Mittwoch, Mai 6th, 2009 um 23:31 Uhr
die hoffnung: von uns gegangen, zuletzt und für immer

Wenn sie stirbt, die Hoffnung, stirbt sie gewiss keinen Heldentod. Sie rettet dann nicht noch ein kleines Baby oder hält kampfestrunken hunderte Angreifer von uns fern. Wenn sie stirbt, die Hoffnung, so ganz zuletzt, säumen wir für sie auch nicht die Strasse, rausgeputzt in unseren besten Hosen, mit Glanz in den Augen und einem Salutschuss am Grab.

Sie erlischt auch nicht wie eine Kerze, die noch mal sehnsüchtig aufflackert, den letzten Sauerstoff aufschnappt und sich dann gespenstisch in den Docht zurück zieht. 

Nein, sie stirbt eigentlich nicht, die Hoffnung, sie verendet. Zuerst wird sie schal, ihr prickeln entweicht. Danach wird sie sauer, sie klumpt und dickt ein. Aus einem strahlenden Weiß wird ein müdes Gelb. Allmählich wird ihr Geruch immer beißender, bis er uns unangenehm in der Nase sticht. Und wenn wir sie gedankenverloren oder gar naiv doch noch mal zu uns nehmen, spucken wir sie gleich angewidert in den Ausguss. Wie blöd kommen wir uns danach vor, wie lächerlich. Zum Affen haben wir uns gemacht, haben nicht von ihr lassen können, haben uns an sie geklammert, obwohl sie schon längst gekippt und ungenießbar war. Alles wegen ein bisschen Hoffnung, wegen diesem Kribbeln, das wie Kohlenstoffbläschen in einem Glas frischer Limonade knistert.

Warum gibt es keinen Totengräber für die Hoffnung, der kommt wenn es vorbei ist? Der sie uns weg nimmt, in eine Kiste legt und dann ab unter die Erde damit? Warum leben wir wochenlang mit einem Leichnam unter einem Dach?

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