Sonntag, April 26th, 2009 um 13:34 Uhr
Steinofen für den kleinen Mann

Mein Pizzastein ist jeden seiner unfassbar vielen Euros wert. Nicht nur, dass man damit unglaublich knusprige Pizzen aus dem Ofen zaubert, nein, mit nur einem Schieber in und aus der Backröhre katapultiert man sich in einen Geheimbund, dessen Mysterium einem als Kind so unendlich weit weg schien: in den Bund der Pizzabäcker. Damals, noch lange bevor jeder Pakistani einen Döner-Pizza-Kuddelmuddel-Stehstand eröffnete, war der Besuch in der Dorfpizzeria ein kleine Reise jenseits der Alpen und der Pizzabäcker die Hauptsehenswürdigkeit. Ein Artist, wie er die rohen Teigfladen in die Luft warf, damit fast jonglierte. Ein Alchimist, der mit geheimnisvoller Miene rote Tomatensoße auftrug und wie unter Zaubersprüchen dann alles mit Pilzen und Käse bestreute. Ein Schmied, ein Stahlarbeiter, welcher der feurigen Hölle im Steinofen ohne Wimpernzucken entgegentrat und das kostbare Gut, unsere Pizza Funghi, bei tausenden von Grad zu der knusprig-köstlichen Gaumenfreude buk, die uns dann so auf der Zunge zerging. 

Italienische Pizzabäcker umgab eine ebenso unnahbare Aura, wie Astronauten oder Könige fremder Länder. Pizzabäcker oder Monarch, beides schien für einen mitteldeutschen Bub ein nie zu erreichendes Berufsziel.

Doch jetzt, dank meines Pizzasteins, streue ich selber unter magischem murmeln den Käse auf die Pizza. Der Teig wurde fachgerecht schon Tags zuvor geknetet und über Nacht im Kühlschrank gehen gelassen. Und was dann aus dem Ofen gezogen wird, lässt jeden Tiefkühlfladen oder alle durchgeweichten Back-blechpizzen langweiliger Teenagerpartys wie einen Geschmacksunfall mit Total-schaden aussehen.

Und König werde ich irgendwann auch noch.

Ein Kommentar für “Steinofen für den kleinen Mann”
  1. jan sagt:

    Bemerkenswert.