Gestern vom August, 2009

Sonntag, August 30th, 2009
wasserwunderland wien

Wenn der Besuch von S. ein paar stärkende Runden im Hallenbad glich, dann war G.s Besuch wie Swimmig Pool mit Luftmatratze. Sorglos ließ man sich von Sonne und leichtem Wellengang mal in die eine, mal in die andere Ecke treiben. Das Wasser plätscherte genauso fröhlich vor sich hin, wie die gemeinsamen Stunden und Minuten. Kompass und Uhr waren überflüssig. In der Hand kühlte der Cocktail und vom Beckenrad summte das Radio. Und Eis gab es natürlich auch: Weiße Schokolade-Heidelbeere und Brombeer-Kardamon mit Schokostückchen. Sommertag pur.

Sowohl als auch habe ich zwei wunderschöne Wochen hinter mir. Noch einmal Urlaub, noch einmal die Zeit mit seinen Freunden genießen. Und dann verabschiedet man sich von ihnen, dann schließt man die Autotüre oder steigt zurück in die S-Bahn. Man holt seine Straßenklamotten aus dem Badespind und verdrückt sich in die Umkleide. Morgen ist wieder Büro angesagt.

Freitag, August 28th, 2009
zierde

Da der überaus teure Feinkosttempel in der Innenstadt dankenswerterweise einen falschen Preis für die Englischen Kekse ausgezeichnet hatte, bekam ich sie drei Euro günstiger als eigentlich üblich. Mit sehr leckerem Bergkäse, Trauben und Marillen-Pago ließen G. und ich uns das Briten-Gebäck anschließend im Belvedere-Park schmecken. Und die schöne illustrative Verpackung wird nun meinen Kaminsims zieren.

Die Wand hingegen verschönert seit heute ein Bild von Albert Watson. Angekleistert und festtapeziert. Bang Bang!

Mittwoch, August 26th, 2009
Der bart ist ab

Die Frau meines Cousins setzte mir die Pistole auf die Brust, bzw. den Rasierer ans Kinn und zwang mich geradezu meinen geliebten Bart abzusäbeln. Zugegeben, er war ohnehin schon leicht zottelig und musste dringend mal gestutzt werden, aber gleich ganz ab!? Von wegen Job und Bewerbung und außer Mode und so, meinte sie. Aber gerade fühle ich mich etwas kahl und komme mir vor wie in der achten Klasse. Wenn ich jetzt irgendwo anfrage bieten mir die anstelle einer Arbeit sicher ein Schülerpraktikum an. Also: der Bart kommt zurück, so mittellang (Bild2), und spätestens Ende des Jahres!

Dienstag, August 25th, 2009
spiel, spaß, spannung

Letzte Woche war S. da, mein erster offizieller Besuch. In drei Tagen haben wir das Grund-Sightseeing-Programm und mindestens 45 gelaufenen Kilometer hinter uns gebracht. Mir fror andauernd und er trank die Wasserleitung leer. Dazwischen gab es selbst gemachte Pizza, einen sagenhaften Blick über Wien und viel zu erzählen. Erst im Nachhinein merkt man, wie gut die paar Tage einem taten. In etwa, wie wenn man nach einer Stunde schwimmen aus dem Becken steigt und sich trotz der Anstrengung viel wacher als vorher fühlt.

Daher konnte selbst der Umstand, dass ich am Wochenende als Single auf die Hochzeit meiner Schwester gehen musste, mich nicht wirklich runterziehen. Hochzeiten und Silvester gehen da normal ja gar nicht. Auf die Übernachtung im Junggesellenzimmer konnte ich dennoch getrost verzichten und verschwand gleich nach dem Dessert. Während das Brautpaar also mit den Gästen über das Parkett tanzte, raste G. mit mir über die Autobahn und hin zum Flughafen. Die Innenbeleuchtung des Wagens ließen wir versehentlich brennen und so leuchtet ihr Autochen auf dem Park-and-Ride-Parkplatz Köln/Bonn gerade wie eine Laterne in der dunklen Nacht.

G. ist nun also gerade da. Seit Sonntag, als uns der erste Flieger bei Sonnenaufgang nach Wien gebracht hat. Aus großzügigen Zeitgründen wird es bei ihr das Extended-Sightseeing-Programm geben. Pizza inklusive.

Donnerstag, August 13th, 2009
ines

In meinem mehreren Hektar großen Zimmer lasse ich ein Wandstück als Fotohintergrund frei. Einfach, weil ich schon immer mal ein kleines Fotostudio haben wollte. Hier das erste Testergebnis:

Dienstag, August 11th, 2009
Bücherküche

Mittlerweile habe ich – endlich – mal ein erstes richtiges Möbelstück in meinem Zimmer stehen. Einen Küchenschrank aus den 50ern?, 60ern?, lange vor meiner Geburt! Nicht, dass sich noch eine kleine Küche in meinem riesigen Ballsaal befände, aber die Vitrine für Trinkgläser hat die ideale Taschenbuchhöhe. Statt Nudeln, Pfannen und Töpfen gibt’s also Detail-Typo, Bukowski und Hotel Lachapelle!

In den Schränken und Schubladen müffelt noch die harte Entbehrung der Nachkriegszeit, aber von außen sieht’s nach zwei Stunden schrubben aus wie einst zu Kanzler Erhards Zeiten.

Freitag, August 7th, 2009
maschinenweisheiten

Letzthin zog ich mir im Museumsquartier für nur zwei Euro dieses wunderschöne Comic-Heftchen. In einer Passage dort stellen abwechselnd Künstler ihre Arbeiten in einem Schaukasten aus. Und daneben hängt ein Münzautomat wo eben man ein bestimmtes Exponat gleich ziehen kann. Besser als Kippen allemal. Und vor allem schöner.

Nur der Vollständigkeitshalber: der Roboterliebende Künstler heißt Tom Gauld, ist schottischer Illustrator und zeichnet auch sonst ganz wundervolle Arbeiten.

Donnerstag, August 6th, 2009
geben und nehmen

Am Abend bevor ich nach Deutschland fuhr, besuchte ich mit einer der Böcklin-Mädels die Westlicht-Ausstellung Noch mal Leben, die sich mit dem Sterben auseinander setzt. Der Fotograf Walter Schels portraitierte Menschen kurz vor und nach deren Dahinscheiden. Alles in schwarz/weiß und im sachlichen Quadrat. Ganz nah an der Person dran. Alles sehr bewegend, besonders da auch zwei Kindstode thematisiert wurden.

Dienstag, August 4th, 2009
in guten wie in schlechten zeiten

Herr und Frau M. haben geheiratet und zu diesem freudigen Anlass hat es mich die letzten Tage in meine alte Heimat verschlagen, nach Frankfurt und in den Odenwald. Zum ersten Mal seit meinem Umzug nach Wien. Um es vorweg zu nehmen: ich bin froh wieder auf einem der WG-Sofas im Fernsehzimmer zu sitzen. Frankfurt ist nicht mehr mein Pflaster, die Stadt ist das Reich einer bösen Hexe und ich bin von ihr verbannt worden. Die himmelhohen Bürotürme sind ihre tumben Riesen, mit grimmiger Miene verbauen sie mir meinen Weg. Sollte ich je zurück wollen, muss ich wohl erst ein paar magische Gegenstände sammeln, um ihrem arglistigen Zauber gewappnet zu sein.

70 Kilometer südöstlich lösen meine Eltern gerade das Haus meiner Kindheit auf. Zum Abschied zieht der ländliche Stallgeruch durch die Dorfgassen und die Wälder ringsum haben extra ihr grünstes Laubwerk angezogen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Meine Trauer gilt nicht dem was dort alles geschah, sondern dem, was gerade nicht geschah: die Wege, die man nicht ging, den Mond, den man nicht beschwor. Also wandert alles, was nicht ins Auto passt, in die Tonne. Fotos, Briefe, Zeitschriften ein paar Bücher. Weg damit! Ich schau mich beim fortfahren nicht einmal um. Die 700 Kilometer nach Wien reiße ich nahezu ohne Pause runter, als wäre der Audi ein Pferd, das den Weg alleine findet. Lauf mein Rappe, lauf. Wir müssen Excalibur finden!