und Dachboden verteilt. wuzzeln hingegen heißt weitaus mehr als nur lapidar drehen. Man kann seine Zigaretten wuzzeln, so manche Mehlspeise mag gewuzzelt werden. Oder es meint gar Tischfussballspielen.

Und wenn wir schon bei Zigarette sind: Da gibt es ja noch die Tschick! Kein Wort im hochdeutschen vermag die Coolness, die Lässigkeit, das Understatement einer Zigarette im Mundwinkel zu vermitteln, wie das österreichische Tschick. Kippe hat den Lungenkrebs schon inklusive, Fluppe kann sich selber nicht ernst nehmen und Glimmstengel will ganz hartgekocht sein – ist in Wirklichkeit aber genauso gefährlich wie eine angezündete Kaugummi-Zigarette. Doch mit ner Tschick – ja, mit ner Tschick weißt du, warum du mit dem Rauchen angefangen hast.

Ganz zum Schluss, als eine Art Edel-Klunker auf dem Juwelen-Collier, gibt es eine Redensart! Ohne die kommt man in Wien keine drei Tage über die Runden. Die ist essentiell. Das geht sich aus! Respektive: Das geht sich nicht aus! Beides ist universell einsetzbar. Das schaffe ich zeitlich nicht. Das ist zu eng. Das ist zu schwer. Das klappt. Das klappt nicht. Das schaffe ich mit links. Das kann ich locker. Die 55cm breite Waschmaschine geht ganz bestimmt durch die 57 cm schmale Fahrstuhltür. Zuerst zu dir nach Hause und die Sachen holen und danach zu mir und mit kochen anfangen könnte knapp werden. Mit Bumms und Fallera in ein anderes Land einmarschieren und dort alle unterdrücken oder in Lager sperren dürfte keine große Herausforderung für unsere multipotente Hauruck-Armee sein. Passt.

Und verlange in einem Geschäft nie nach einer Tüte! Das heißt Sackerl, du vollkommen denk-limitierter Piefke mit schnödem Abitur in der Tasche. Kann ja nicht jeder so eine schöne Matura haben. Ach, geh’ scheißen du Kartoffelfresse!

Sonntag, August 14th, 2011
deutschlandreise

Urlaub: Zuerst stand PRAG. Doch dann gab es einen Sinneswandel. – Nicht bei mir, aber ich musste darauf reagieren. Also Kurswechsel und neue Route eingeben. WIEN – BERLIN – HAMBURG – FRANKFURT – WIEN. Alles innerhalb einer Woche. Alles per Mitfahrgelegenheit. Aber nicht immer alles ganz freiwillig.

Und zwischen den folgenden Fotos gab es: Jägerinnen, Künstlerinnen, Autobahn, Tageskarte, Liebling, Vermissen, Ablehnen, Fleet, Umarmung, Enttäuschung, Entdecken, Admiralsbrücke, Absage, Sehnsucht, Ungeheuer, Geburtstag, Kreuzberg, Hipstersafari, Fremde, Mutterland, Gewürze, Heimat, Irren. Erkenntnis.

Unterm Strich, so alles in allem, war die Reise also perfekt. Ein Start mit offenem Ende, unvorhersehbaren Wendungen und einem genialen Timing. Ein Deutschlandsommer im August.

Sonntag, August 7th, 2011
tonhauben

Das, was ein wenig wie ein lustiger Hut aussieht, ist in Wirklichkeit aus Ton und zum Kochen. Genauer: Eine Tajine aus Marokko. Von der Mechanik her eine Mischung aus Wok und Römertopf. Wer es authentisch mag, isst direkt aus dem Gefäß. Auf jeden Fall wirkt es sehr gesellig und ist zudem ein schönes Küchenspielzeug. Sprich: Zwei unschlagbare Gründe, um es nun mein Eigen nennen zu können.