schlimmer gruss dunkler, deutscher geschichte

Sonntag, 24. Mai
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Die Österreicher mögen uns Deutsche nicht. Wegen der Annexion und so. Und wegen dem ersten Weltkrieg, als sie vom Kaiserreich zur Alpenrepublik degradiert wurden, vom ebenbürtigen Nachbarn zum kleinen Halbbruder. All das halt. 

Gestern, noch leicht gesundheitlich angeschlagen, eilte ich nach Hause, als mein Blick auf einen schrottigen Volvo gelenkt wurde. Model 244 GL, Baujahr 1974, himmelblau. Drinnen ein Endfünfziger im sandfarbenem Jackett, daneben seine gleichaltrige Ische. Seine schulterlagen Haare hingen ihm bei ungelenken Einparkversuchen zottelig ins Gesicht, das Jackett schubberte auf den Schonbezügen im Schneeleopardenmuster. Alles sehr kniffelig. Die Karre ansonsten mit Trödel zugehäuft und mit Aufklebern volltapeziert. Eine Kerl, bei dem alle Fotoleute unter uns, um ein eine Portraitserie gebettelt hätten, ein Klischee-Kauz mit Dreitagebart, der geradezu schrie, als Protagonist durch eine meiner Kurzgeschichten zu kurven.

Dann touchierte sein Heck das Parkverbotsschild. 

Ich wollte behilflich sein, wo es eigentlich nichts mehr zu helfen gab. Zu Bruch gegangen war nichts, das Schild hing auch vorher schief in der Landschaft rum. Aber er war genervt, dass ich anfangs nur herumstand und die Szenerie begutachtete. Und sein Auto … und ich der Deutsche … klar hätte ja auch seine Ische … aber der glotzende Piefke … Unschlüssig wankte er bei unserem kurzen Dialog zwischen freundlich und grantig, zum Abschied entschied er sich für letzteres: H… H…!

Ich behielt die Contenance.

Eine Kurzgeschichte über ihn will ich noch immer schreiben, aber jetzt betrügt er seine Alte und zum Schluss geht seine scheiß Karre in Flammen auf.