Gestern vom Juli, 2011

Mittwoch, Juli 27th, 2011
Süssi

Seit Anfang an vorgenommen und doch nie umgesetzt: Die Hot-Spots von Wien vorstellen! Jetzt aber. Zumindest ein Anfang. Und vielleicht ja auch einigermaßen regelmäßig fortführend.

Letzten Sonntag war ich bei Regen und verfrühtem Herbstwetter im ,Süssi‘ – einer qietschnostalgischen Wohlfühlstube für das biedermeier-bewusste Kaffeekränzchenherz. Im ,Salon de Thè Français‘ – wie das ,Süssi‘ gleichwohl auch heißt – geizt man weder mit Zucker im Kuchen, noch mit Kitsch im Interieur. Hier, so scheint es, gibt es von allem einen Schuss Extra: Vom Plüsch, von Rüschen und vom Weinbrand. Letzteren findet der Gast in den Tartes und Törtchen, die in jeglichen Größen und Belagvariationen im Schaufenster drapiert sind. Aber all das macht das wohnzimmergroße Kaffeehaus im 4. Bezirk zu einem kleinen Geheimtipp. Besonders für Wienbesucher, die man nicht dem ewig durchgekauten ,Hawelka‘ aussetzen möchte.

Sonntag, Juli 24th, 2011
handgemachtes aus der langen gasse

Weil es immer wieder von neuem Spaß macht zuerst den Kochlöffel und dann den Graphic-Pen zu schwingen, bin ich dazu übergegangen meinen kulinarischen Endprodukten einen Namen plus Verpackung zu geben.

Unter dem Branding LONG LANE & COMPANY gibt’s also ab nun diverses Essbares von mir. Ingwerlimonade, Marzipan und Knuspermüsli. Zumindest theoretisch. Die Verpackungen für Eis, Brot und Tartes folgen noch … In unbestimmter Zukunft.


Die Schrift für meine MUESLIs ist nebenbei bemerkt ,Canela‘ von Christian Groß.

Freitag, Juli 22nd, 2011
Wurf, Schluck, Sieg

In unregelmäßigen Abständen trifft sich freitags eine kleine Gruppe Kulturexporteure, um Deutschland neuesten Jugendsport hier in Wien zu etablieren: Bierball! Die Regeln des hoch-emtotionalen und unglaublich spannenden Spieles sind simpel. Werfen, treffen, trinken, gewinnen. In der Reihenfolge und möglichst häufig. Die Austragungsorte sind variabel und lassen sich auch prima mit einem Grillabend kombinieren. Und diejenigen, die mich schon lange und sehr gut kennen, werden auch überhaupt nicht überrascht sein, dass ich meine Bierflasche immer als Erster aus der Mannschaft geleert habe. :-)

Dienstag, Juli 19th, 2011
Wien-Winzig

Letztes Wochenende war Besuch aus Frankfurt da. Im Gepäck eine Ixus 220 HS, eine Kompaktknipse von CANON. Die Nach-nach-nachfolgekamera von meiner Ixus Steinzeit Irgendwas. Von den Megapixeln abgesehen haben diese kleinen Biester vor allem bei der Lichtempfindlichkeit zugelegt. Und bei den Spielereien: Der Miniatureffekt ist ein emulgierter Tilt-Shift-Effekt. Bekannt u.a. aus den Einspielern des diesjährigen Eurovision Song Contests.

Samstag, Juli 16th, 2011
Halbzeit

In der amerikanischen Medienlandschaft gibt es den etablierten Begriff ,Jump the Shark‘. Er bezeichnet den exakten Punkt einer beliebigen TV-Serie mit dem sie ihren Zenit überschreitet – ab da hat sie ihre beste Zeit hinter sich. Meist wenn zusätzliche Figuren integriert werden, irgendein dramaturgischer Klimax nicht mehr zu toppen ist oder irgendwer stirbt oder so. Mein persönlicher Simpsons-Shark ist nebenbei bemerkt die New York-Episode. Alles danach war nur noch Zeichentrick.

Auf jeden Fall fühlt sich dieser Tage mein Leben in Wien so an, als ob irgendwer oder was in der Donau gerade über den Hai springt. Aber im Gegensatz zum Begriffsursprung muss das gar nicht negativ interpretiert werden. Es ist nicht so, dass jetzt alles bergab geht und schlecht wird. Nein, vieles wird auch einer Schlittenfahrt gleichen: Nach einem kräftezehrenden Aufstieg kann man jetzt endlich die wilde Abfahrt genießen. Jucheee!!

Aber ich weiß, dass ich nur noch höchstens zwei Jahre hier sein werde. Hier sein möchte. Also Halbzeit – Richtfest feiern!

Der größte Teil der Stadt gilt als erobert, der Freundeskreis ist etabliert und wird sich in seiner Basis nur noch marginal ändern. Auch wenn mich Wien noch begeistert – der Reiz des Neuen ist freilich verblasst. Aus dem Entdecken wird Routine. Eine Sättigung setzt ein, ganz gleich, wie hungrig man im Inneren noch ist.

Vielleicht muss man aber die Stadt noch ein zweites Mal erobern. Kalkulierter. Frecher. Einfach ein, zwei Hautschichten tiefer eindringen. Dorthin, wo man noch stärker den Puls pochen hört. So tief wie man sich traut, um letztlich hoch über die Dächer katapultiert zu werden und im Gleitflug über sein Reich zu schweben. So was halt.

Eine schöne Aufgabe für die nächsten zwei Jahre. Für mich und den Hai.

Montag, Juli 11th, 2011
bratislava

Eine Stunde Busfahrt: Fremdes Land. Bagels für 2,50 Euro. TESCO.


Sonntag, Juli 3rd, 2011
willkommen und abschied

Knapp 600 Kilometer nordwestlich von Wien begrüßten sich gestern Abend meine Schulkameraden zum Klassentreffen. Zum ersten offiziellen nach dem Abitur – damals, vor gefühlten Jahrzehnten. Zugegeben, ich stehe dieser Zeit mit äußerster Ambivalenz gegenüber und könnte nicht sagen, was mir mehr eine Persönlichkeitsstörung verursacht hätte: Das Hingehen oder das Fernbleiben. Die allgemeinen Umstände haben zumindest die Entscheidung für mich abgenommen. Eine meiner Mitbewohnerinnen ist in Kürze mit ihrem Studium fertig und wird sowohl Wien, als auch unsere geliebte WG verlassen. Zeit zum Abschied nehmen. Ganz standesgemäß mit einer Fressorgie und einer Fahrt im Riesenrad. Gestern. In Wien. Im Jetzt.

Danke für das tolle WG-Leben mit Dir, Claudi.