Halbzeit

Samstag, 16. Juli
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In der amerikanischen Medienlandschaft gibt es den etablierten Begriff ,Jump the Shark‘. Er bezeichnet den exakten Punkt einer beliebigen TV-Serie mit dem sie ihren Zenit überschreitet – ab da hat sie ihre beste Zeit hinter sich. Meist wenn zusätzliche Figuren integriert werden, irgendein dramaturgischer Klimax nicht mehr zu toppen ist oder irgendwer stirbt oder so. Mein persönlicher Simpsons-Shark ist nebenbei bemerkt die New York-Episode. Alles danach war nur noch Zeichentrick.

Auf jeden Fall fühlt sich dieser Tage mein Leben in Wien so an, als ob irgendwer oder was in der Donau gerade über den Hai springt. Aber im Gegensatz zum Begriffsursprung muss das gar nicht negativ interpretiert werden. Es ist nicht so, dass jetzt alles bergab geht und schlecht wird. Nein, vieles wird auch einer Schlittenfahrt gleichen: Nach einem kräftezehrenden Aufstieg kann man jetzt endlich die wilde Abfahrt genießen. Jucheee!!

Aber ich weiß, dass ich nur noch höchstens zwei Jahre hier sein werde. Hier sein möchte. Also Halbzeit – Richtfest feiern!

Der größte Teil der Stadt gilt als erobert, der Freundeskreis ist etabliert und wird sich in seiner Basis nur noch marginal ändern. Auch wenn mich Wien noch begeistert – der Reiz des Neuen ist freilich verblasst. Aus dem Entdecken wird Routine. Eine Sättigung setzt ein, ganz gleich, wie hungrig man im Inneren noch ist.

Vielleicht muss man aber die Stadt noch ein zweites Mal erobern. Kalkulierter. Frecher. Einfach ein, zwei Hautschichten tiefer eindringen. Dorthin, wo man noch stärker den Puls pochen hört. So tief wie man sich traut, um letztlich hoch über die Dächer katapultiert zu werden und im Gleitflug über sein Reich zu schweben. So was halt.

Eine schöne Aufgabe für die nächsten zwei Jahre. Für mich und den Hai.