der duft der nacht

Donnerstag, 21. Mai
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Es ist Zehn Uhr abends, doch durch das Stiegenhaus schwirrt der süße Geruch eines frisch gebackenen Kuchens. Draußen ist es noch warm, ein dünner Pullover langt völlig, in den Straßen des ersten Bezirks hat sich schon der Sommer gemütlich gemacht. Die Reichen der Stadt sind in den noblen Restaurants jenseits der Hofburg unter sich, die Touristen beblitzen lieber den Stephansdom, als sich zwischen die Anzugselite zu zwängen. Eine Schulklasse auf Abschlussfahrt irrt durch jahrhundertalte Kunstgeschichte, im Pulk und mit Erdbeereis. Die Gassen sind feucht, gesäubert vom Pferdemist dutzender Fiaker. Doch deren Dunst wurde längst tief in den Asphalt getreten. Unten am Schwedenplatz, wo die fotogene Sightseeing-Kulisse nichts mehr her gibt, trifft sich die Jugend zum nächtlichen Ausschwärmen. Mittendrin die personifizierte Coolness: keine Zwanzig, Sonnenbrille und geföhnte Sunnyboy-Tolle. Dazu hellblaues Shirt, rote Schuhe, gelbe Ottakringer-Bierdose. Den Blick stur auf den Boden und lässig ne selbstgedrehte Tschik rauchend. Amerikanisches Rebellentum der Fünfziger neben Dönerstand und U-Bahn-Eingang. Dann kommen seine Kumpels, die Brille wird über die Haare geschoben und die Maske der gespielten Lässigkeit fällt auf den Boden. Ach Burli, geh, bist ja eigentlich n ganz n lieber, gell!?