Für den Moment ist erst einmal Schluss. Also mit meinem Buch. Und auch nur vorerst. Im Februar begonnen, seitdem fleißig recherchiert und geschrieben wird es jetzt nach 175 Seiten mal auf dieselbige gelegt. Das Ende fehlt noch – vom Umfang her kommt also noch einmal ein bisschen was dazu. Aber es hat mir noch nicht behagt, das angedachte Ende und so muss der ganze Trumm wie eine zu grün gekaufte Banane etwas nachreifen. Aber alles in allem wird es schon und im Hinterkopf rumort und rattert es unaufhörlich und man bekommt hier noch eine kleine Idee oder dort noch einen feinen Einfall … Das große Überarbeiten kann also bald beginnen.
long lanes end
Seit ein paar Tagen ist es schriftlich: unsere WG löst sich auf. Die Kündigung wurde verschickt. Andere Wohnungen fix. Ein Abschnitt geht zu Ende, ein Meilenstein. Eine Zeit, in der sich mein Lebensweg gebrochen hat – auf eine höchst positive Weise. Vier wunderbare Jahre. Sonne auf dem Parkett. Mädchenschuhe am Eingang. Wohlfühlmoment ab Stunde Null.
“Hey du,
wir würden uns freuen, wenn du am Samstag (6.6.) zwischen 16 und 17 uhr vorbeikommen könntest.
Genaue adresse:
Lange Gasse 76/18 (bei Schmid läuten)
2. Stock
1080 Wien
Bitten um Rückmeldung.
Liebe Grüße Meli, Claudi, Nikola, Laura”
Und dennoch ist es Zeit. Es scheint, als würde uns die Wohnung förmlich ausspucken. Der Kühlschrank zickt, der Wasserhahn leckt. Vom Betriebsende des schönsten Aufzug Wiens ganz zu schweigen. Außerdem will keiner mehr den Gemüseschäler woanders suchen müssen. Durch unsere fünf Zimmer hallen Abgesang und Aufbruchstimmung. Die Lange Gasse hat ihr Ende erreicht.
Kompass ohne Norden
“Die ersten sind gescheitert/die ersten was geworden.
Die ersten wurden Eltern/die ersten sind gestorben.
Bob Dylan gab mir einst ein Kompass ohne Norden/So treibe ich verloren in ein unbekanntes Morgen.”
Ein irrsinnig schöner Coming-of-Age-Refrain von Prinz Pi (Kompass ohne Norden). Bin jetzt ja nicht wirklich ein Freund von HipHop und manchmal, kommt es mir vor, stolpert der Text. Aber der Refrain ist ganz großes Erzählkino. Stand by me 2013.
Was zum Sehen fürs Hörtheater
Die Angst von Schwarz-Rot-Geld
Ich gehöre sicherlich nicht zu den politischsten Menschen in meinem Umfeld. Für die Freiheit Tibets habe ich jetzt nicht mein Facebook-Bild geändert, wo Burma liegt musste ich gerade googlen und die Pussy Riots scheinen zwar irgendwie ganz hip zu sein, würde mich für sie aber nicht von einem grimmigen Sowjet-Schergen mit Schlagstöcken malträtieren lassen. Und dieser Blog ist erst Recht kein Ort, um Revolutionen anzuzetteln oder gegen Regime zu wettern.
Aber heute ist das alles anders, denn seit heute hat Deutschland eine neue Partei. Die “AfD”, die “Alternative für Deutschland“. Eine gutbürgerliche Wohlstandspartei für die solventen Wähler ab Vierzig plus. Alternative, am Arsch! Denen geht nur ihr dicker Eigenheim-Hintern mächtig auf Grundeis, weil sie befürchten bald ihre sauer verdienten Euros dem faulen Griechen auf sein Olivenbrot schmieren zu müssen. Damit der mal wieder was zu beißen hat vor lauter Nichtstun und Faulsein. Aus diesem Grund wollen die lieber ewig gestrig als heute aus dem Euro raus und die gute alte Reichsmark … pardon … die Deutschmark zurück. Und das ist dann auch schon alles in ihrem gerade mal drei Seiten dünnem Wahlprogramm. Also nicht mehr als ein besseres Faltblatt. Wahrscheinlich mit dem durchgenudelten Bürokopierer kopiert und nicht mal ordentlich bei flyeralarm drucken lassen.
Natürlich ist der Euro hässlich, so tektonisch und kalt. Die D-Mark hatte die Gebrüder Grimm und ganz früher eine lustige Frau mit Riesendutt. Hinten drauf war ein Klavier und eine Feder aber auf den Euroscheinen sind nur dumme Brücken. Und natürlich ist es doof, wenn Griechenland gerade kein Geld hat, weil sich das alles ein paar korrupte Banker und Reeder unter den Nagel gerissen haben und wir Deutschen mit dem nächsten Reisebus ein paar Milliarden runterschicken müssen. Und Zypern geht’s ja auch nicht besser. Aber so ist halt der Euro! Das ist das Prinzip einer solidarischen Gemeinschaft. Schon seit der Steinzeit. Da konnte man auch nicht jeden fußlahmen Krüppel verkehrt herum an einen Baum hängen, nur damit der Säbelzahntiger die wandernde Sippe nicht einholt. Doch ganz sicher, der Aléxandros wird schon wieder auf die Beine kommen. Und bis dahin leihen wir uns weiter Geld zu erschreckend niedrigen Zinsen. Also, zu gar keinen.
Nein, im Ernst. Was mich wirklich fuchsteufelswild macht, ist die Tatsache, dass die gutsituierten Oberschichtsbürger (viele Professoren und Anwälte und so), die sich jetzt als Alternative gieren, einfach nur einen Riesenschiss um ihr mühsam zusammengekratzten bisschen Reichtum haben. Die Angst eventuell irgendetwas abgeben zu müssen. Als würden sie dadurch gleich in die Privatinsolvenz getrieben. Von wegen: Denen wird es doch auch nach der Eurokrise noch finanziell erste Sahne gehen. Es ist dieses unendliche Knausertum, das sich hinter der bürgerlichen Akademikerfresse verbirgt, die es eigentlich viel besser wissen müsste. Am schlimmsten ist ihr Vorsitzender. Ein fünfzigjähriger Professoren-Milchbubi, der in der Schule wahrscheinlich schon immer der kleinwüchsige Streber und Petzer war und auf Klassenfahrt nur mit seinem mitgenommen Teddy schmusen durfte – nicht mit einem der Zahnspangenmädels, deren frisch gewachsenen Brüste alle Jungs verrückt machten. Die anderen durften nämlich. Die waren cool!
Verlierer, die irgendwo abgelehnt wurden sind prinzipiell immer schwierig. Wahrscheinlich hat sich der AfD-Windelbubi in den letzten Wochen gerne mal mit Nutella ein Bärtchen unter die Nase geschmiert und vor dem Spiegel seine erste Reichsparteitagsrede geprobt. Ach ja, die Nazis finden den Verein natürlich auf voll dufte. Auch wenn die Partei noch alle Liebeleien von rechts brüsk von sich weist. Aber man kennt das ja von jeder Dorfkirmes. Irgendwann, wenn die Nacht stetig voran rückt und die Uschi unbedingt noch koalieren möchte, springt sie mit jedem Glatzendepp ins Bett.
Offiziell behauptet die AfD Europa schützen zu wollen. Weil die Krise womöglich in Krieg umkippt. Mal so direkt formuliert. Freilich ist das blanker Unsinn. Nicht das mit dem Krieg, das kann man in letzter Instanz nicht wissen – aber aus falscher Furcht keinen progressiven Schritt zu wagen ist schon immer der größte Fehler der Duckmäuser und Angsthasen gewesen. Die Sache mit dem Schützen wollen ist Schwachsinn. Das Einzige, was die schützen wollen ist ihr gemästetes Sparschwein. Das sind alles so Leute, die noch den Nachkriegsverzicht mitgemacht haben und nun in haltlose Panik verfallen und sich wieder mit Essensmarken vor den zerbombten Innenstädten sehen. Die scheißen eher auf ihre europäischen Nachbarn, als nur eine Sekunde ihre heile Statuswelt wanken zu sehen.
Ich hoffe, meine Generation ist da anders. Die lieber in einer kleineren Wohnung leben, aber dafür auch mal in einem der Nachbarländer. Die die Vorteile einer ersten gemeinsamen Währung seit Besiedelung des Kontinents zu schätzen wissen. Allen Hindernissen zum Trotz, die bei solch einem historischen Schritt zwangsläufig auftauchen. Nicht nur, dass ein Rückschritt in einer Entwicklung einen viel tieferen Riss zwischen die Parteien bringt, auch wird Europa der Depp aller Kontinente sein, wenn wir das mit der Kohle nicht geregelt kriegen. Dann nimmt uns nicht einmal Australien mehr ernst. Und so schlimm darf es ja kaum kommen.
Der Rest von der Ewigkeit
Und noch die restlichen Eindrücke meiner Recherche-Reise.
Während Neapel doch eher so griddy und dirty rüberkam, konnte sich Rom auf Anhieb in die Top 5 meiner Lieblingsstädte schieben. Eine Schande, dass ich da nicht schon vorher mal vorbei geschaut habe.
Diesbezüglich wird sich da sicher noch ein bisschen was nachholen lassen. Vor allen, weil es in der ewigen Stadt die deutlich bessere Pizza gab, als in Neapel.
napoli
Letzte Fahrt nach oben
Der wohl schönste Aufzug Wiens hat seinen Betrieb eingestellt. Gezwungenermaßen. Wegen irgendwelchen spaßbremsenden Dingen wie Sicherheit und Vorschriften, so stand auf dem Brief der Hausgenossenschaft zu lesen. Wenn es jedoch nach mir und meinen Regeln für die Welt gegangen wäre, hätte er noch ewig in den 2. Stock hochstottern können.
Schon alleine, wenn man diese Jugendstil anmutende Holztüre hinter sich zu donnerte, kam man sich vor wie zu Kaisers Zeiten . Und während der Fahrt nach oben, war man ganz nah an diesem unheimlichen Gefühl, dass die Menschen zur vorletzten Jahrtausendwende gehabt haben mussten: Diesen tiefen Respekt vor der schnaufenden und fauchenden Kraft der Technik. Diese Hilflosigkeit, mit der man mit dieser omnipotent wirkenden Kraft ausgesetzt war.
Richtig viel ist von dieser Kraft natürlich nicht übrig geblieben. Nur noch Wackeln und Scheppern. Zudem sind wir im Jahre sechs des Smartphones natürlich nur noch chromglänzende High-Speed-Power-Lifte mit serieller Sprachfunktion und Touchsreen gewöhnt. Solche, die sich wahlweise im Notfall in einen hochintelligenten Roboter verwandeln oder das Raum-Zeit-Kontinuum auflösen können.
Dieser Aufzug aber, der jetzt nach gefühlten 200 Jahren spärlich verlässlicher Betriebsamkeit in diesem, unserem Hause zum Altschrott down-gegraded wurde, konnte nicht einmal mit einer Person an Bord nach UNTEN fahren. Nur Leerfahrten waren möglich. Andersherum bedeutete das aber auch, dass es mit diesem Ding für den Fahrgast immer nur aufwärts ging. Und damit ist in unserer turbulenten High-Tec-Zeit so ein alter Klapperkasten wohl humanistischer als Siri es je wird sein können.
Elevator has left the building. Quasi
beschütz dich doch selbst
Ein neues Projekt zieht am Horizont auf: protect me. Behandelt die ganze wachsweiche Unverfänglichkeit unserer Ego-versauten Wischi-Waschi-Generation. Immer hübsch ein Hintertürchen offen lassen, ob nicht doch noch was besseres zu uns um die Ecke gekrochen kommt.
Das ganze ist ein Hörtheater, also so etwas wie eine Lesung in Deluxe. Auf jeden Fall aber wieder ein ganz feines Ding von den Machern der Beautyqueen. Und da schließe ich mich natürlich mit ein, denn von mir kommt untenstehende Grafik. Das Stück an sich, so viel durfte ich schon Probe hören, ist wirklich große Klasse. Das Team dahinter sowieso!
Also: hingehen und anschauen. Ganz ohne Hintertürchen. Da kommt nix besseres mehr. Ehrlich. Ab 9. Mai. Im Loft – Ihrem Aufreißerschuppen am Gürtel.
… wir sind aber auch geile Säue.
die kleinen französinnen
Ich habe mir ein neues Küchenspielzeug zugelegt: ein Backblech für Madeleines. Das sind diese kleinen französischen Sandkuchen in Muschelform. Ursprünglich mit nur Zitronenaroma verfeinert, kann man natürlich alles Mögliche rein geben. Vanille, Zimt, Nüsse, Himbeeren, Heidelbeeren, weiße Schokolade, geschmolzene Schokolade, Schokoladenstückchen, Schokoladenüberzug, Schokoladenstückchen mit Schokoladenüberzug, Goldstaub, Diamanten, Königreiche.
Diese Vielfältigkeit macht neben ihrer verspielten Form gerade den Reiz der Süßmuscheln aus. Und weil sie ideal fürs Picknick oder dergleichen sind. Der Frühling ist also in meinen Backofen eingekehrt – wenn schon draussen noch der Schnee stur vor sich hin rieselt.
































