in guten wie in schlechten zeiten

Dienstag, 4. August
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Herr und Frau M. haben geheiratet und zu diesem freudigen Anlass hat es mich die letzten Tage in meine alte Heimat verschlagen, nach Frankfurt und in den Odenwald. Zum ersten Mal seit meinem Umzug nach Wien. Um es vorweg zu nehmen: ich bin froh wieder auf einem der WG-Sofas im Fernsehzimmer zu sitzen. Frankfurt ist nicht mehr mein Pflaster, die Stadt ist das Reich einer bösen Hexe und ich bin von ihr verbannt worden. Die himmelhohen Bürotürme sind ihre tumben Riesen, mit grimmiger Miene verbauen sie mir meinen Weg. Sollte ich je zurück wollen, muss ich wohl erst ein paar magische Gegenstände sammeln, um ihrem arglistigen Zauber gewappnet zu sein.

70 Kilometer südöstlich lösen meine Eltern gerade das Haus meiner Kindheit auf. Zum Abschied zieht der ländliche Stallgeruch durch die Dorfgassen und die Wälder ringsum haben extra ihr grünstes Laubwerk angezogen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Meine Trauer gilt nicht dem was dort alles geschah, sondern dem, was gerade nicht geschah: die Wege, die man nicht ging, den Mond, den man nicht beschwor. Also wandert alles, was nicht ins Auto passt, in die Tonne. Fotos, Briefe, Zeitschriften ein paar Bücher. Weg damit! Ich schau mich beim fortfahren nicht einmal um. Die 700 Kilometer nach Wien reiße ich nahezu ohne Pause runter, als wäre der Audi ein Pferd, das den Weg alleine findet. Lauf mein Rappe, lauf. Wir müssen Excalibur finden!