Büllerbü ist Utopie

Dienstag, 28. Juli
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Irgendwann, wenn man sich ein wenig mit Dramaturgie befasst oder einfach nur genügend Lebenserfahrung gesammelt hat, merkt man, dass in den Abenteuergeschichten seiner Kinderbücher einiges im argen lag. Und ich meine jetzt damit nicht Pipi Langstrumpfs übernatürliche Kräfte. Es geht um das deutsche ???-Plagiat TKKG, die prepubertären Kleinstadtdetektive, deren Fälle eher durch Zufall, als mit Kombinationsgabe gelöst wurden.

In der realen Welt hätte wohl Tim als ein so tougher und smarter Typ niemals gleich zwei dermaßen soziale Einbahnstraßen wie Karl und Klößchen als Freunde. Klößchen sehe ich ja noch ein, eine Fettsau mit ordentlich Schotter aus dem Elternhaus. Für das Netzwerk später mal, damit man in XING mit dem Vorstandsvorsitzenden von Sauerlich-Schokoladen protzen kann. Macht Sinn. Aber Karl? Karl, dieser dürre PC-Freak, der im Zweifel immer lieber World of Warcraft spielen wollte, als mit dem Drahtesel rum zu eiern und Kleinkriminellen das Handwerk legen. Karl, der in der Fernsehserie übrigens eine verblüffende Ähnlichkeit mit Harry Potter aufweist, war bei TKKG gänzlich überflüssig. Nie waren die Fälle so vertrackt, dass Karls spezielles Wissen von Nöten gewesen wäre. Verdammt, wenn wir jetzt nur wüssten, was die Formel eines isotonischen Gamma-Spektrums in Verbindung mit den frühchristlichen Fruchtbarkeitsriten der Aramäer ist. – Ha Tim, ich weiß es. Herr Glockner, sperren Sie die Verdächtigen ein! Das wenige, das er beitrug hätte man problemlos in einem Lexikon nachschlagen können.

Aber wahrscheinlich ist Karl nur deswegen immer mit T, K und G mitgekommen, weil Counter Strike auf dem C64 noch so verdammt ruckelig lief und Amokläufe noch nicht erfunden waren. Und Tim hat ihn geduldet, da Karl der einzige war, in dessen Kinderzimmer die Kiste flimmerte und man heimlich das Nachtprogramm von RTL sehen konnte. Damals, als Hugo Egon Balder noch Länderpunkte verteilte.