chaos-enklave

Donnerstag, 9. April
Kommentare deaktiviert für chaos-enklave

Die Umzugskisten sind mit der gleichen Planlosigkeit gepackt worden, wie ich mein Abenteuer ,Berufsleben in einem fremden Land‘ angehe. Über ersteres stolpere ich nachts, das andere interessiert noch nicht. Draußen, jenseits meiner Zimmertür, ist beides geordnet. Das Doktorenpärchen, bei dem ich für die erste Zeit eine dankbare Bleibe gefunden habe, lebt das gutsituierte Mittdreißiger Leben in Wien Mitte, 9. Bezirk, Altbau. 

Hinter den Lettern, also auf der anderen Seite der oben offenen Wand, befindet sich das Badezimmer. Morgens kann man unter der Dusche das Röstbrot im Toaster riechen, oder andersrum, in der Küche beim Semmeln schmieren jemanden Zähneputzen hören. Die Toilette übrigens ist ganz woanders.

Im Flur und Wohnzimmer höhnt mir aus zwei übergroßen Bücherregalen meine eigene Unbelesenheit entgegen: Hier versammelt sich eine geschätzte halbe Bibliothek. Doch ich bin mir sicher, wenn man aus den ganzen Philosophiebüchern und Wissenschaftstexten den Schwafel destillieren würde, hätte man im Sud die gleiche Menge an prägnanten Fakten, wie bei ,Detail-Typo‘ bis zu Seite 263.

Mein improvisierter Arbeitsplatz in meinem Kämmerlein. Das Kinoplakat hing schon. Den Titel dieses französischen Autorenfilms habe ich noch nie gehört.

Am schönsten bei dieser temporären Herberge, ist jedoch der Schlüssel. Sind in der Heimat doch immer noch viel zu häufig die gezahnten Ungeheuer im Umlauf. Preußisches Zack Zack. Mit einem deutschen Schlüssel kann man zur Not den Urwald absägen. Aber hier, dieser hier,

schmiegt sich in Schloss und Leben. Futuristisch und geheimnisvoll zugleich. Damit werden keine Türen geöffnet, damit werden Träume gestartet.