Zehn neue Jahre

Freitag, 1. Januar
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Jetzt ist es vorbei, das Jahr 2009. Von jetzt auf gleich, Punkt Mitternacht. Mach’s gut und Hallo 2010.

Aber nicht nur ein Jahr ging zu Ende, sondern auch ein ganzes Jahrzehnt. Das „verlorene Jahrzehnt“ wie der SPIEGEL kürzlich titelte. Aufgerieben zwischen Al-Kaida-Anschlägen und Bankendesaster. Und bei mir? Kurz bevor die Twin Towers in sich zusammenstürzten und den noch jungen Nuller Jahren ihre Unschuld nahmen, erschütterte mich mein erster großer Liebeskummer. Am anderen Ende der Dekade, die Lehman Brothers traten gerade die Finanzkrise los, brach mein Herz ein zweites Mal und ich haute nach Wien ab. Aber dazwischen, zwischen Herr der Ringe, Sommermärchen und iphone lernte ich Buchstaben so anzuordnen, dass sie erstens einen überdurchschnittlich lesenswerten Satz ergaben und zweitens noch hübsch aussahen. Mein Freundeskreis wurde wertvoller bereichert als jedes Aktienportfolio gieriger Shareholder. Ich band mir die Kochschürze um und warf die Eismaschine an. Kino wurde immer unwichtiger, das Leben da draußen gewann hingegen zusehends an Bedeutung. Bücher sowieso. „Verloren“ waren sie also nicht, die Jahre 2000 bis 2009. Aber man hätte vielleicht noch mehr daraus machen und sich nicht im Halbfinale von den Italienern rauswerfen lassen sollen.

So passte es ganz gut, dass gestern im WUK bei der „Mama, ich komm nächstes Jahr“-Silvesterparty die größten Hits der letzten 20 Jahre aus den Boxen geschossen wurden. – With the lights out, it’s less dangerous. Here we are now, entertain us. Ich hatte seit langen nicht mehr so viel Spaß auf der Tanzfläche.

Hier in Wien wird übrigens um Mitternacht Walzer getanzt. Auch auf der Straße und erst recht in Discotheken. Surreal, aber fein.

Und die nächsten zehn Jahre? Da bauen wir das World Trade Center wieder auf. Das große, drüben über’m Teich und das kleine in unseren Herzen. Außerdem werden wir Weltmeister: 54, 74, 90, 2010! Da geht was, Zahlen lügen nie.