Gestern vom Juli, 2009

Donnerstag, Juli 30th, 2009
eins, zwei, sprechprobe

Meine Nervosität letzte Nacht war unerträglich, wie vor einer Schulaufführung bei der man weder seine Figur noch das Stück an sich richtig kapiert. Im wirren Fiebertraum träumte ich von meiner Klasse und von Jerry Bruckheimer, beides Dinge die mir auf ganz verschiedene Art Angst machen. Die Agentur, bei der ich letzte Woche das Bewerbungsgespräch hatte, lud mich zum Probearbeiten ein. Und ich hatte nicht die geringste Ahnung was da so auf mich zukommen könnte. Eine Anzeige konzipieren, wie es sich herausstellte. Zum Launch einer Apothekerzeitung. Meine Lösungswege gefielen mir, die konnten was, aber das Layout musste (sollte) in Quark Xpress umgesetzt werden. QuarkWhat? 75 Prozent meiner Zeit verbrachte ich damit mich zu wundern, weshalb meine ShortCuts nicht funktionieren. Man ist halt eine alte InDesign-Socke, was soll’s. Auf jeden Fall hatte ich öfter mal den Drang meinen imaginären Notaus-Knopf zu drücken, der mich zurück ins Bett, aufs Sofa oder auf eine Inseln mit Kokospalmen katapultiert. Mmmmh, Kokospalmen …

Interessant war es trotzdem und letztlich hat es natürlich auch Spaß gemacht. Genauso wie die zweite Probe des heutigen Tages: vorlesen! Ich habe jetzt eine Hörbuchregisseurin! Ich lese ihr Geschichten vor und sie kritisiert im Anschluss und gibt Tipps. Diesmal noch mit Fremdtexten, das nächste Mal mit meinen eigenen Storys. Mmmmh, vorlesen …

Dienstag, Juli 28th, 2009
pancakes

Gestern fiel mir bei IKEA diese schicke gusseiserne Pfanne in die Hände. Nur acht Ökken! Natürlich musste ich gleich zugreifen, schien sie doch dank ihrer niedrigen Wand ideal für alle Pfannkuchenarten dieser Welt zu sein. Und Gusseisen ist sowieso angesagt. Also holte ich heute endlich! die Pancake-Rezeptkarte von MSVK hervor und buk fleißig drauf los. Als Einweihung quasi. Aber irgendwie schmeckten die amerikanischen Pfannkuchen fader als beim damaligen Buchmesse-Pancake-Treffen. Vielleicht fehlte nur etwas Salz, vielleicht aber auch die übrigen Teammitglieder, deren Freundschaft den ganzen Backspaß von einst erheblich verfeinerten.

Die Pfanne ist übrigens uneben und somit Schrott. Aber neulich sah ich eine megaflache-gusseiserne-Crêpe-Pfanne für schlappe 70 Euro, die unbedingt in meinen Besitz übergehen muss. Und damit kann man sicher auch mörder Pancakes backen.

Dienstag, Juli 28th, 2009
Büllerbü ist Utopie

Irgendwann, wenn man sich ein wenig mit Dramaturgie befasst oder einfach nur genügend Lebenserfahrung gesammelt hat, merkt man, dass in den Abenteuergeschichten seiner Kinderbücher einiges im argen lag. Und ich meine jetzt damit nicht Pipi Langstrumpfs übernatürliche Kräfte. Es geht um das deutsche ???-Plagiat TKKG, die prepubertären Kleinstadtdetektive, deren Fälle eher durch Zufall, als mit Kombinationsgabe gelöst wurden.

In der realen Welt hätte wohl Tim als ein so tougher und smarter Typ niemals gleich zwei dermaßen soziale Einbahnstraßen wie Karl und Klößchen als Freunde. Klößchen sehe ich ja noch ein, eine Fettsau mit ordentlich Schotter aus dem Elternhaus. Für das Netzwerk später mal, damit man in XING mit dem Vorstandsvorsitzenden von Sauerlich-Schokoladen protzen kann. Macht Sinn. Aber Karl? Karl, dieser dürre PC-Freak, der im Zweifel immer lieber World of Warcraft spielen wollte, als mit dem Drahtesel rum zu eiern und Kleinkriminellen das Handwerk legen. Karl, der in der Fernsehserie übrigens eine verblüffende Ähnlichkeit mit Harry Potter aufweist, war bei TKKG gänzlich überflüssig. Nie waren die Fälle so vertrackt, dass Karls spezielles Wissen von Nöten gewesen wäre. Verdammt, wenn wir jetzt nur wüssten, was die Formel eines isotonischen Gamma-Spektrums in Verbindung mit den frühchristlichen Fruchtbarkeitsriten der Aramäer ist. – Ha Tim, ich weiß es. Herr Glockner, sperren Sie die Verdächtigen ein! Das wenige, das er beitrug hätte man problemlos in einem Lexikon nachschlagen können.

Aber wahrscheinlich ist Karl nur deswegen immer mit T, K und G mitgekommen, weil Counter Strike auf dem C64 noch so verdammt ruckelig lief und Amokläufe noch nicht erfunden waren. Und Tim hat ihn geduldet, da Karl der einzige war, in dessen Kinderzimmer die Kiste flimmerte und man heimlich das Nachtprogramm von RTL sehen konnte. Damals, als Hugo Egon Balder noch Länderpunkte verteilte.

Donnerstag, Juli 23rd, 2009
durchbeißen

Heute hatte ich mein erstes richtige Bewerbungsgespräch, so mit Gehaltsvorstellung und Nennen Sie drei Gründe, weshalb wir Sie nehmen sollten. Mir fielen leider nur zwei ein. Okay, den dritten konnte ich dann auch noch rausquetschen, aber erst nach dem ich kurz über das Eis der Unsicherheit gerutscht bin. Die Agentur war super, der Chef sympathisch und der Umstand, dass der Agenturnamen ,ZORN Industries‘ auf ZORIN Industries anspielt (die Cineasten unter uns müssen gar nicht auf den Lösungslink klicken) prädestiniert sie quasi als kommenden Arbeitgeber. Dummerweise verschmälerte ich meine Chancen, da ich eine freie Mitarbeiterschaft eher als Notlösung annehmen wollte. Beim Stichwort ,frei‘ trat die Panik gegen meinen Hinterkopf, von wegen Auftragsunsicherheit etc. Aber wegen meiner Krankenversicherung muss ich mich ja ohnehin selbstständig melden und sowas kommt den meisten Arbeitgebern ja ganz gelegen. Irgendwie habe ich da noch nicht so den kompletten Überblick.

Aber mein Portfolio verbessert sich Schritt für Schritt und so stehe ich den ganzen Absagen der letzten Zeit entspannt gegenüber. Am nervigsten war die Agentur, bei der ich in die engere Wahl kam, mich wegen dem Gespräch aber noch in Geduld üben musste und letztlich mir abgesagt wurde, ohne dass ich da mal persönlich vorstellig wurde. Hoffentlich klaut ihr neuer Grafiker denen kistenweise die Druckerpatronen unterm Agenturarsch weg.

So oder so, im August wird die Großoffensive gestartet.

Mittwoch, Juli 22nd, 2009
sommernachtsüberraschung

Eigentlich will man nur mal abends im Museumsquartier vorbei schauen und sich Trubel der Jugend verlieren, aber dann findet man sich unversehens vor einer Bühne wieder, die den Auftakt-Event eines Tanzfestivals gibt. Freilich kostenlos. Savion Glover, der auch schon auf dem Parkett des Weißen Hauses der Clinton-Ära steppte, gibt eine Kostprobe seines Programms und Könnens. Stepptänzer mochte ich schon immer, aber in Kombination mit Live-Jazz finde ich das sensationell! Für ein paar Takte mit der Ferse weht der Duft des Broadways an der Donau entlang. Übertroffen nur von dem Moment, als die Combo im wahrsten Wortsinne leichtfüßig die ersten Takte von ,Billy Jean‘ übers Quartier fließen lässt.

Anbei ein paar aufgenommene Schnipsel, mühsam in iMovie zusammengefügt:

Mittwoch, Juli 15th, 2009
sonne satt

… und da juckte wieder der Fotofinger.

Montag, Juli 13th, 2009
Löcher

Löcher in der Seele. Löcher im Herzen. In den Socken, in den Zähnen, im Reifen, im Käse, im Weltall. Löcher in der Zeit. Löcher für Schlüssel, Löcher für prähistorische Ausgrabungen, Löcher für primäre männliche Geschlechtsorgane. Löcher für andere Löcher, für kleinere Löcher, für ganz winzigkleine Minilöcher. Löcher zum Durchschauen, zum reinstecken, zum flicken, zum füllen. Schlaglöcher, Arschlöcher, Ohrlöcher. Ich bin gepierct!

Samstag, Juli 11th, 2009
das gepäck wird ihnen aufs zimmer gebracht!

Der erste Baustein meiner neuen Einrichtung kam gestern per Post, der ,Schlüsselroman‘ von Lockengelöt (super Service übrigens). Bücher als Schlüsselbrett oder Garderobe, könnte vielleicht auch M. gefallen!?

Ich finde es jedenfalls mehr als passend für mich, und – oder gerade auch – dieses spezielle Stück. ,Menschen im Hotel‘ von Vicki Baum. Das Buch kenne ich nicht, noch nicht, doch es ist eine Ensemble-Geschichte und die gefallen mir fast immer am besten. In der Verfilmung spielt übrigens der Großvater von Drew Barrymore mit, aber das ist eher ein nebensächlicher Querverweis. Es passt zu mir wegen dem erdigem Rot des Einbands. Herbstfarben halt – Geburtstagsjahreszeit. Wegen dem Ornament, das nun mein Erker-Altbau-Zimmer schmückt. Wegen den Menschen, von denen ich hoffentlich in vielen Geschichten und weiteren Büchern noch alles erzählen werde. Und wegen des Hotels an sich, weil ich mir als Jugendlicher mal eine Nacht in einem Kempinski-Hotel gewünscht habe; weil es ein ambivalenter Ort von Fremde und Gemütlichkeit ist und weil es ein Versprechen von Gastfreundschaft darstellt – das ich mit euch einhalten möchte. Jederzeit.

Ich besitze zwar nur einen Schlüsselbund und der benötigt auch keine vier Haken, aber vielleicht hänge ich auch einfach nur mein Herz dran.

Sonntag, Juli 5th, 2009
casa vienna

Es wird dauern, bis sich mein Ballsaal Zimmer mit Interieur füllt. Aber die allgemeine Stimung des Wohlfühlens und des ,zu-Hause-seins‘ dreht schon jetzt auf dem Parkettboden Pirouetten.

Donnerstag, Juli 2nd, 2009
blick in die sterne

Von zwei Jahren bei dem Berliner Planetariumsprojekt, entzückten wir uns ob der schönen Beschriftung dort. Die Kellertüren der Sternenwarte waren fein säuberlich mit Typo bepinselt: Hausmeister, Druckraum, Teeküche. Welch Glück hatte ich zur Dokumentation meine ixus dabei. Mit dem festen Vorhaben die Schrift zu digitalisieren, ging es dann von Berlin wieder nach Dortmund. Aber erst jetzt habe ich Spaß und Muße mich in dieser Geduldsarbeit zu üben. Trotz Sonnenschein und Hochsommertemperaturen draußen.

Zugeben, mit der Schrift erfindet sich nicht gerade die Typografie neu und im Zweifel existiert sicher ein zum verwechseln ähnliches Geschwisterchen. Aber der Rohschnitt die letzten Tage hat trotzdem galaktisch viel Spaß gemacht.

Und was bringen die Sterne sonst so? Keine Ahnung … Springer + Jacoby wollen mich. Ich habe den Copytest “bestanden”. Doch ich fürchte, ein Praktikumsplatz ist nicht wirklich das, was ich suche. Schaun mer ma …