links vom stephansdom beginnt der hradschin

Montag, 13. April
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Wien ist mehr. Wien ist Prag. Wien ist Budapest. Wien ist Türkei. Man spürt die Einflüsse: In den Straßen, auf Namensschildern, in Supermärkten. Man spürt, wo Wien herkommt. An Prag erinnert mich die Architektur, die verwinkelten Gäss-chen, aber auch die heruntergekommenen, staubigen und zerkratzen Häuser-fassaden. Anderes wiederum kenne ich aus Budapest. In vielem zeigt sich hier die geografische und geschichtliche Nähe Ungarns. Auch die Türken schafften es mittlerweile durch die Tore der Stadt und haben sich Plätze und Straßenzüge erobert. Wien ist das Tor zu Osteuropa. Wien ist Wien. Ein kleiner Setzling davon hat es nach Düsseldorf geschafft, der Hauptteil der Bussi-Bussi-Bagage blieb hier und logiert in den sündhaft teuren Restaurants des ersten Bezirks. Ohne Anzug kommt man sich an manchen Ecken fehl vor. Wien ist konservativ. Wien ist nicht Berlin. Es hat nicht diese angestrengte Jugendlichkeit und Hipness wie die Bundeshauptstadt, nicht diese Schnodderschnautze, diese Rotznäsigkeit. Wien ist klassisch, Wien ist pompös. Und Wien hält enger zusammen. Die Berliner Viertel sind sich untereinander feind, hier schmelzen die Bezirke zu einer Macht zu-sammen. Wien ist teuer. Rechne 10 bis 15 Prozent auf Deutsche Preise drauf, dann hast du Wien. Wien ist wunderbar. Wien ist richtig.

Und vielleicht liegt es an dem einzigartigen Geruch, den nur Großstädte aus-dünsten, vielleicht an den ewig langen Straßen, die sich durch Häuserschluchten ziehen, vielleicht an den Parks, die Menschenmassen oder einfach nur an meiner Einbildung: aber ein ganz klein wenig ist Wien für mich auch New York.